Ri­che­mont schlägt zu­rück

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS COR­TES

Gu­tes Ma­nage­ment ko­tier­ter Un­ter­neh­men zu er­ken­nen, scheint nicht im­mer ganz ein­fach zu sein. Das zei­gen Pe­ri­oden, in de­nen Me­di­en sich dar­in über­bie­ten, je­des Jahr die bes­ten Ma­na­ger zu kü­ren. Das wird wei­ter­hin prak­ti­ziert, aber nicht in dem Um­fang wie frü­her. In die Lis­te der Aus­ge­zeich­ne­ten schaff­ten es un­ter an­de­ren die Her­ren Bar­ne­vik von ABB, Müh­le­mann von CS und Os­pel von UBS, Pi­sche­ts­rie­der, der BMW in das Ro­ver-De­ba­kel führ­te, und Schremp, der die schon von sei­nem Vor­gän­ger be­schä­dig­te Per­le Daim­ler Benz mit der Über­nah­me von Chrys­ler mit ei­ner wei­te­ren Hy­po­thek be­las­te­te.

Hin­ge­gen scheint der Markt ei­ne gu­te An­ten­ne für so­li­des Ma­nage­ment zu ha­ben. So­mit stellt sich die Fra­ge, wie nach­hal­tig gut ge­führ­te Un­ter­neh­men über die Nut­zung von Markt­si­gna­len ent­deckt wer­den kön­nen.

Star­ke Po­si­ti­on

Na­tür­lich über die re­la­ti­ve Stär­ke, de­ren Ein­satz Fried­rich von Hay­ek in «Die Ver­wer­tung des Wis­sens in der Ge­sell­schaft» be­grün­de­te. Preis­si­gna­le, be­son­ders sol­che von re­la­ti­ven Prei­sen, sieht er als die bes­te Mög­lich­keit, «das Pro­blem der Ver­wer­tung von Wis­sen, das nie­man­dem in sei­ner Ge­samt­heit ge­ge­ben ist», prak­ti­ka­bel zu lö­sen, ob­wohl die Er­geb­nis­se wohl nie­mals voll­kom­men in dem Sin­ne sei­en, den sich die Öko­no­men vor­stel­len wür­den.

Seit ih­rer Ko­tie­rung im Jahr 1996 hat die Ri­che­mont-Ak­tie, von kur­zen Ab­schnit­ten ab­ge­se­hen, die sich als «re­cu­ler pour mieux sau­ter» er­wie­sen, ei­ne der bes­ten Kurs­ent­wick­lun­gen in Eu­ro­pa hin­ge­legt. Den MSCI-Welt­in­dex über­bot sie um den Fak­tor 5, eben­so den SPI in­klu­si­ve Dividenden, und den SMI um den Fak­tor 4,5, den Sek­tor­index um 1,8 und die Swatch-In­ha­ber­ti­tel um 1,6. Weit ab­ge­schla­gen Frank­reichs Lu­xus­ak­ti­en wie Ke­ring (Fak­tor 5 zu­guns­ten von Ri­che­mont) und LVMH (Fak­tor 2,6 für Ri­che­mont). Über die gan­ze Pe­ri­ode gab es nur we­ni­ge Zeit­fens­ter mit ne­ga­ti­ver Ent­wick­lung im Ver­gleich zu MSCI Welt, MSCI Eu­ro­pa und SMI, und je­de sol­che Pha­se er­wies sich als Kauf­ge­le­gen­heit für Leu­te, die sich in Hausse und Bais­se für lang­fris­tig ori­en­tiert er­klä­ren und ih­ren Zeit­ho­ri­zont in Bais­sen nicht ver­kür­zen, was oft vor­kommt.

Die neu­es­te Pe­ri­ode re­la­ti­ver Schwä­che setz­te im Ok­to­ber 2013 ein und hielt ein Jahr. Seit­her hat der Ti­tel nur 88% der Per­for­mance des MSCI Welt mit­ge­macht und ähn­lich wie MSCI Eu­ro­pa und SMI ab­ge­schnit­ten. Swatch ent­wi­ckel­te sich 76% noch schlech­ter. Seit Mit­te Ok­to­ber le­gen bei­de Pa­pie­re zu al­len drei ge­nann­ten In­di­zes wie­der präch­tig zu, wie der gan­ze Sek­tor. Die Durst­stre­cke dürf­te über­stan­den, die Füh­rungs­po­si­ti­on der Ri­che­mont-Ak­tie er­hal­ten ge­blie­ben sein.

Con­tra­ri­an und Trend­fol­ger

Die Moral der Ge­schich­te ist: Es trifft nicht zu, dass man un­be­dingt Con­tra­ri­an sein muss, um Bör­sen­er­fol­ge zu ha­ben. Con­tra­ri­an-Chan­cen zu nut­zen, ist emp­feh­lens­wert, sie kom­men aber re­la­tiv sel­ten auf uns zu. Nach­hal­tig wird der Er­folg nur dann, wenn die Con­tra­ri­an-Chan­cen rich­ti­ger­wei­se als Be­ginn lang­fris­ti­ger Trends er­kannt wor­den sind, nicht aber, wenn es nur ein Stroh­feu­er ist.

Da­bei sind die no­mi­nel­len Kur­se we­ni­ger wich­tig als die re­la­ti­ven, die er­lau­ben, an den bes­ten Ak­ti­en auch in Bais­sen fest­zu­hal­ten und sich durch den Ver­kauf von In­dex-Fu­tures weit­ge­hend vor gros­sen Ver­lus­ten zu schüt­zen. Über die re­la­ti­ve Stär­ke kann sehr wohl die Spreu vom Wei­zen ge­trennt und kön­nen die­je­ni­gen Ak­ti­en er­mit­telt wer­den, die sich für lang­fris­ti­ge An­la­gen eig­nen. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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