Ka­ter­stim­mung nach Kor­rek­tur

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - STE­PHAN KUHNKE,

Die in­ter­na­tio­na­len Ob­li­ga­tio­nen­märk­te be­fin­den sich im Kor­rek­tur­mo­dus. Al­len vor­an zehn­jäh­ri­ge deut­sche Bun­des­an­lei­hen, die in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten in be­son­de­rem Mass von ih­rem Sta­tus als si­che­rer Ha­fen so­wie den An­lei­he­käu­fen der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) pro­fi­tier­ten und noch Mit­te April nur knapp ober­halb der Null­li­nie ren­tier­ten, ver­zeich­ne­ten seit En­de ver­gan­ge­ner Wo­che ei­nen bei­spiel­lo­sen Ren­di­te­an­stieg. In­ner­halb von nur we­ni­gen Han­dels­ta­gen gab es ei­ne Ver­drei­fa­chung von 0,15 auf 0,45%. Spie­gel­bild­lich da­zu muss­ten In­ves­to­ren Kurs­ver­lus­te von mehr als 3% hin­neh­men.

Staats­an­lei­hen aus den Pe­ri­phe­rie­län­dern der Eu­ro­zo­ne, aber auch Pfand­brie­fe und Un­ter­neh­mens­an­lei­hen, konn­ten sich die­ser Ent­wick­lung nicht ent­zie­hen – ver­buch­ten aber ge­rin­ge­re Kurs­rück­gän­ge. Die Zin­s­auf­schlä­ge bil­de­ten sich ent­spre­chend zu­rück.

Was steckt hin­ter die­ser für vie­le un­er­war­te­ten Markt­be­we­gung? Zum ei­nen die Ber­ei­ni­gung der zu­vor ge­se­he­nen Über­trei­bung bei AAA-Staats­an­lei­hen. Un­ge­ach­tet po­si­ti­ver Kon­junk­tur­si­gna­le mar­schier­ten zum Bei­spiel deut­sche Staats­an­lei­hen seit ge­rau­mer Zeit ge­trie­ben von den Ob­li­ga­tio­nen­käu­fen der EZB von ei­nem Ren­di­te­tief zum nächs­ten und bil­de­ten da­mit ei­ne Bla­se, aus der nun erst ein­mal Luft ent­wi­chen ist.

Ein wei­te­rer Grund sind die seit Jah­res­an­fang auf­wärts ge­rich­te­ten In­fla­ti­ons­ra­ten in der Eu­ro­zo­ne. Aus­ge­hend vom his­to­ri­schen Tief bei –0,6% im Ja­nu­ar sind die Preis­stei­ge­rungra­ten in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten suk­zes­si­ve ge­stie­gen. Die Rück­kehr in po­si­ti­ves Ter­rain steht un­mit­tel­bar be­vor. An­ge­sichts der Er­ho­lung an den in­ter­na­tio­na­len Roh­stoff­märk­ten und der jüngs­ten Auf­wer­tung des Eu­ros ge­gen­über dem Dol­lar ist ein wei­te­rer In­fla­ti­ons­an­stieg be­reits vor­ge­zeich­net.

Die EZB wird es freu­en, scheint doch das De­fla­ti­ons­ge­spenst schnel­ler ver­trie­ben zu sein als bis­lang ge­dacht und ei­ne An­nä­he­rung an das an­ge­streb­te In­fla­ti­ons­ziel von 2% wie­der wahr­schein­li­cher. Für An­lei­hen­in­ves­to­ren trü­ben sich da­mit je­doch die Er­trags­per­spek­ti­ven ein, da die Chan­ce auf ei­ne Auf­sto­ckung des oh­ne­hin schon gross­zü­gig aus­ge­stat­te­ten An­kauf­pro­gramms ab­nimmt.

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