In­di­vi­du­el­le «Gut­ha­ben­ge­büh­ren» der Ban­ken

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236 Mio. Fr. Ne­ga­tiv­zin­sen. So viel hat die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB), die seit dem 22. Ja­nu­ar Ne­ga­tiv­zin­sen er­hebt, im ers­ten Quar­tal von den Gi­ro­kon­to­gut­ha­ben ab­ge­zo­gen, die die Ban­ken bei ihr hal­ten.

Ziel der SNB ist, die Wäh­rung zu schwä­chen, in­dem sie Aus­län­der wie In­län­der da­von ab­brin­gen will, Fran­ken zu hor­ten.

Trans­mis­si­ons­rie­men da­für sind die Ge­schäfts­ban­ken. Die­se tra­gen ei­ner­seits das volks­wirt­schaft­li­che Ziel der Na­tio­nal­bank mit, wol­len an­de­rer­seits aber auch ih­re Ge­schäfts­kun­den pfle­gen. Ein­zel­ne ver­tei­di­gen pri­mär ih­re Mar­gen. Denn die Mass­nah­men der SNB tref­fen die Ban­ken sehr un­ter­schied­lich. Kaum Ne­ga­tiv­zin­sen zah­len die Gross­ban­ken. Ihr Ge­schäfts­mo­dell ver­hilft ih­nen zu ei­nem ver­hält­nis­mäs­sig ho­hen Frei­be­trag bei der SNB. Zu­dem kön­nen sie über­schüs­si­ge Li­qui­di­tät in Dol­lar oder Eu­ro di­rekt bei der US-No­ten­bank oder der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank de­po­nie­ren.

Mit Ver­weis auf die mit­tel­ba­ren Kos­ten des Ne­ga­tiv­zins­um­felds – teu­re Fris­ten­ab­si­che­run­gen und Vor­schrif­ten be­züg­lich Li­qui­di­täts­hal­tung so­wie Ein­schrän­kun­gen bei der Ver­wen­dung kurz­fris­ti­ger Ein­la­gen – ver­rech­nen sie in­sti­tu­tio­nel­len Kun­den und gros­sen Fir­men­kun­den den­noch ei­ne so­ge­nann­te «Gut­ha­ben­ge­bühr». Die ZKB hat auf Gut­ha­ben be­stimm­ter Gross­kun­den Ne­ga­tiv­zin­sen von 0,75% ein­ge­führt. Sie ist selbst von den Ne­ga­tiv­zin­sen der SNB be­trof­fen.

«Wir un­ter­schei­den nach Kun­den­be­zie­hung und Art der Fir­ma», sagt Mar­tin Bar­den­he­wer, Tre­a­su­rer der ZKB. «Bei­spiels­wei­se braucht ein Gross­händ­ler ein hö­he­res Um­schlags­ka­pi­tal als ein Her­stel­ler von In­ves­ti- ti­ons­gü­tern», er­klärt er. «Ent­spre­chend un­ter­schied­lich hoch sei­en die Frei­be­trä­ge, die die ZKB für bei ihr de­po­nier­tes Geld ge­wäh­re.

Post­fi­nan­ce – die zu­min­dest bei Ein­füh­rung der Ne­ga­tiv­zin­sen da­von be­trof­fen war – reicht die­se teil­wei­se wei­ter und ver­langt von Grösst­kun­den und Ban­ken ei­ne «Gut­ha­ben­ge­bühr». Sie setzt ei­nen in­di­vi­du­el­len Schwel­len­wert fest, ab­hän­gig vom be­nö­tig­ten Zah­lungs­ver­kehrs­vo­lu­men. Ein­la­gen, die den Schwel­len­wert über­schrei­ten, wer­den ak­tu­ell mit 1% be­las­tet, sagt ein Spre­cher. Wie bei an­de­ren Ge­schäfts­ban­ken auch sind KMU und Pri­vat­kun­den von der Mass­nah­me nicht be­trof­fen. Gar kei­ne Ne­ga­tiv­zin­sen er­hebt Raiff­ei­sen. Die Ge­nos­sen­schafts­bank stellt Zuflüs­se von Ka­pi­tal fest, sieht bis jetzt je­doch kei­nen Be­darf, ih­re Kun­den mit Ne­ga­tiv­zin­sen zu be­las­ten.

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