Und wie­der Draghi

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALEX­AN­DER KRÄ­MER

Er läuft und läuft und läuft … der al­te Wer­be­slo­gan ei­nes deut­schen Au­to­mo­bil­her­stel­lers scheint auch für den USAk­ti­en­markt zu gel­ten. Der S&P 500 er­reich­te am Frei­tag ei­nen neu­es Hoch jen­seits von 2 070. Hier­zu dürf­te auch der am Don­ners­tag ver­öf­fent­lich­te Phil­ly-Fed In­dex bei­ge­tra­gen ha­ben. Die­ser stieg von 20,7 auf 40,8, ob­wohl ein mo­de­ra­ter Rück­gang er­war­tet wor­den war. Die eu­ro­päi­schen Ak­ti­en­märk­te ha­ben da bis­her nicht mit­hal­ten kön­nen.

Der Dax han­del­te am Frei­tag­nach­mit­tag bei über 9 700, et­wa 4% un­ter sei­nem All­zeit­hoch vom Ju­ni. Das darf nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass auch die eu­ro­päi­schen Ak­ti­en­märk­te deut­li­che Kurs­ge­win­ne er­ziel­ten. Der Eu­ro Sto­xx 50 ge­wann im Wo­chen­ver­lauf et­wa 4,2%, beim Dax wa­ren es +4,8%. Über­ra­schend ent­stand ein Gross­teil der Kurs­ge­win­ne erst in der zwei­ten Wo­chen­hälf­te, als die vor­läu­fi­gen Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes ent­täusch­ten. Für das ver­ar­bei­ten­de Ge­wer­be in Deutsch­land hat­te man 51,5 er­war­tet, et­wa wie im Vor­mo­nat. Ver­öf­fent­licht wur­den 50. Auch die Auf­trags­ein­gän­ge der ita­lie­ni­schen In­dus­trie wa­ren schwä­cher als er­war­tet.

Die Hoff­nung auf Li­qui­di­tät treibt die Ak­ti­en­kur­se nach oben.

US-In­fla­ti­on steigt

Wenn Ak­ti­en­märk­te trotz solch schwa­cher Kon­junk­tur­da­ten stei­gen, kann das ei­gent­lich nur be­deu­ten, dass man auf wei­te­re Li­qui­di­täts­sprit­zen durch die No­ten­ban­ken hofft. Und ge­nau die­se Hoff­nung hat der Prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), Ma­rio Draghi, am Frei­tag in ei­ner Re­de ge­nährt: Soll­te die ak­tu­el­le Geld­po­li­tik nicht ef­fek­tiv ge­nug sein, um Wachs­tum und In­fla­ti­on in der Eu­ro­zo­ne wie­der in die Spur zu brin­gen, wird die EZB Grös­se, Ge­schwin­dig­keit und Zu­sam­men­set­zung ih­rer Wert­pa­pier­käu­fe an­pas­sen.

Ei­ne sol­che Äus­se­rung geht na­tür­lich auch an an­de­ren Märk­ten nicht spur­los vor­über. Die Um­lauf­ren­di­te zehn­jäh­ri­ger deut­scher Bun­des­an­lei­hen, die am Mitt­woch noch auf mehr als 0,85% ge­stie­gen war, fiel nach der Draghi-Re­de wie­der un­ter 0,8% und lag im spä­ten eu­ro­päi­schen Frei­tags­han­del bei 0,77%. Spa­ni­sche Staats­an­lei­hen ge­wan­nen eben­falls deut­lich und ren­tier­ten mit 2,02% nur knapp ober­halb der Tiefst von Mit­te Ok­to­ber. USStaats­an­lei­hen pro­fi­tier­ten da­ge­gen kaum von den Ent­wick­lun­gen in Eu­ro­pa. Zehn­jäh­ri­ge Tre­a­su­ries no­tier­ten im frü­hen US-Han­del mit 2,33% na­he­zu un­ver­än­dert zur Vor­wo­che. Hier be­rei­tet man sich of­fen­sicht­lich auf Zins­er­hö­hun­gen vor. Denn die US-Kon­junk­tur zeigt sich von dem nied­ri­gen Wachs­tum der Welt­wirt­schaft bis­lang kaum be­ein­druckt. Zu­dem kam es zu ei­nem über­ra­schen­den An­stieg der In­fla­ti­on. Lag der An­stieg der Er­zeu­ger­prei­se ge­gen­über dem Vor­mo­nat Ge­rüch­ten zu­fol­ge noch an ei­ner Än­de­rung in der Be­rech­nungs­me­tho­dik, deu­tet der An­stieg der Kern­in­fla­ti­on – das sind die Ver­brau­cher­prei­se oh­ne Nah­rungs­mit­tel und Ener­gie – dar­auf hin, dass die US-No­ten­bank (Fed) wohl im Som­mer 2015 mit ei­ner ers­ten Zins­er­hö­hung kom­men wird. Das zeigt auch ei­ne von der New York Fed am Don­ners­tag ver­öf­fent­lich­te Um­fra­ge un­ter den Pri­mär­händ­lern des Fe­deral Re­ser­ve.

Neue Eu­ro­schwä­che

Am De­vi­sen­markt wa­ren die Aus­wir­kun­gen der Re­de Drag­his deut­lich. Ten­dier­te der Eu­ro zu Be­ginn des Frei­tags­han­dels im Wo­chen­ver­gleich noch un­ver­än­dert zum Dol­lar, wer­te­te er um­ge­hend mehr als ei­nen Cent ab. Sah es am Don­ners­tag zwi­schen­zeit­lich noch so aus, dass der Eu­ro über 1.26 stei­gen könn­te, no­tier­te er am Frei­tag­nach­mit­tag nur knapp über 1.24 $/€. Über­ra­schen­der­wei­se ge­riet der Fran­ken ge­gen­über dem Eu­ro kaum un­ter Auf­wer­tungs­druck; er be­weg­te sich erst­mals seit An­fang No­vem­ber wie­der von dem von der SNB eta­blier­ten Min­dest­kurs von 1.20 Fr./€ weg – wenn auch nur kurz­zei­tig.

Gold, wel­ches zu­letzt von den Dis­kus­sio­nen um die Gold­in­itia­ti­ve pro­fi­tiert hat­te, han­del­te in ei­ner en­gen Span­ne zwi­schen 1.175 und 1.205 $/Fein­un­ze. In­ter­es­san­ter wa­ren da zum Wo­chen­schluss die Öl­no­tie­run­gen. Be­flü­gelt von ei­ner Zins­sen­kung in Chi­na ver­teu­er­te sich die Sor­te Brent kurz­fris­tig wie­der auf über 80 $/Fass.

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