Volstru­is

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Straus­sen­fleisch macht dem Steak von Rind oder Kalb Kon­kur­renz. Gut so; es ist we­sent­lich fet­tär­mer und die Lauf­vö­gel brau­chen weit we­ni­ger land­wirt­schaft­li­che Flä­che als die Horn­trä­ger. Die Re­pro­duk­ti­ons­ra­te ist auch viel hö­her: Die Haupt­hen­ne legt acht bis zwölf Eier, die Ne­ben­hen­nen

zwei bis fünf – ja, der Hahn hält meist ei­nen Ha­rem (in Süd­afri­ka, Hoch­burg der Straus­sen­zucht, ob­liegt selbst der Staats­chef der Po­ly­ga­mie und wirkt rund­um be­fruch­tend). Ne­ben dem Fleisch ist auch die Haut ge­sucht; Straus­sen­le­der ist de lu­xe, so wie einst die Fe­dern. Im 19. Jahr­hun­dert, bis zum Ers­ten Welt­krieg, war die Nach­fra­ge der Da­men­mo­de nach Hut­ge­fie­der so un­er­sätt­lich, dass dem Strauss in frei­er Sa­van­ne ein Bi­son-Schick­sal droh­te. Fin­di­ge Far­mer heg­ten ihn ab 1860 ein, wie hier in der West­kap-Pro­vinz. Des Straus­sen Schmach­te­blick un­ter zar­ten Wim­pern täuscht: Das Tier ist tü­ckisch, ein Tritt kann ei­nen Lö­wen tö­ten. Im­mer­hin wer­den die kräf­ti­gen Kral­len­füs­se zu Pul­ver ver­rie­ben. Asia­ten kau­fen das als po­ten­tes Aphro­di­sia­kum. Dass der Volstru­is, so heisst er auf Afri­kaans, den Kopf in den Sand steckt, ist üb­ri­gens ei­ne Mär. Vo­gel-Strauss-Po­li­ti­ker hin­ge­gen sind re­al exis­tent, wenn auch nicht so gut ver­wert­bar.

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