Neu­an­fang in Ener­gie­po­li­tik

Finanz und Wirtschaft - - ENERGIE - PM

In der kom­men­den Wo­che be­ginnt der Na­tio­nal­rat mit der Be­ra­tung der Ener­gie­stra­te­gie 2050. Sie ver­langt, un­ter dem Ein­druck der Ka­ta­stro­phe von Fu­kus­hi­ma vor bald vier Jah­ren, den Aus­stieg aus der Kern­ener­gie. Die Ener­gie­ver­sor­gung soll weit­ge­hend auf er­neu­er­ba­re Ener­gi­en um­ge­stellt wer­den. Zur Er­gän­zung sind Gas­kraft­wer­ke oder mehr Im­por­te vor­ge­se­hen. Er­reicht wer­den soll das Ziel über Sub­ven­tio­nen, Ab­ga­ben, Ge­bo­te und Ver­bo­te.

Ei­ne Grup­pe un­ab­hän­gi­ger Ex­per­ten aus den Dis­zi­pli­nen Phy­sik, Che­mie, Geo­lo­gie, Elek­tro­in­ge­nieur­we­sen so­wie Öko­no­mie um die zwei Öko­no­men Bernd Schips und Sil­vio Bor­ner hat die Stra­te­gie un­ter die Lu­pe ge­nom­men. Ih­re Stu­die mit dem Ti­tel «Ener­gie­stra­te­gie 2050 – wirt­schafts­po­li­ti­scher Jahr­hun­dert­feh­ler?» kommt zu ei­nem ver­hee­ren­den Fa­zit: «Die Ener­gie­stra­te­gie 2050 muss un­ver­züg­lich ge­stoppt und grund­sätz­lich über­ar­bei­tet wer­den.»

Pl­an­wirt­schaft

Ih­re Kri­tik grün­det zu­nächst auf grund­sätz­li­chen Ar­gu­men­ten. Die bun­des­rät­li­che Stra­te­gie füh­re in ei­ne Pl­an­wirt­schaft mit un­ab­seh­ba­ren Fol­gen. Sie hät­te struk­tu­rel­le Brü­che zur Fol­ge, die in der Stra­te­gie nicht ein­mal im An­satz un­ter­sucht wür­den. Zu­dem wen­den sie sich strik­te ge­gen Tech­no­lo­gie­ver­bo­te. Die Sub­ven­ti­on nur be­stimm­ter Tech­no­lo­gi­en füh­re letzt­lich da­zu, dass ver­al­te­te Tech­no­lo­gi­en be­güns­tigt wür­den.

Mit Nach­druck kri­ti­siert die Stu­die, dass mit der Pho­to­vol­ta­ik und der Wind­ener­gie aus­ge­rech­net die zwei teu­ers­ten For­men der Strom­pro­duk­ti­on mas­siv sub­ven­tio­niert wür­den. Die Stu­die hat den tech­ni­schen In­ves­ti­ti­ons­be­darf für den Um­bau des Sys­tems, in­klu­si­ve des Netz­aus­baus und der -ver­stär­kung, be­rech­net. Sie kommt für die ge­mäss der Ener­gie­stra­te­gie 2050 er­for­der­li­chen Ka­pa­zi­tä­ten auf ei­nen In­ves­ti­ti­ons­be­darf von über 100 Mrd. Fr. Mit ei­nem Drit­tel die­ser Sum­me könn­te die glei­che Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät durch Kern­kraft­wer­ke neue­rer Ge­ne­ra­tio­nen be­reit­ge­stellt wer­den. Die Ver­schleu­de­rung von Res­sour­cen nimmt ge­ra­de­zu gro­tes­ke Aus­mas­se an.

Ho­he Ab­ga­ben

Hin­zu kom­men ex­ter­ne Kos­ten: Um die nach der Ener­gie­stra­te­gie be­nö­tig­te Ka­pa­zi­tät zu er­rei­chen, müss­te die Flä­che von 10 000 bis 20 000 Fuss­ball­fel­dern mit Son­nen­kol­lek­to­ren über­baut wer­den. Hin­zu kä­men rund 1400 Wind­kraft­an­la­gen mit ei­ner Na­ben­hö­he von je 100 Me­tern.

Schlecht weg kommt auch die ge­plan­te Len­kungs­ab­ga­be. Sie führt ge­mäss der Stu­die zu Ef­fi­zi­enz- und Wohl­fahrts­ver­lus­ten. Das gilt grund­sätz­lich auch, wenn sie fis­kal­neu­tral aus­ge­stal­tet ist. Zu­dem wä­ren für die ge­wünsch­te Len­kungs­wir­kung ex­trem ho­he Ab­ga­be­sät­ze nö­tig. Die Ener­gie­stra­te­gie geht für 2050 von ei­nem Ab­ga­be­satz je Ton­ne aus­ge­stos­se­nes CO2 von 1140 Fr. aus. Heu­te be­trägt der Zer­ti­fi­kats­preis an der Eu­ro­pean Ener­gy Ex­ch­an­ge rund 6 € je Ton­ne. Es leuch­tet un­mit­tel­bar ein, dass der­ar­ti­ge Ab­ga­ben mas­si­ve Aus­wir­kun­gen auf die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Wirt­schaft hät­ten.

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