Span­nen­de Ab­stim­mung

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - CHRIS­TOPH BUCH­MANN

WLaut der Aus­lei­hungs­ra­te wird phy­si­sches Gold zu­neh­mend knapp.

äh­rend der Öl­preis in der Be­richts­wo­che über 10% ver­lor, sta­gnier­ten die Prei­se der Edel­me­tal­le. Aus west­li­cher Optik liegt die Be­grün­dung in der die­ses Wo­che­n­en­de in der Schweiz zur Ab­stim­mung ge­lan­gen­den Gold­in­itia­ti­ve. Der Bei­trag aus Asi­en liegt dar­in, dass ih­re phy­si­sche Nach­fra­ge bei ei­nem Preis von un­ter 1200 je Gol­dun­ze mar­kant zu­nimmt.

Die An­nah­me der Gold­in­itia­ti­ve wür­de nicht zu schnel­len Gold­käu­fen der Schwei­zer Na­tio­nal­bank (SNB) füh­ren. Der Initia­tiv­text sieht ei­ne Um­set­zung über fünf Jah­re vor. Der Spot­preis für Gold wür­de je­doch po­si­tiv auf die neue lang­fris­ti­ge Nach­fra­ge der SNB re­agie­ren. Zu­mal die Fu­tures­po­si­tio­nen an der US-Com­ex­bör­se ho­he Short­be­stän­de auf­wei­sen, wel­che bei ei­nem Ja-Vo­tum wohl kurz­fris­tig ein­ge­deckt wür­den. Der Ein­fluss all­fäl­li­ger SNBGold­käu­fe von ca. 2000 Ton­nen oder 400 Ton­nen pro Jahr kann in Re­la­ti­on ge­setzt wer­den mit dem jähr­li­chen glo­ba­len Pri­mär­an­ge­bot von 3000 Ton­nen oder den jähr­li­chen Käu­fen der Zen­tral­ban­ken ins­ge­samt von 400 bis 500 Ton­nen. Ein Ja wür­de aber si­cher­lich die be­reits gu­te phy­si­sche Nach­fra­ge wei­ter ver­stär­ken. Statt der Ak­ku­mu­lie­rung von Gold aus- schliess­lich durch Chi­na (10001500 Ton­nen p. a.) und In­di­en (1000 Ton­nen p. a.) wür­de nebst den an­de­ren Zen­tral­ban­ken (400500 Ton­nen p. a.) jetzt auch noch die Schweiz (400 Ton­nen) als vor­sich­ti­ger Käu­fer auf­tre­ten. Ent­spre­chend klein wür­de die Ge­fahr wei­ter sin­ken­der Gold­prei­se.

Soll­te die Gold­in­itia­ti­ve ab­ge­lehnt wer­den, so dürf­te der Goldpreis kurz­fris­tig dem sin­ken­den Öl­preis fol­gen, um sich dann im Preis­band zwi­schen 1100 bis 1200 $ ein­zu­pen­deln. Der Preis für phy­si­sches Gold, im Un­ter­schied zum über Bank­bi­lan­zen oder über De­ri­vat­po­si­tio­nen ge­schaf­fe­nen «pa­pie­re­nen» An­ge­bot, lässt sich mit­tels meh­re­rer Mass­stä­be mes­sen. Ei­ner­seits ist dies der Preis für die Aus­lei­hung von Gold, ana­log zur Wert­pa­pier­lei­he. An­de­rer­seits sind Knapp­heits­mas­se die lo­ka­len Prei­se für die Lie­fe­rung phy­si­scher Wa­re.

Wäh­rend der 2013 er­folg­ten Preis­ein­brü­che in Gold be­zahl­ten Kon­su­men­ten in In­di­en und Chi­na ho­he Mehr­prei­se von bis zu 50 je Un­ze. Da­mit floss das aus den Gold-ETF-Ver­käu­fen stam­men­de Gold nach Os­ten. Der Weg nach Chi­na führ­te über die Um­schmel­zung in 1-kg-Bar­ren in den Raf­fi­ne­ri­en der Schweiz. Da die Nach­fra­ge nach 1-kg-Bar­ren sehr gross war, bil­de­ten sich 2013 et­wa in Schang­hai Prä­mi­en beim Be­zug des Gol­des. In­zwi­schen scheint die Pro­duk­ti­on der Nach­fra­ge zu ent­spre­chen, denn der­zeit liegt die Prä­mie sel­ten über 5 $, bei an­hal­ten­der Nach­fra­ge.

Sehr klein wur­de 2014 der Fluss von Gold aus den Be­stän­den der ETF. Viel­leicht ist das ei­ne der Er­klä­run­gen für die stei­gen­de Aus­lei­hungs­ra­te für Gold. Die­se lag ab 2010 lan­ge um null (vgl. Gra­fik), er­hol­te sich ab 2013 leicht und steigt nun seit zwei Mo­na­ten stark. Da­mit gibt der Markt kla­re Si­gna­le, dass die Knapp­heit im phy­si­schen Gold­markt zu­nimmt. Noch hat­te das kei­ne Aus­wir­kung auf den Goldpreis. Viel­mehr gibt es Stim­men, die von ver­mehr­ten Ver­käu­fen spre­chen, ge­gen wel­che dann das aus­ge­lie­he­ne Gold ge­lie­fert wür­de. Es gilt aber zu be­den­ken, dass bei stei­gen­den Aus­leih­ra­ten die Short­ver­käu­fe zu­neh­mend teu­rer wer­den, so­dass die Knapp­heit des phy­si­schen Gol­des im Jahr 2015 auch für den Goldpreis ein wich­ti­ger Fak­tor wer­den kann. Da­mit wä­re ein Ka­ta­ly­sa­tor für das En­de der Kon­so­li­die­rung des Gold­prei­ses seit Au­gust 2011 ge­fun­den.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.