Mul­tis ver­die­nen im Öl­han­del zur­zeit viel Geld

Finanz und Wirtschaft - - HSTOFFE - MG

Der nied­ri­ge Öl­preis ist nicht nur schlecht für die Öl- und Gas­mul­tis. In ih­ren Down­stream-Ak­ti­vi­tä­ten, die die Ver­ar­bei­tung des Öls zu Ben­zin und Die­sel in Raf­fi­ne­ri­en so­wie den Ver­trieb die­ser Treib­stof­fe an Tank­stel­len um­fas­sen, pro­fi­tie­ren sie auch da­von, wenn das In­put­gut Öl we­nig kos­tet (vgl. Text oben). We­nig be­kannt ist, dass ei­ni­ge Mul­tis auch noch mit Öl han­deln, al­so nicht nur das ei­ge­ne Öl ver­kau­fen, son­dern auch das an­de­rer Pro­du­zen­ten. Und auch hier ma­chen die han­deln­den Mul­tis dank des nied­ri­gen Öl­prei­ses sat­te Ge­win­ne.

Das ist so, weil auf dem Öl­markt ge­gen­wär­tig ei­ne so­ge­nann­te Con­tan­go-Si­tua­ti­on vor­herrscht: Öl zu so­for­ti­ger Lie­fe­rung ist güns­ti­ger zu ha­ben als Öl zu spä­te­rer Lie­fe­rung. Ein Händ­ler kann al­so Öl heu­te ein­kau­fen, la­gern und spä­ter – bei­spiels­wei­se in ei­nem Jahr – zu ei­nem hö­he­ren Preis ver­kau­fen. Die Preis­dif­fe­renz zwi­schen un­mit- tel­ba­rer Lie­fe­rung und Lie­fe­rung in ei­nem Jahr be­trug im ers­ten Quar­tal durch­schnitt­lich 8.90 $ pro Fass zu 152 Li­ter – so viel wie nie mehr seit der glo­ba­len Fi­nanz- und Wirt­schafts­kri­se 2008/09.

BP-Fi­nanz­chef Bri­an Gil­va­ry be­zeich­ne­te den Han­del un­ter Con­tan­go-Ver­hält­nis­sen als «hoch ren­ta­bel». Wie er bei der Prä­sen­ta­ti­on der Erst­quar­tals­er­geb­nis­se sei­nes Un­ter­neh­mens sag­te, lös­te BP von Ja­nu­ar bis März aus dem Öl­han­del 350 Mio. $ mehr als in ei­nem «nor­ma­len» Quar­tal. Total, eben­falls im Öl­han­del ak­tiv, sprach von «ver­bes­ser­ten Markt­ver­hält­nis­sen», nann­te aber kei­nen Be­trag. Roy­al Dutch Shell, der drit­te eu­ro­päi­sche Mul­ti mit Öl­han­dels­ak­ti­vi­tä­ten, mach­te in sei­nem Quar­tals­aus­weis über­haupt kei­ne ge­son­der­ten An­ga­ben.

Die drei Mul­tis han­deln mehr Öl und Treib­stof­fe pro Tag als be­kann­te un­ab­hän­gi­ge Händ­ler wie Glen­co­re, Gun­vor, Mer­cu­ria, Tra­fi­gu­ra und Vi­tol zu­sam­men, wie Un­ter­neh­mens­an­ga­ben und Zeug­nis­se von Markt­be­ob­ach­tern zei­gen. Total han­del­te im ver­gan­ge­nen Jahr im Schnitt 4,9 Mio. Fass Öl und raf­fi­nier­te Er­zeug­nis­se pro Tag. BP macht zwar kei­ne An­ga­ben zu ih­rem Han­dels­vo­lu­men, Ri­va­len schät­zen es aber auf min­des­tens 6 Mio. Fass pro Tag.

BP führt ei­ne der kom­ple­xes­ten Öl­han­delsope­ra­tio­nen in der Bran­che. Über den haus­in­ter­nen Han­del wer­den so­wohl das ei­ge­ne Öl und die ei­ge­nen raf­fi­nier­ten Pro­duk­te ver­kauft als auch Pro­duk­te von an­de­ren Öl­un­ter­neh­men ge­kauft und ver­kauft. Ge­gen­par­tei­en sind an­de­re Öl­un­ter­neh­men, Han­dels­häu­ser, Hedge Funds und End­kon­su­men­ten wie et­wa Flug­ge­sell­schaf­ten. Pro Jahr wi­ckeln ge­mäss ei­ge­nen An­ga­ben von BP rund 4000 An­ge­stell­te 550 000 Trans­ak­tio­nen mit über 12 000 Kun­den in mehr als 140 Län­dern ab.

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