Seit­wärts­trend hält an

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - CHRIS­TOPH BUCH­MANN

Asi­en ak­ku­mu­liert wei­ter­hin Gold und bleibt preis­sen­si­tiv.

Der Gold­markt ten­diert seit ei­nem Mo­nat seit­wärts. Das trifft in Dol­lar wie auch in Fran­ken zu. Auf ei­ne Ab­wer­tung des Dol­lars ant­wor­tet der Gold­preis meist mit stei­gen­den Kur­sen. Ent­spre­chend bleibt auch bis­her der Gold­preis in Fran­ken sta­bil, trotz der Stär­ke des Dol­lars – die sich durch die Schwä­chung der US-Volks­wirt­schaft be­ru­higt. Da­mit er­füllt der Gold­preis ei­ne sei­ner Funk­tio­nen: Wert­er­halt.

Der zu be­ob­ach­ten­de Seit­wärts­trend ist je­doch das Re­sul­tat ei­ner Preis­fin­dung am Markt, die im Un­ter­schied zum glo­ba­len Ob­li­ga­tio­nen­markt noch recht frei ist. Asi­en un­ter der Füh­rung Chi­nas und In­di­ens ist der do­mi­nan­te Gold- und Sil­ber­käu­fer. Wich­tig ist die grosse Preis­sen­si­ti­vi­tät die­ser Nach­fra­ge. Dies er­klärt der­zeit, war­um bei ei­nem Gold­preis von 1220 $ die Nach­fra­ge nach­lässt und da­mit den Gold­preis ins Sto­cken bringt. Es er­klärt auch, war­um der Gold­preis bis­her nicht un­ter 1180 $ sank. Der letz­te Frei­tag zeig­te deut­lich, dass auf dem nur leicht tie­fe­ren Ni­veau das Kauf­in­ter­es­se so gross war, dass die aus dem De­ri­vat­be­reich (Comex-Ter­min­bör­se) stam­men­den Ver­käu­fer die Se­gel strei­chen muss­ten.

Aus­ge­hend von of­fi­zi­el­len Sta­tis­ti­ken er­wer­ben Chi­na und In- di­en zu­sam­men 2000 Ton­nen der sehr sta­bi­len, jähr­li­chen Pri­m­är­gold­pro­duk­ti­on von 3000 Ton­nen. Das ver­blei­ben­de Drit­tel in­klu­si­ve re­zy­klier­tes Gold teilt sich der Rest der Welt in­klu­si­ve die Zen­tral­ban­ken auf. Es ist leicht vor­stell­bar, dass hier­bei auch al­te Be­stän­de ver­la­gert wer­den, ty­pi­scher­wei­se aus dem Wes­ten in den Os­ten. Sin­ken­de öf­fent­li­che La­ger­be­stän­de bei der Bank of En­g­land oder bei Roh­stoff­bör­sen las­sen ei­ne sol­che Ent­wick­lung er­ah­nen.

Auch die Ent­wick­lung bei bör­sen­ge­han­del­ten Fonds (ETF) wei­sen auf ei­ne Ver­schie­bung der Be­stän­de hin. Mit phy­si­schem Gold hin­ter­leg­te ETF hal­ten das Me­tall meist in Stan­dard­bar­ren mit ei­nem Ge­wicht von 12,50 kg. Asi­en kauft sein Gold meist in 1-kg-Bar­ren mit ei­ner Fein­heit von 9999 (Chi­na) und 9995 (In­di­en). Seit der Gold­preis­kor­rek­tur ab 2013 und der da­mit ein­her­ge­hen­den Re­duk­ti­on der ETF-Be­stän­de ist das wich­tigs­te Pro­dukt Schwei­zer Gold­raf­fi­n­eu­re mit ei­nem Welt­markt­an­teil von über 70% die Her­stel­lung von 1-kg-Bar­ren ho­her Rein­heit, her­vor­ge­hend aus 12,50-kg-Bar­ren. Die Schwei­zer Ex­port­sta­tis­tik zeigt, wo­hin das Gold fliesst: zu­neh­mend nach Chi­na di­rekt und leicht ab­neh­mend nach Hong­kong.

In­ter­es­sant ist die Rol­le der chi­ne­si­schen Zen­tral­bank. Er­klär­tes Ziel Chi­nas ist die Li­be­ra­li­sie­rung des Yuan. Vor­erst wur­de ei­ne Viel­zahl von bi­la­te­ra­len Han­dels­ver­trä­gen ge­schlos­sen, wel­che auf Yuan lau­te­ten. Da­mit steigt der Ein­fluss der chi­ne­si­schen Wäh­rung zu­las­ten des Dol­lars. Dann wur­de in der Frei­han­dels­zo­ne in Schang­hai ein klei­ner Test­markt im Devisen- und Edel­me­tall­han­del ge­star­tet. Par­al­lel las­sen Re­gie­rungs­mit­ar­bei­ter ho­hen Ran­ges kei­nen Zwei­fel dar­an, dass der Yuan in der ei­nen oder an­de­ren Wei­se ei­ne Ver­an­ke­rung in rea­len Wer­ten er­fah­ren wird. Gleich­zei­tig ak­ku­mu­liert die chi­ne­si­sche Zen­tral­bank das in Chi­na pro­du­zier­te Gold. Chi­na ist glo­bal der gröss­te Pri­m­är­gold­pro­du­zent. Ent­spre­chend be­steht im Markt die An­nah­me, dass die chi­ne­si­sche Zen­tral­bank heu­te über ein Mehr­fa­ches des Gol­des ver­fügt als der of­fi­zi­ell vor Jah­ren aus­ge­wie­se­nen 1000 Ton­nen. Für den Gold­markt be­deu­tet das vor­erst ei­nen Seit­wärts­trend. Kurz­fris­tig sind ab­wei­chen­de Kur­se mög­lich, aber kaum nach­hal­tig. Das Bild im Gold­markt wird sich erst än­dern, wenn die Ver­käu­fer ih­re Stra­te­gie wech­seln.

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