Sta­gna­ti­on in den USA

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - CLAU­DE ZEHN­DER,

Im Ge­gen­satz da­zu über­rascht die Eu­ro­zo­ne seit ei­ni­ger Zeit po­si­tiv.

Die US-Wirt­schaft ist in den ers­ten drei Mo­na­ten nur 0,2% ge­wach­sen. An­ge­sichts der seit län­ge­rer Zeit schwa­chen Da­ten ha­ben die Märk­te mit ei­ner deut­li­chen Wachs­tums­ab­schwä­chung (et­wa auf 1%) ge­rech­net, al­ler­dings nicht mit ei­ner solch dras­ti­schen.

Ent­täu­schend ent­wi­ckelt ha­ben sich die In­ves­ti­tio­nen (–3,4%) und die Ex­por­te (–7,2%). Der Kon­sum hielt sich da­ge­gen mit ei­nem Plus von 1,9% an­spre­chend. Mit 0,7 Pro­zent­punk­ten hat al­ler­dings der La­ger­auf­bau ei­nen deut­li­chen Wachs­tums­bei­trag zum Brut­to­in­land­pro­dukt (Bip) ge­lie­fert.

Oh­ne den La­ger­auf­bau wä­re das US-Bip gar um 0,5% ge­schrumpft. Die Wachs­tums­schwä­che dürf­te we­gen des aus­ser­ge­wöhn­lich kal­ten Winters und Streiks in Hä­fen an der West­küs­te aber über­zeich­net sein. Von be­son­de­rem In­ter­es­se sind des­halb die ers­ten Da­ten für April, die ei­nen Hin­weis auf den Start ins zwei­te Quar­tal lie­fern. Aber auch hier gibt es bis­lang noch we­nig Er­bau­li­ches zu be­rich­ten.

Zins­op­ti­on of­fen

So ent­täusch­te die et­wa Kon­su­men­ten­stim­mung, die im April auf den tiefs­ten Stand in die­sem Jahr fiel. Auch der viel be­ach­te­te ISM Ma­nu­fac­tu­ring In­dex, der als ei­ner der bes­ten Vor­lau­fin­di­ka­to­ren der US-Wirt­schaft gilt, sta­gnier­te im April auf tie­fem Ni­veau. Er si­gna­li­siert da­mit ei­ne an­hal­tend flaue Wirt­schafts­ent­wick­lung. Die US-No­ten­bank (Fed) hat den Leit­zins wie er­war­tet bei 0 bis 0,25% be­las­sen. Sie geht aber da­von aus, dass die Wachs­tums­schwä­che im ers­ten Quar­tal gröss­ten­teils tem­po­rä­rer Na­tur ge­we­sen ist und rech­net wie­der mit ei­ner bes­se­ren Ent­wick­lung. Die ei­gent­li­chen Aus­sa­gen zur Geld­po­li­tik blie­ben un­ver­än­dert. Ge­stri­chen wur­de aber der Satz, dass ei­ne Zins­er­hö­hung an der nächs­ten Sit- zung un­wahr­schein­lich sei. Da­mit hält sich das Fed die Op­ti­on ei­ner Zins­er­hö­hung im Ju­ni of­fen. Da­zu müss­ten aber die nächs­ten Kon­junk­tur­da­ten auf ei­ne kla­re Kon­junk­tur­er­ho­lung hin­deu­ten, sonst ist die Zins­er­hö­hung im Ju­ni vom Tisch. Dem Ar­beits­markt­be­richt am Frei­tag kommt ent­schei­den­de Be­deu­tung zu.

Im Ge­gen­satz zu den USA läuft die Konjunktur der Eu­ro­zo­ne schon seit ei­ni­ger Zeit bes­ser als er­war­tet. Die Da­ten in die­ser Wo­che wa­ren zwar nicht durch­weg gut, ins­ge­samt un­ter­mau­ern sie aber das Bild ei­ner Wirt­schaft, die all­mäh­lich an Tem­po zu­le­gen soll­te. Be­son­ders er­freu­lich zu wer­ten ist es, dass die Ver­ga­be von Kre­di­ten an den Pri­vat­sek­tor im März erst- mals seit drei Jah­ren nicht mehr ge­schrumpft, son­dern mi­ni­mal ge­wach­sen ist (+0,1%). Auch das hö­he­re Wachs­tum der breit de­fi­nier­ten Geld­men­ge M3 ist ein Si­gnal für mehr Ver­trau­en in die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung der Eu­ro­zo­ne.

Ban­gen und Hof­fen

Die na­tio­na­len Stim­mungs­in­di­ka­to­ren un­ter­mau­ern die­se Aus­sa­ge. So ist die Stim­mung un­ter den fran­zö­si­schen Kon­su­men­ten zum drit­ten Mal in Fol­ge ge­stie­gen – auf den höchs­ten Stand seit Ja­nu­ar 2010. Die ita­lie­ni­schen In­dus­trie­un­ter­neh­men bli­cken so op­ti­mis­tisch in die Zu­kunft wie seit fast vier Jah­ren nicht mehr. Auch in Spa­ni­en geht es auf­wärts: Die Re­gie­rung hat ih­re Wachs­tums­pro­gno­se 2015 auf 2,9% an­ge­ho­ben.

Selbst in die fest­ge­fah­re­ne Ver­hand­lungs­po­si­ti­on Grie­chen­lands scheint Be­we­gung zu kom­men. Mit der Ab­lö­sung von Fi­nanz­mi­nis­ter Va­rou­fa­kis als Ver­hand­lungs­chef stei­gen die Chan­cen auf ei­ne Ei­ni­gung im Schul­den­streit. At­hen legt denn auch als ein­zi­ger eu­ro­päi­scher Bör­sen­platz in die­ser Wo­che zu, an­dern­orts gab es Ein­bus­sen. Vor al­lem we­gen der schwa­chen US- Zah­len ka­men die Märk­te ins Rut­schen. Der Dol­lar büss­te deut­lich ein. Eher er­staunt hat da­ge­gen der Ren­di­te­an­stieg. Dass aus­ge­rech­net schwa­che Da­ten die Bond­ren­di­ten er­hö­hen, ist schwer nach­zu­voll­zie­hen. Kurz­fris­tig scheint die Luft an den Ak­ti­en­märk­ten raus zu sein.

Das Mut­mas­sen um den Zeit­punkt der US-Zins­er­hö­hung, die ent­täu­schen­de US-Wirt­schaft, die Ängs­te vor ei­ner har­ten Lan­dung in Chi­na und nicht zu­letzt die Un­wäg­bar­kei­ten um Grie­chen­land sind Grund ge­nug, um nach der ein­drück­li­chen Per­for­mance vie­ler Ak­ti­en­märk­te seit An­fang Jahr ei­ne Pau­se ein­zu­le­gen.

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