De­fla­tio­nä­re Wel­le

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - BEG

«Die No­ten­ban­ken kön­nen den Kon­junk­tur­zy­klus nicht eli­mi­nie­ren, auch wenn sie sich noch so sehr an­stren­gen», er­klärt Al­bert Ed­wards, Markt­stra­te­ge bei So­cié­té Gé­né­ra­le. Nach der gros­sen Re­zes­si­on 2008 hät­ten die Wäh­rungs­hü­ter be­grei­fen sol­len: «Je län­ger sie die Schwan­kun­gen der Kon­junk­tur und der Fi­nanz­märk­te un­ter­drü­cken, des­to grös­ser ist der nach­fol­gen­de Crash.»

Ed­wards ist be­ken­nen­der Pes­si­mist und warnt schon lan­ge vor den Ge­fah­ren ei­nes de­fla­tio­nä­ren Schocks für die Welt­wirt­schaft. Aus­gangs­punkt ist Chi­na. Das Land dürf­te ge­mäss Ed­wards nächs­tens ge­zwun­gen sein, die Wäh­rung Ren­min­bi – Rech­nungs­ein­heit ist der Yuan – ab­zu­wer­ten. Chi­nas Wett­be­werbs­fä­hig­keit und da­mit die Ex­port­wirt­schaft lei­den un­ter dem Ab­sturz des Yens, ver­ur­sacht durch die äus­serst ex­pan­si­ve Geld­po­li­tik der ja­pa­ni­schen No­ten­bank. Seit Herbst 2012 hat sich der Ren­min­bi ge­gen­über dem Yen mar­kant auf­ge­wer­tet (vgl. Gra­fik unten). Zu­sätz­li­cher Druck auf Chi­nas Ex­port­wirt­schaft kommt von der Schwä­che vie­ler Schwel­len­län­der­wäh­run­gen.

Ex­port­prei­se fal­len

Ei­ne Ab­wer­tung des Ren­min­bis wür­de über fal­len­de Ex­port­prei­se ei­ne de­fla­tio­nä­re Wel­le los­tre­ten und im Tan­dem mit dem schwä­che­ren ja­pa­ni­schen Yen gera­de auch der deut­schen Ex­port­wirt­schaft arg zu­set­zen. Deutsch­land ist stark ex­po­niert, an­ge­sichts ei­ner Ex­port­quo­te – Aus­fuh­ren im Ver­hält­nis zum Brut­to­in­land­pro­dukt – von über 40%. Mit der oh­ne­hin schwä­cheln­den Wirt­schafts­lo­ko­mo­ti­ve Deutsch­land wä­re in der Eu­ro­zo­ne der Weg in die De­fla­ti­on be­son­ders kurz. In Eu­ro­land ist die Jah­res­teue­rung im No­vem­ber auf 0,3% ge­fal­len, wie am Frei­tag be­kannt wur­de.

Die Schwel­len­län­der sei­en ge­ne­rell zwar in ei­ner bes­se­ren Aus­gangs­la­ge als vor der Asi­en­kri­se im Jahr 1997. Doch Ed­wards wen­det ein: «Die auf­stre­ben­den Län­der sind heu­te wirt­schaft­lich be­deut­sa­mer als da­mals. Des­halb fal­len die Fol­gen stär­ker ins Ge­wicht.» Wachs­tums­ver­lang­sa­mung und Wäh­rungs­ab­wer­tung wür­den sich des­halb auf die In­dus­trie­län­der aus­wir­ken. Die Fol­ge da­von wä­re ei­ne glo­ba­le Re­zes­si­on.

Die USA sind nicht ge­feit

Ge­mäss Ed­wards be­fin­den sich auch die USA nä­her am Rand zu sin­ken­den Prei­sen, als die meis­ten Ex­per­ten wahr­ha­ben wol­len. Wer­den nicht die Kon­su­men­ten­prei­se be­trach­tet, son­dern der markt­preis­ba­sier­te In­dex der per­sön­li­chen Kon­sum­aus­ga­ben (Per­so­nal Con­sump­ti­on Ex­pen­ditu­re, PCE) oh­ne Ener­gie und Nah­rungs­mit­tel, re­sul­tie­re ei­ne In­fla­ti­ons­ra­te von nur gera­de 1,2%. «Und das in ei­nem Auf­schwung?», wun­dert sich Ed­wards und fol­gert: «In die­ser kon­junk­tu­rel­len Er­ho­lung gibt es kei­nen zy­kli­schen Auf­wärts­druck auf die In­fla­ti­on, im Ge­gen­teil.»

Das Pro­blem lie­ge dar­in, dass die meis­ten ri­si­ko­be­haf­te­ten Ver­mö­gens­wer­te und vor al­lem Ak­ti­en und Un­ter­neh­mens­an­lei­hen teu­er be­wer­tet sei­en. Die ho­hen Prei­se an­ti­zi­pier­ten ei­nen lan­gen Kon­junk­tur­auf­schwung. «Die Welt­wirt­schaft gleicht aber eher ei­nem al­ten Acht­zy­lin­der­mo­tor, bei dem nur noch ein Zy­lin­der läuft», sagt Ed­wards. Dass nun auch noch die In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen der US-Kon­su­men­ten ge­fal­len sind, sei kein gu­tes Zei­chen.

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