Stei­gen­de Zin­sen sind Gift für Ak­ti­en

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PR

Sel­ten wa­ren die Er­eig­nis­se an den Fi­nanz­märk­ten so schwer ein­zu­ord­nen wie in den ver­gan­ge­nen Wo­chen: An­lei­hen mit ho­her Qua­li­tät lies­sen Fe­dern (vgl. Text oben), High Yield und grie­chi­sche Bonds hiel­ten sich gut (vgl. Text links), Ak­ti­en ver­lo­ren. Der Eu­ro wer­te­te sich zum Dol­lar auf, aber der Fran­ken war noch här­ter und no­tier­te zwi­schen­zeit­lich zum Eu­ro un­ter 1.03 Fr/€ und zum Dol­lar na­he 90 Rap­pen. Gold fiel wie­der un­ter 1200 $ / Un­ze, nur der Erd­öl­preis schoss durch die De­cke.

Die meis­ten Ex­per­ten se­hen denn auch im hö­he­ren Öl­preis und den da­mit ver­bun­de­nen Aus­sich­ten auf mehr In­fla­ti­on den Haupt­trei­ber hin­ter der Kor­rek­tur am An­lei­hen­markt. Dass der plötz­li­che An­stieg der Bond­ren­di­ten auch die Ak­ti­en­in­ves­to­ren ver­un­si­cher­te, ist nach­voll­zieh­bar. Denn mit dem hö­he­ren Dis­kon­tie­rungs­satz sinkt der Bar­wert der zu­künf­ti­gen Di­vi­den­den. An­de­rer­seits spie­gelt ein Zins­an­stieg in der Re­gel hö­he­re Wachs­tums- und In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen, was auch den Un­ter­neh­mens­ge­win­nen zu­gu­te kom­men soll­te.

Da­ni­el Gschwend vom Ver­mö­gens­ver­wal­ter Pre­mi­um Stra­te­gy Part­ners macht die Auf­lö­sung von so­ge­nann­ten Eu­ro-Dol­lar-Car­ry-Tra­des für die jüngs­ten Tur­bu­len­zen an den Fi­nanz­märk­ten ver­ant­wort­lich. «Durch ei­nen sol­chen Car­ry Tra­de wur­de ein Kre­dit in Eu­ro auf­ge­nom­men und der Eu­ro gleich­zei­tig ver­kauft», er­klärt Gschwend. Mit dem Er­lös sei­en dann an­de­re An­la­gen wie Ak­ti­en und An­lei­hen ge­kauft wor­den. «So­lan­ge der Eu­ro schwä­cher wur­de und Ak­ti­en und An­lei­hen im Kurs stie­gen, war das lu­kra­tiv».

Auf­fal­lend ist, dass die US-Lang­frist­zin­sen an­zo­gen, oh­ne dass sich die Er­war­tun­gen zur Fed-Po­li­tik nen­nens- wert ver­än­dert hät­ten, wie aus den Prei­sen an den Ter­min­kon­trakt­märk­ten ab­zu­le­sen ist. Es scheint, als hät­ten sich die US-Märk­te von Eu­ro­pa an­ste­cken las­sen.

Ana­lys­ten ver­wei­sen auch auf Par­al­le­len zum An­lei­hen­aus­ver­kauf in Ja­pan 2003. Da­mals er­reich­ten Ren­di­ten zehn­jäh­ri­ger ja­pa­ni­scher Staats­an­lei­hen eben­falls zu­nächst ein his­to­ri­sches Tief auf 0,45%, be­vor sie in­ner­halb von zwei Mo­na­ten auf 1,4% rausch­ten und die glo­ba­len Bond­märk­te an­steck­ten.

Für die Ak­ti­en­märk­te war der Zins­an­stieg aber kei­ne Tra­gö­die, denn er wur­de von den Markt­teil­neh­mern als ei­ne über­fäl­li­ge Kor­rek­tur wahr­ge­nom­men, nicht als ei­ne Be­dro­hung. Die ja­pa­ni­sche Bör­se leg­te da­mals in den fol­gen­den zwölf Mo­na­ten noch 40% zu.

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