Bil­li­ges Öl und die Fol­gen

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - PHIL­IPP SCHÖTT­LER,

Das mit Span­nung er­war­te­te jähr­li­che Tref­fen der Or­ga­ni­sa­ti­on erd­öl­ex­por­tie­ren­der Län­der (Opec) am Don­ners­tag war das do­mi­nie­ren­de The­ma der Wo­che. Wer auf ei­ne Sen­kung der För­der­men­ge ge­hofft hat­te, wur­de ent­täuscht; das Ziel von 30 Mio. Fass pro Tag bleibt be­ste­hen. Der Öl­preis re­agier­te hef­tig und fiel nach Be­kannt­ga­be um mehr als 5% auf 72.90 $/Fass (Brent) – den tiefs­ten Stand seit Ju­ni 2010.

Sau­di-Ara­bi­en setz­te sich durch. We­gen sehr nied­ri­ger För­der­kos­ten kann das Land gut mit dem tie­fe­ren Öl­preis le­ben. Die Staats­kas­se ist oh­ne­hin ge­füllt. Fi­nan­zi­ell schwä­che­re Län­der mit hö­he­ren För­der­kos­ten, wie Ve­ne­zue­la oder Russ­land, lei­den un­ter der Preis­schwä­che. Der Ru­bel, oh­ne­hin schon seit Mo­na­ten un­ter Druck, er­litt ei­nen wei­te­ren Schwä­che­an­fall auf 49.30 Ru­bel/$ und ist jetzt nur noch halb so viel wert wie zu Be­ginn des Jah­res. Auch an­de­re roh­stoff­ab­hän­gi­ge An­la­gen lit­ten in den letz­ten Ta­gen. So ver­lor et­wa der aus­tra­li­sche Dol­lar wei­ter an Bo­den und rutsch­te auf den tiefs­ten Stand seit 2010 bei 0.85 $/aus­tr. $. Ak­ti­en aus dem Ener­gie­sek­tor ge­hör­ten eben­falls zu den Ver­lie­rern. Seit Ju­li hat der US-Ener­gie­sek­tor, ent­ge­gen dem po­si­ti­ven Trend des Ge­samt­mark­tes, 14% ver­lo­ren.

Vor al­lem für den bri­ti­schen Ak­ti­en­markt kommt die Roh­stoff­schwä­che zur Un­zeit. Die Auf­wer­tung des Pfun­des ge­gen­über dem Eu­ro auf zu­letzt 1.2570 €/£ be­las­tet oh­ne­hin be­reits die Ge­win­ne der Ex­por­teu­re. Zu­sätz­lich ha­ben fal­len­de Roh­stoff­prei­se ei­nen di­rek­ten ne­ga­ti­ven Ein­fluss auf fast ein Vier­tel der Un­ter­neh­men im bri­ti­schen Leit­in­dex FTSE 100. Die­ser hat seit Jah­res­be­ginn fast 1% ver­lo­ren und schnei­det da­mit deut­lich schlech­ter ab als die meis­ten

Die Opec drückt den Preis, Ak­ti­en hal­ten sich über­wie­gend gut.

Bri­ti­sche Ak­ti­en lei­den

an­de­ren Re­gio­nen. Auch die­se Wo­che hink­te der In­dex dem Welt­markt mit –0,6% hin­ter­her.

Ei­ne bes­se­re Wo­che ver­zeich­ne­te der Rest Eu­ro­pas. Wäh­rend der SMI um 0,4% zu­leg­te, stieg der Eu­roS­to­xx seit Mon­tag um 1,4%. Zwar sank im No­vem­ber die In­fla­ti­ons­ra­te in der Eu­ro­zo­ne auf gera­de noch 0,3%, und der Rück­gang der Roh­stoff­prei­se lässt hier kaum auf schnel­le Bes­se­rung hof­fen. Al­ler­dings steigt da­mit die Wahr­schein­lich­keit, dass sich die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank bald zu wei­te­ren Lo­cke­rungs­mass­nah­men ge­nö­tigt sieht.

Ei­ne Aus­wei­tung ih­res Kauf­pro­gramms auf hoch­ran­gi­ge Ob­li­ga­tio­nen ist nicht aus­ge­schlos­sen.

EDer eu­ro­päi­sche Ob­li­ga­tio­nen­markt be­rei­tet sich auf die­ses Sze­na­rio vor; die Ren­di­ten ha­ben ih­ren Ab­wärts­trend fort­ge­setzt. Zehn­jäh­ri­ge deut­sche Bun­des­an­lei­hen wer­fen gera­de noch 0,7% ab und das fran­zö­si­sche Pen­dant ist zum ers­ten Mal über­haupt un­ter 1% ge­fal­len. Ei­ne Trend­wen­de bei den Zin­sen ist an­ge­sichts nach wie vor ent­täu­schen­der Wirt­schafts­zah­len nicht ab­seh­bar.

USA pro­fi­tie­ren

Der US-Ak­ti­en­markt konn­te sei­ne Ge­win­ne auch in der ab­ge­lau­fe­nen Wo­che aus­bau­en und klet­ter­te um 1,2%. Dank des Thanks­gi­ving-Fei­er­tags am Don­ners­tag ver­lief die zwei­te Wo­chen­hälf­te hier eher er­eig­nis­los. In den USA ist die Teue­rungs­ra­te eben­falls eher tief.

Ge­mäss Bloomberg kos­tet ein Trut­hahn fürs dies­jäh­ri­ge Fest­es­sen mit 21.65 $ 10 Cents we­ni­ger als 2013. We­sent­lich mehr dürf­te sich der durch­schnitt­li­che USBür­ger aber über den Rück­gang der Ener­gie­prei­se freu­en. Wenn die Kos­ten für Ben­zin, Strom und Heiz­öl fal­len, bleibt mehr Geld für an­de­re Aus­ga­ben. So­mit zählt die US-Wirt­schaft ins­ge­samt zu den Ge­win­nern fal­len­der Öl­prei­se.

We­ni­ger po­si­tiv re­agier­ten da­ge­gen hoch­ver­zins­li­che US-An­lei­hen auf den Rück­gang des Öl­prei­ses. Seit Ju­ni stie­gen die Spreads um mehr als 1 Pro­zent­punkt, ge­trie­ben vor al­lem durch die Schwä­che der Ener­gie­bran­che – dem gröss­ten Emit­ten­ten­sek­tor mit ei­nem Ge­wicht von 15%. Beim jet­zi­gen Öl­preis kann die gros­se Mehr­zahl der Un­ter­neh­men al­ler­dings nach wie vor pro­fi­ta­bel ar­bei­ten. Aus­ser­dem ist der Ab­nah­me­preis für ei­nen gros­sen Teil der Pro­duk­ti­on für die kom­men­den Mo­na­te ab­ge­si­chert. Ein ra­scher An­stieg der Aus­fall­ra­ten ist so­mit sehr un­wahr­schein­lich.

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