Kom­pen­sa­ti­on für Un­si­cher­heit

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - FH

Es zählt zu den grund­le­gen­den Kon­zep­ten der Fi­nanz­markt­theo­rie, dass ri­si­ko­scheue In­ves­to­ren für das von ih­nen ein­ge­gan­ge­ne Ri­si­ko ent­schä­digt wer­den wol­len. Das il­lus­triert ein Bei­spiel, in dem zwei An­la­gen die glei­che pro­gnos­ti­zier­te Ren­di­te ab­wer­fen – al­so ei­nen iden­ti­schen Er­war­tungs­wert auf­wei­sen. Das In­vest­ment, bei dem die mög­li­chen End­re­sul­ta­te stär­ker vom Er­war­tungs­wert ab­wei­chen kön­nen, ist mit mehr Un­si­cher­heit be­haf­tet. In­ves­to­ren sind des­halb nur be­reit, in die­se An­la­ge zu in­ves­tie­ren, wenn hier der Preis tie­fer liegt.

Auf die­sem Kon­zept ba­siert die Ak­ti­en­ri­si­ko­prä­mie: Sie ver­sucht zu quan­ti­fi­zie­ren, wie gross die ge­for­der­te Über­ren­di­te ge­gen­über ri­si­ko­lo­sen An­la­gen sein muss, da­mit in Ak­ti­en in­ves­tiert wird. Denn die Ren­di­ten von Ak­ti­en sind mit ei­ner deut­lich hö­he­ren Un­si­cher­heit be­haf­tet als et­wa Staats­an­lei­hen fi­nan­zi­ell ge­sun­der Län­der.

Grund­sätz­lich gibt es drei Me­tho­den, die Ri­si­ko­prä­mie ab­zu­schät­zen. Die ers­te Mög­lich­keit lie­fert ei­ne his­to­ri­sche Be­trach­tung. So wird be­rech­net, wel­che Über­ren­di­te Ak­ti­en in der Ver­gan­gen­heit zu ri­si­ko­lo­sen In­vest­ments er­zielt ha­ben. Dies wird an­schlies­send als Er­war­tungs­wert in die Zu­kunft pro­ji­ziert. Da es sich um ein rück­wärts ge­rich­te- tes Kon­zept han­delt, ist die Aus­sa­ge­kraft al­ler­dings be­grenzt und stark von der ge­wähl­ten Pe­ri­ode ab­hän­gig.

Ei­ne vor­wärts ge­rich­te­te Her­an­ge­hens­wei­se ist, mit­hil­fe von Um­fra­gen un­ter Markt­ak­teu­ren – Öko­no­men, Ana­lys­ten, Fonds­ma­na­gern – die kol­lek­ti­ve Er­war­tung ab­zu­schät­zen. Die drit­te Me­tho­de be­steht dar­in, an­hand des ak­tu­el­len Markt­prei­ses und der pro­gnos­ti­zier­ten Aus­schüt­tun­gen die Ri­si­ko­prä­mie im­pli­zit ab­zu­lei­ten. Ein Pro­blem stellt hier­bei al­ler­dings die Plau­si­bi­li­tät der ge­trof­fe­nen An­nah­men dar.

Häu­fig wird für die Be­rech­nung der Ak­ti­en­ri­si­ko­prä­mie das so­ge­nann­te Fed-Mo­dell ge­nutzt. Es quan­ti­fi­ziert die Ren­di­te der Ak­ti­en über den Kehr­wert des Kurs­Ge­winn-Ver­hält­nis­ses, den so­ge­nann­ten Earnings Yield. Der Reiz des Fed-Mo­dells liegt vor al­lem dar­in, dass es re­la­tiv ein­fach zu ver­ste­hen und an­zu­wen­den ist. Oft wird als Ba­sis der Über­schuss pro Ak­tie ei­nes ein­zel­nen Jah­res ge­wählt. Da­mit wird der Zykli­zi­tät des Ge­schäfts­gangs wo­mög­lich zu we­nig Be­ach­tung ge­schenkt. Das gilt zur­zeit be­son­ders im ame­ri­ka­ni­schen Ak­ti­en­markt, wo die Ge­winn­mar­gen der Un­ter­neh­men län­ger­fris­tig kaum auf dem ak­tu­el­len Ni­veau ge­hal­ten wer­den kön­nen.

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