Ris­se im Monsan­to-Mo­dell?

Finanz und Wirtschaft - - INDUST - AM

Das klei­ne ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­men Ci­bus hat ei­ne Raps­sor­te ent­wi­ckelt, die re­sis­tent ist ge­gen ein breit wir­ken­des Her­bi­zid. Die­se Sor­te ist ex­pli­zit als nicht gen­ver­än­dert klas­siert und in den USA seit kur­zem zu­ge­las­sen. Der Ci­bus-Raps ba­siert auf der Tech­nik des Ge­ne Edit­ing, für das es ver­schie­de­ne Me­tho­den gibt – im Fach­jar­gon Cris­pr, ZNF oder RTDS ge­nannt. Die Me­tho­den er­lau­ben, ge­zielt Gen­se­quen­zen an ein be­stimm­tes Ort im Erb­gut ei­nes Saat­korns ein­zu­fü­gen – oder auch zu ent­fer­nen oder zu er­gän­zen. Ein wich­ti­ger Aspekt ist, dass sol­che Ma­ni­pu­la­tio­nen nur schwer nach­weis­bar sind. Die ma­ni­pu­lier­ten Pflan­zen sind ge­ne­tisch von her­kömm­li­chen Sor­ten kaum zu un­ter­schei­den; sie hät­ten ge­nau­so auch in der Na­tur ent­ste­hen kön­nen.

In gen­ver­än­der­ten Saa­ten da­ge­gen, wie sie von Monsan­to oder Syn­gen­ta her­ge­stellt wer­den, sind frem­de Ge­ne – et­wa von Bak­te­ri­en – ent­hal­ten, die leicht iden­ti­fi­zier­bar sind. Ge­ra­de weil es Fremd­ge­ne sind, ste­hen sie be­son­ders in der Kri­tik der Gen­tech-Skep­ti­ker.

Noch sind wich­ti­ge Punk­te of­fen, et­wa die Pa­ten­tier­bar­keit der neu­en Pflan­zen oder de­ren sons­ti­ge Ei­gen­schaf­ten. Zu­dem sind die Lang­frist­aus­wir­kun­gen sol­cher Züch­tungs­me­tho­den noch un­be­kannt. Und es gibt auch Wis­sen­schaft­ler, die dar­an zwei­feln, dass mit den neu­en Me­tho­den ähn­lich gu­te Saa­t­ei­gen­schaf­ten er­zeugt wer­den kön­nen wie mit der Monsan­to-Me­tho­de. Doch vie­les deu­tet dar­auf, dass die Art und Wei­se der Pflan­zen­züch­tung in den nächs­ten Jah­ren ei­nen In­no­va­ti­ons­schub er­le­ben wird.

Wäh­rend Monsan­to rund zehn Jah­re Ent­wick­lungs­zeit brauch­te, bis ihr ers­tes Gen­tech-Saat­gut – ein Mais mit ein­ge­bau­ter To­le­ranz ge­gen ein Her­bi­zid – Mit­te der Neun­zi­ger­jah­re die Markt­rei­fe er­langt hat­te, und wei­te­re Sor­ten eben­falls lan­ge und teu­re Ent­wick­lungs­stu­fen durch­lau­fen muss­ten, schei­nen die neu­en Me­tho­den deut­lich ge­rin­ge­ren Auf­wand zu ver­ur­sa­chen. Zu­dem brau­chen sie, weil kei­ne frem­den Ge­ne ver­wen­det wur­den, kein Zu­las­sungs­ver­fah­ren zu durch­lau­fen, je­den­falls in den USA. Ci­bus ver­spricht für die nächs­ten Jah­re neue Flachs-, Reis- und Kar­tof­fel­sor­ten.

Monsan­to, Syn­gen­ta und die an­de­ren Gros­sen der Bran­che sind auf dem Ge­biet des Ge­ne Edit­ing eben­falls ak­tiv. Syn­gen­ta hat 2014 ei­ne ent­spre­chen­de Ko­ope­ra­ti­on mit dem Spe­zi­al­un­ter­neh­men Pre­ci­si­on Bi­o­sci­en­ces für die Cris­pr- und Ta­len-Tech­no­lo­gie ab­ge­schlos­sen. BASF ar­bei­tet schon län­ger mit Ci­bus zu­sam­men.

Die Ent­wick­lung zeigt, dass die Pflan­zen­ge­no­mik nicht nur den Gross­kon­zer­nen mit rie­si­gen For­schungs­bud­gets vor­be­hal­ten sein wird. Die Wahr­schein­lich­keit steigt, dass neue Sor­ten häu­fi­ger aus dem La­bor von Klein­un­ter­neh­men kom­men.

Da­durch könn­te die Vor­macht­stel­lung von Monsan­to lang­fris­tig ge­fähr­det sein. Das ist des­halb wich­tig, weil Monsan­to ein­sei­tig auf gen­ver­än­der­tes Saat­gut aus­ge­rich­tet ist und nur auf die wirt­schaft­lich be­deu­ten­den Feld­früch­te Mais, So­ja und Baum­wol­le setzt. Die künf­ti­gen Ent­wick­lun­gen im Saat­gut­markt könn­ten da­her die Sub­stanz von Monsan­to be­ein­träch­ti­gen.

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