Ren­di­ten rut­schen auf neue Re­kord­tiefs

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AN

Für die Markt­zin­sen in Eu­ro­pa scheint es kein Hal­ten zu ge­ben. Die Ren­di­ten der Staats­an­lei­hen san­ken am Frei­tag auf neue Re­kord­tiefs. Ita­lie­ni­sche Zehn­jäh­ri­ge bei­spiels­wei­se ren­tier­ten erst­mals nur noch 2,03%. Das sind fast 20 Ba­sis­punk­te (Bp, 100 Bp = 1 Pro­zent­punkt) we­ni­ger, als ame­ri­ka­ni­sche Tre­a­su­ries mit glei­cher Lauf­zeit ab­wer­fen. Und das ob­wohl USPa­pie­re die zweit­bes­te Bo­ni­tät auf­wei­sen (AA+), ita­lie­ni­sche mit BBB da­ge­gen nur zwei Stu­fen über Ramsch be­no­tet sind.

Die Eu­pho­rie er­reicht auch die üb­ri­gen Staats­an­lei­hen in der Eu­ro­zo­ne. Ren­di­te­re­kor­de ver­zeich­ne­ten die Pa­pie­re von Spa­ni­en, Por­tu­gal und Ir­land so­wie Deutsch­land, Frank­reich, Ös­ter­reich, Bel­gi­en, Finn­land und den Nie­der­lan­den. Markt­be­ob­ach­ter füh­ren die Zins­schmel­ze vor al­lem auf die Er­war­tung zu­rück, dass die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) schon bald die Li­qui­di­täts­ver­sor­gung wei­ter er­hö­hen wird. EZB-Chef Ma­rio Draghi selbst hat die De­bat­te da­zu an­ge­stos­sen. Sein Vi­ze, Vi­tor Con­stan­cio, wur­de zu­dem mit der Aus­sa­ge zi­tiert, die EZB wer­de im ers­ten Quar­tal 2015 dar­über ent­schei­den, ob sie künf­tig auch Staats­an­lei­hen auf­kau­fe.

Un­ter­stützt wird die Spe­ku­la­ti­on am Zins­markt durch die In­fla­ti­ons­ent­wick­lung. Die jähr­li­che Teue­rungs­ra­te im Wäh­rungs­raum ist im No­vem­ber auf 0,3% ge­sun­ken. Selbst oh­ne die fal­len­den Ener­gie­prei­se wür­de sie nur 0,6% be­tra­gen, Ten­denz sin­kend. Auch die Di­enst­leis­tungs­in­fla­ti­on, die in der Re­gel den Durch­schnitt der Kon­su­men­ten­prei­se an­hebt, be­fin­det sich im No­vem­ber mit 1,1% weit un­ter dem ge­sam­ten In­fla­ti­ons­ziel von knapp 2%, das die EZB an­strebt.

Nach­dem sich die Opec-Mit­glie­der am Don­ners­tag nicht auf ei­ne Dros­se­lung der För­de­rung zu ei­ni­gen ver­moch­ten, um den Öl­preis­rück­gang zu stop­pen, ruht die ein­zi­ge Chan­ce für ei­ne Zins­wen­de auf ei­ner bal­di­gen kon­junk­tu­rel­len Wen­de nach oben. Die Öko­no­men von BNP Pa­ri­bas ha­ben be­rech­net, dass die Kern­ra­te der In­fla­ti­on (al­so oh­ne schwan­ken­de Grös­sen wie Ener­gie oder Le­bens­mit­tel) emp­find­li­cher auf den Ver­lauf der Kon­junk­tur (ge­mes­sen an der Pro­duk­ti­ons­lü­cke) re­agiert als in den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren. Die Kern­in­fla­ti­on wür­de al­so rasch fal­len, falls sich die Wirt­schaft der Eu­ro­zo­ne wei­ter ab­schwä­che. Soll­te die Kon­junk­tur in­des über­ra­schend an Fahrt ge­win­nen, wür­de sich die Kern­in­fla­ti­on bald er­ho­len und die Zin­sen nach oben dre­hen. Nur ist da­von mo­men­tan nichts zu se­hen.

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