An­le­ger wer­den lang­sam se­lek­ti­ver

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN -

Wäh­rend die US-No­ten­bank (Fed) nach und nach zu ei­ner we­ni­ger ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik über­geht, hal­ten die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) und die Bank von Ja­pan ih­ren Ex­pan­si­ons­kurs. Die Li­qui­di­tät, die im Um­lauf ist, nimmt wei­ter zu, so­dass das Um­feld für ri­si­ko­rei­che An­la­gen güns­tig bleibt. So fi­nan­zie­ren sich An­lei­hen­e­mit­ten­ten – de­nen das nicht ent­gan­gen ist – wei­ter­hin güns­tig, um ih­re Bar­re­ser­ven zu er­hö­hen oder ih­re Schul­den zu güns­ti­ge­ren Kon­di­tio­nen zu re­struk­tu­rie­ren. Die An­zahl der Neu­emis­sio­nen liegt der­zeit fast 40% über dem Vor­jah­res­ni­veau, und mit knapp 770 neu­en Ob­li­ga­tio­nen al­lein im No­vem­ber hält der Trend an. Da­ge­gen trägt der Markt ein hö­he­res Ri­si­ko: Der durch­schnitt­li­che Cou­pon ist bei glei­cher Du­ra­ti­on von et­wa fünf Jah­ren von 3,55 auf 2,28% ge­sun­ken. Der Ab­wärts­trend der Cou­pons zeig­te sich auch bei AstraZe­ne­ca ver­gan­ge­ne Wo­che. Das bri­ti­sche Phar­ma­un­ter­neh­men emit­tier­te ei­ne neue sie­ben­jäh­ri­ge An­lei­he zu und kauf­te gleich­zei­tig ei­ne al­te, 2015 fäl­li­ge An­lei­he mit ei­nem Cou­pon von 51⁄ zu­rück. Auf die­se Wei­se schrumpft die Zins­last um mehr als 30 Mio. € pro Jahr. Das ist ei­ne er­heb­li­che Ge­winn­ein­bus­se für die In­ha­ber von An­lei­hen. Das In­ter­es­se an dem neu­en AstraZe­ne­ca-Pa­pier zeugt von dem nach wie vor gros­sen Ap­pe­tit des Mark­tes: Für die Emis­si­on über 750 Mio. € gin­gen Ge­bo­te über mehr als 3 Mrd. € ein. So­mit konn­te die Emit­ten­tin die Be­din­gun­gen so­gar ver­schär­fen. Den Vo­gel schoss Ali­ba­ba ab. Statt wie an­ge­strebt 8 Mrd. $ zur Er­stat­tung von Bank­dar­le­hen sam­mel­ten die Chi­ne­sen 57 Mrd. $ ein. Die Ren­di­te der sechs Tran­chen wur­de um 15 bis 25 Ba­sis­punk­te nach unten kor­ri­giert. Es gibt je­doch auch Hin­wei­se, dass der Markt se­lek­ti­ver wird. So hat MGM im obe­ren Be­reich der Emis­si­ons­span­ne zu 6% Ka­pi­tal auf­ge­nom­men, und die Deut­sche Bank in­iti­ier­te ei­ne leich­te Re­duk­ti­on ih­rer nach­ran­gi­gen Bank­an­lei­hen, nach­dem sie ein neu­es AT1-Emis­si­ons­vor­ha­ben an­ge­kün­digt hat­te. Sie hat­te in die­sem Jahr be­reits drei An­lei­hen­tran­chen die­ser Art für 3,6 Mrd. € emit­tiert, von de­nen kei­ne über dem Emis­si­ons­preis no­tiert. Die­se er­höh­te Se­lek­ti­vi­tät be­ru­higt. Der Markt ist al­so doch nicht ganz blind.

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