Bond­markt spielt ver­rückt

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - TM

En­de ver­gan­ge­ner Wo­che ver­stan­den die Bond­händ­ler die Welt nicht mehr: Die Ren­di­ten zehn­jäh­ri­ger deut­scher Bun­des­an­lei­hen stie­gen in 48 St­un­den um mehr als 20 Ba­sis­punk­te (Bp), ent­spre­chend bra­chen die Kur­se ein. Das ha­be es seit Mit­te 2012 nicht mehr ge­ge­ben, be­tont An­lei­hen­ma­na­ger Bant­le­on.

Nach ei­nem mehr­tä­gi­gen Fluk­tu­ie­ren um 0,15% spran­gen die Bund­ren­di­ten auf 0,38%. Das Wo­che­n­en­de setz­te dem «Flash-Crash» vor­erst ein En­de. Doch am Mon­tag setz­te sich der Trend bei den Bund­ren­di­ten un­be­irrt fort. Die Zehn­jah­res­ren­di­te stieg um wei­te­re 8 Bp. Ähn­lich be­weg­ten sich die An­lei­hen an­de­rer als si­cher gel­ten­der Staa­ten. Auch zehn­jäh­ri­ge «Eid­ge­nos­sen» ver­lo­ren an An­le­ger­gunst, die Ren­di­te kroch am Don­ners­tag erst­mals seit An­fang März wie­der über die Null­li­nie.

Ver­sa­gen der EZB?

Auf­fäl­lig war zu­dem, dass am Mon­tag die Ren­di­ten deut­scher Staats­an­lei­hen im Ver­gleich zu Ti­teln an­de­rer Län­der aus­scher­ten und wei­ter mar­kant stie­gen. Ei­ner­seits sei die Kor­rek­tur im Bund­markt bis­her ver­gleichs­wei­se ge­ring aus­ge­fal­len, er­klärt Uni­Credit. Ei­nen be­un­ru­hi­gen­de­ren Hin­weis lie­fe­re da­ge­gen der Ver­gleich mit Ja­pan vor drei­zehn Jah­ren: Da­mals er­reich­ten Ren­di­ten zehn­jäh­ri­ger ja­pa­ni­scher Staats­an­lei­hen eben­falls zu­nächst ein his­to­ri­sches Tief auf 0,45%, be­vor sie in­ner­halb von zwei Mo­na­ten auf 1,4% rausch­ten.

Was ist al­so mit all dem Zen­tral­bank­geld, das noch im­mer in al­len grös­se­ren Wäh­rungs­räu­men die Prei­se si­che­rer An­lei­hen stüt­zen soll­te? Die Bank von Ja­pan und seit März auch die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) pum­pen zu­dem noch im­mer zu­sätz­li­ches Geld in die Märk­te. Und vi­el­leicht kommt bald die chi­ne­si­sche Zen­tral­bank da­zu (vgl. Sei­te 16). Hat die quan­ti­ta­ti­ve Lo­cke­rung der EZB schon zwei Mo­na­te nach dem Start kei­ne Wir­kung mehr?

US-Zins­er­hö­hung nä­her

In ei­nem Kom­men­tar macht Uni­Credit ei­nen Mix an­de­rer Ur­sa­chen aus, dar­un­ter tech­ni­sche Fak­to­ren: Der Kauf von Bunds könn­te als sehr po­pu­lä­re Han­dels­stra­te­gie an sei­ne Gren­zen ge­stos­sen sein. Was auch im­mer der Aus­lö­ser war – als die Ver­kaufs­wel­le erst ein­mal ins Rol­len ge­kom­men war, gab es kein Hal­ten mehr. Aus tak­ti­scher Sicht er­war­ten die An­le­ger ei­ne stär­ke­re Emis­si­ons­tä­tig­keit der Eu­ro­staa­ten im Mai ver­gli­chen mit April und zahl­rei­che vo­lu­mi­nö­se Plat­zie­run­gen von Un­ter­neh­mens­an­lei­hen in Dol­lar. Als fun­da­men­ta­le Grün­de nennt Uni­Credit die erst­ma­li­ge Zu­nah­me der Kre­dit­ver­ga­be an den Pri­vat­sek­tor seit drei Jah­ren in der Eu­ro­zo­ne so­wie die Er­war­tung, dass der In­fla­ti­ons­tief­punkt dort er­reicht wor­den sei.

Auch Bant­le­on glaubt nicht an ein Miss­trau­ens­vo­tum der Märk­te ge­gen­über der EZB-Geld­po­li­tik. Den­noch könn­te die Par­ty an den An­lei­hen­märk­ten tat­säch­lich vor­bei sein. Der An­lei­hen­ma­na­ger rech­net mit ei­ner deut­li­chen Bes­se­rung der US-Konjunktur in den Som­mer­mo­na­ten. An­ge­sichts des In­fla­ti­ons­po­ten­zi­als wie­der stei­gen­der Öl­prei­se dürf­ten die zu­letzt ste­tig nach hin­ten ver­scho­be­nen Leit­zins­er­war­tun­gen in den kom­men­den Mo­na­ten wie­der eher vor­ge­zo­gen wer­den.

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