Wach­sen­de Ent­täu­schung

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - GA­B­RI­EL BAR­T­HOL­DI

Das Um­feld für Ak­ti­en bleibt aber trotz tem­po­rä­rer Rück­schlä­ge in­takt.

Die Ak­ti­en­märk­te in Eu­ro­pa schei­nen kurz­fris­tig den Auf­wärts­trend nicht fort­zu­set­zen. Haupt­grund dürf­ten zu­neh­mend ent­täu­schen­de Wirt­schafts­da­ten sein, wel­che die ho­hen Er­war­tun­gen der Markt­teil­neh­mer nicht er­fül­len kön­nen.

Der Ci­ti­group Eco­no­mic Sur­pri­se In­dex (CESI) ver­gleicht die Kon­junk­tur­da­ten mit den Er­war­tun­gen und stellt die­se in ei­nem In­dex dar. Be­fin­det sich der In­dex über null, über­tref­fen die po­si­ti­ven die ne­ga­ti­ven Wirt­schafts­über­ra­schun­gen. Fällt der In­dex un­ter die Null­gren­ze, über­wie­gen die ne­ga­ti­ven Über­ra­schun­gen. His­to­risch zeig­te der In­dex ei­ne en­ge Kor­re­la­ti­on mit den Ak­ti­en­märk­ten.

Die ers­te Grafik zeigt, dass der In­dex vor al­lem in der Eu­ro­zo­ne jüngst von ei­nem ho­hen Ni­veau aus stark ge­fal­len ist. Die Schwä­che an den Ak­ti­en­märk­ten, aus­ge­löst u. a. durch ent­täu­schen­de Wirt­schafts­da­ten, dürf­te je­doch nur tem­po­rär sein. Das Um­feld für po­si­ti­ve Ak­ti­en­ren­di­ten in Eu­ro­land ist nach wie vor in­takt. Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank dürf­te auch in den kom­men­den Quar­ta­len die Konjunktur mit Li­qui­di­tät stüt­zen.

Hö­he­re Ge­win­ne

Ne­ben den po­si­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf die Stim­mungs­in­di­ka­to­ren dürf­ten auch die Un­ter­neh­men ei­ne bes­se­re Ge­winn­ent­wick­lung in den kom­men­den Quar­ta­len aus­wei­sen, was den Ak­ti­en­märk­ten Rü­cken­wind gibt. Vie­le Ana­lys­ten pas­sen ent­spre­chend ih­re Ge­winn­schät­zun­gen nach oben an. Im re­gio­na­len Ver­gleich zeigt die Eu­ro­zo­ne die zweit­bes­ten Ge­winn­re­vi­sio­nen.

Nur in Ja­pan herrscht noch mehr Ge­winn­zu­ver­sicht. Der Nik­kei 225 hat in Lo­kal­wäh­rung im re­gio­na­len Ver­gleich ei­ne der bes­ten Kurs­ren­di­ten seit Jah­res­an­fang hin­ge­legt und zeigt jüngst nur klei­ne Rück­schlä­ge. Ei­ner der Grün­de ist die ex­pan­si­ve Geld­po­li­tik der Bank of Ja­pan (BoJ). Durch de­ren grosse Li­qui­di­täts­sprit­zen wer­den nicht nur die Zin­sen nach un­ten ge­drückt, was die Kos­ten von In­ves­ti­tio­nen senkt und Ak­ti­en ge­gen­über An­lei­hen at­trak­ti­ver macht. Auch die Wäh­rung wird auf die­se Wei­se ab­ge­wer­tet, wo­durch die Ex­port­in­dus­trie an­ge­kur­belt wird. Vor al­lem die Ve­rän­de­rung des Yens übt ei­nen star­ken Ein­fluss auf den ja­pa­ni­schen Ak­ti­en­markt aus.

Die zwei­te Grafik zeigt den Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Yen und der Kurs­ent­wick­lung ja­pa­ni­scher Ak­ti­en. Wie man sieht, ver­leiht ein schwa­cher Yen Nip­pons Ak­ti­en star­ken Auf­trieb. Die glo­ba­le Wie­der­be­schleu­ni­gung der Konjunktur in den nächs­ten Quar­ta­len dürf­te die Ex­port­wirt­schaft und da­durch ja­pa­ni­sche Ak­ti­en zu­sätz­lich un­ter­stüt­zen.

Dass die BoJ zu wei­te­ren Li­qui­di­täts­mass­nah­men wird grei­fen müs­sen, hängt vor al­lem da­mit zu­sam­men, dass das an­ge­streb­te In­fla­ti­ons­ziel von 2% bis­her nicht er­reicht wur­de. Für ja­pa­ni­sche Ak­ti­en könn­te dies noch mehr Auf­wer­tungs­po­ten­zi­al be­deu­ten. Die po­si­ti­ven Ef­fek­te der Li­qui­di­täts­mass­nah­men schla­gen sich auch in den Un­ter­neh­mens­ge­win­nen nie­der und füh­ren zu wei­te­ren po­si­ti­ven Ge­winn­re­vi­sio­nen, wel­che den Ak­ti­en­markt an­trei­ben.

Die Kehr­sei­te

Der S&P 500 ist be­reits wie­der über 2100 ge­stie­gen und sehr na­he an neu­en Hochs. Haupt­trei­ber des US-Ak­ti­en­markts ist ei­ne tem­po­rä­re Schwä­che des Dol­lars und sich ab­zeich­nen­de bes­se­re Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren. Der wich­ti­ge Ein­kaufs­ma­na­ger­index, ISM Ma­nu­fac­tu­ring, war im April ge­gen­über März un­ver­än­dert und deu­tet dar­auf hin, dass die Ent­schleu­ni­gung der US-Konjunktur ein En­de fin­den könn­te.

Die Kehr­sei­te ei­ner Wie­der­be­schleu­ni­gung der Konjunktur ist die er­höh­te Wahr­schein­lich­keit ei­ner ers­ten Leit­zins­an­he­bung. Auch wenn stei­gen­de Zin­sen auf ei­ne ro­bus­te Wirt­schaft hin­deu­ten, was po­si­tiv für Ak­ti­en­märk­te ist, könn­te der ers­te Zins­schritt vor al­lem Ak­ti­en mit an­lei­he­ähn­li­chen Ei­gen­schaf­ten un­ter Druck brin­gen. Wa­ren in den ver­gan­ge­nen Jah­ren tie­fe Zin­sen Haupt­kurstrei­ber von Qua­li­täts­ak­ti­en mit ho­hen Di­vi­den­den, könn­ten stei­gen­de Zin­sen nun­mehr ei­ne Brems­wir­kung ent­fal­ten.

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