Jah­res­en­dral­ly?

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - HEINZ RÜT­TI­MANN,

SDie Märkte wür­den da­durch wei­ter be­flü­gelt. Die Chan­ce für ei­ne Jah­res­en­dral­ly in Eu­ro­pa ist mit mehr Un­si­cher­hei­ten be­haf­tet. Die Stim­mung ist im­mer noch ver­hal­ten, trotz der ei­gent­lich gu­ten Ge­winn­be­richt­er­stat­tung im drit­ten Quar­tal und dem geld­po­li­ti­schen Sup­port der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank. Der über­ra­schen­de An­stieg des deut­schen IfoGe­schäfts­kli­ma­in­dex könn­te hel­fen, die Stim­mung zu dre­hen.

Ei­ne vor­weih­nacht­li­che eu­ro­päi­sche Mark­teu­pho­rie ist aber we­nig wahr­schein­lich. Ei­ne brei­te Ver­bes­se­rung der Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren in Eu­ro­pa wird je­doch noch Zeit brau­chen und erst im Ver­lauf von 2015 wie­der ver­mehrt für po­si­ti­ve Schlag­zei­len sor­gen.

Öl der Sor­te Brent kos­tet jetzt rund 29% we­ni­ger als zu Jah­res­be­ginn. Bei die­sem Preis­zer­fall stellt sich eben­falls die Fra­ge nach ei­ner mög­li­chen Jah­res­en­dral­ly. Dies

Das gröss­te Po­ten­zi­al da­zu ha­ben die Schwel­len­län­der Asi­ens.

eit An­fang des Jah­res ist der S&P-500-In­dex um knapp 12% ge­stie­gen. Im Ver­gleich da­zu sind die eu­ro­päi­schen Märkte 2 bis 5% hö­her. Die Aus­nah­me bil­det der Schwei­zer SMI, der um 10% ge­stie­gen ist. Wie je­des Jahr stellt sich die Fra­ge nach ei­ner Jah­res­en­dral­ly.

Die Stim­mung in den USA ist be­reits gut. Was die Stim­mung aber noch wei­ter he­ben könn­te und für ei­ne Jah­res­en­dral­ly spre­chen wür­de, sind ein um­satz­star­ker Black Fri­day die­se Wo­che und Cy­ber Mon­day nächs­te Wo­che. Die­se zwei Ta­ge ge­hö­ren zu den um­satz­stärks­ten Ta­gen im USEin­zel­han­del und im On­li­ne­Ge­schäft. Das Ben­zin hat sich seit Jah­res­be­ginn um rund 15% ver­bil­ligt, und so­mit steht theo­re­tisch mehr Geld zur Ver­fü­gung. Es scheint durch­aus plau­si­bel, dass die­ses Geld in das Weih­nachts­ge­schäft fliesst.

US Sha­le ver­sus Opec

um­so mehr, da sich die Or­ga­ni­sa­ti­on erd­öl­ex­por­tie­ren­der Län­der (Opec) kom­men­den Don­ners­tag in Wi­en trifft, um über ih­re Stra­te­gie zu be­ra­ten. Um ei­ne Öl­preis­ral­ly zu star­ten, müss­te die Opec die För­der­men­ge sub­stan­zi­ell re­du­zie­ren. Da­ge­gen spre­chen aber zu­min­dest zwei Fak­to­ren.

Zum ei­nen hat die Ver­gan­gen­heit ge­zeigt, dass die Opec-Mit­glie­der al­les an­de­re als dis­zi­pli­niert sind, wenn es dar­um geht, die ver­ein­bar­ten För­der­quo­ten ein­zu­hal­ten. Ein wei­te­res Ar­gu­ment ge­gen ei­ne Öl­preis­ral­ly stellt das mo­men­ta­ne Über­an­ge­bot dar. Es hat sich durch die ge­stie­ge­ne US-För­de­rung auf­ge­baut, ist al­so struk­tu­rel­ler und nicht zy­kli­scher Na­tur. Ein Preis­an­stieg wür­de in den USA eher zu ei­ner Pro­duk­ti­ons­aus­wei­tung füh­ren als um­ge­kehrt. Ei­ne Jah­res­en­dral­ly ist da­her un­wahr­schein­lich.

Asi­en und der Rest

Be­trach­tet man die Schwel­len­län­der, so liegt das gröss­te Po­ten­zi­al für ei­ne Jah­res­en­dral­ly in Asi­en. Aus die­ser Region kom­men auch die mehr­heit­lich po­si­ti­ven Wirt­schafts­nach­rich­ten. Be­son­ders er­wäh­nens­wert ist da­bei die Zins­sen­kung der chi­ne­si­schen Zen­tral­bank ver­gan­ge­ne Wo­che. Die­ser Schritt ist ein kla­res Be­kennt­nis, die Wirt­schaft zu stüt­zen.

Der breit ge­fass­te CSI 300 ist seit dem Zins­schritt um rund 5% ge­stie­gen. In­di­en ist das zwei­te Land, das den Markt po­si­tiv über­ra­schen könn­te. Die Ver­brau­cher­prei­se sind im Jah­res­ver­gleich von 10 auf 5,5% und die Er­zeu­ger­prei­se von 7,2 auf 1,8% ge­fal­len. Die in­di­sche Zen­tral­bank be­rät An­fang De­zem­ber über die Geld­po­li­tik. Ein Zins­schritt kä­me sehr uner­war­tet und wür­de wohl wie in Chi­na ein klei­nes Kurs­feu­er­werk aus­lö­sen.

Asi­en liegt aber nicht nur was die Jah­res­en­dral­ly be­trifft vor­ne, son­dern auch wenn es dar­um geht, die An­la­ge­stra­te­gie für 2015 zu be­stim­men. Zwei wich­ti­ge Grün­de spre­chen da­für, den Schwer­punkt auf Asi­en zu le­gen: Ers­tens sind die Län­der der Region we­ni­ger ex­po­niert, soll­ten die USA den ers­ten Zins­schritt wa­gen. Zwei­tens sind sie Net­to­en­er­gie­im­por­teu­re und pro­fi­tie­ren von tie­fe­ren Ener­gie­prei­sen. In vie­len Län­dern wer­den Ben­zin und Die­sel staat­lich sub­ven­tio­niert. Wird Öl bil­li­ger, pro­fi­tiert auch die Staats­kas­se, die we­ni­ger für Sub­ven­tio­nen aus­ge­ben muss. Die­ses Geld wür­de frei für In­fra­struk­tur­pro­jek­te oder fis­ka­li­sche Stüt­zungs­pro­gram­me.

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