Sam­ba an den Ka­pi­tal­märk­ten

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - CLAU­DIA VON WALD­KIRCH,

Vor rund ei­ner Wo­che über­schlu­gen sich die Er­eig­nis­se in Bra­si­li­en. In der mäch­tigs­ten Volks­wirt­schaft Latein­ame­ri­kas wur­de der gröss­te Kor­rup­ti­ons­fall auf­ge­deckt: jah­re­lan­ge Preis­ab­spra­chen und Schmier­geld­zah­lun­gen in Mil­li­ar­denhö­he. Es gab Ver­haf­tun­gen, Haus­durch­su­chun­gen und Kon­ten­blo­ckie­run­gen. In den Skan­dal sind ne­ben der staat­li­chen Pe­tro­bras noch an­de­re Gross­kon­zer­ne, aber auch klei­ne­re Fir­men in­vol­viert. Der Ka­pi­tal­markt re­agier­te ra­sant: Die An­lei­hen der be­trof­fe­nen Emit­ten­ten ka­men un­ter die Rä­der. Am Di­ens­tag er­reich­ten die An­lei­hen von Pe­tro­bras ih­re Tiefst. Die Ri­si­ko­prä­mie der dreis­sig­jäh­ri­gen An­lei­he, die mit BBB/BBB– ein­ge­stuft ist, klet­ter­te auf 440 Ba­sis­punk­te (Bp), was ei­ner Ablauf­ren­di­te von fast 7,5% ent­spricht. Ab Wo­chen­mit­te fin­gen die Pe­tro­brasBonds an, sich zu er­ho­len. In zwei Ta­gen eng­te sich die Ri­si­ko­prä­mie der dreis­sig­jäh­ri­gen An­lei­he um 50 Bp ein. Die An­lei­hen klei­ne­rer, für den Staat we­ni­ger wich­ti­ger Un­ter­neh­men ka­men mit Kurs­ein­brü­chen bis zu 70% nicht so zim­per­lich da­von. Dil­ma Rousseff, die nur knapp die Prä­si­dent­schafts­wahl ge­won­nen hat, ver­gibt in Kür­ze ver­schie­de­ne wich­ti­ge Äm­ter. An­le­ger war­ten mit Span­nung, wen sie als Fi­nanz­mi­nis­ter ein­setzt. Markt­teil­neh­mern zu­fol­ge ist ei­ne markt­ori­en­tier­te Per­son die bes­te Lö­sung für das Land, das un­ter Re­form­stau lei­det. Nach dem Mot­to «des ei­nen Leid, des an­de­ren Freud» nutz­ten vie­le Emit­ten­ten die Schwä­che­pha­se in Bra­si­li­en und leg­ten An­lei­hen auf. So plat­zier­te ei­ner der gröss­ten Tor­til­la-Her­stel­ler, die aus Me­xi­ko stam­men­de und mit BB+ ein­ge­stuf­te Gru­ma, ei­ne zehn­jäh­ri­ge An­lei­he mit ei­nem Spre­ad von 255 Bp im Um­fang von 400 Mio. $. Ei­ne ganz an­de­re Di­men­si­on er­reich­ten die An­lei­hen von Ali­ba­ba. Der mit A+ ein­ge­stuf­te High­fly­er aus Chi­na plat­zier­te Bonds im Um­fang von 8 Mrd. $ ver­schie­de­ner Lauf­zei­ten. Das In­ter­es­se der An­le­ger war sehr gross, die Emis­sio­nen wa­ren mit 55 Mrd. $ fast sie­ben­fach über­zeich­net. Die ho­he Nach­fra­ge schlug sich für Ali­ba­ba in güns­ti­ge­ren Kon­di­tio­nen nie­der, ei­ne «Chi­na-Prä­mie» brauch­te der On­li­ne-Händ­ler nicht zu zah­len. Die ak­ti­ve Zeit am Pri­mär­markt dürf­te noch ei­ni­ge Wo­chen an­dau­ern, be­vor dann die üb­li­che Ruhe zum Jah­res­en­de ein­kehrt.

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