Mut­pro­be Ban­ken­uni­on

Finanz und Wirtschaft - - EUROKRISE TEIL 3: EINE NEUE ARCHITEKTUR -

Mrd. €. Ein gros­ses Man­ko: Staats­plei­ten wur­den nicht durch­ge­spielt, denn Staats­an­lei­hen gel­ten als ri­si­ko­los – nicht nur in der Eu­ro­zo­ne mehr Dog­ma als Rea­li­tät. Den­noch: Seit No­vem­ber 2014 hat die EZB die Ban­ken­auf­sicht auf­ge­nom­men. Für vie­le Be­ob­ach­ter ein Quan­ten­sprung.

Ver­wi­ckel­te Ab­wick­lung

Die Ab­wick­lungs­richt­li­nie (BRRD) vom Mai 2014 ist die Grund­la­ge des ein­heit­li­chen Ab­wick­lungs­me­cha­nis­mus (SRM), der zwei­ten Säu­le der Ban­ken­uni­on. Da­mit wur­de nicht nur die Be­tei­li­gung von Gläu­bi­gern an Ver­lus­ten (Bail-in) ge­re­gelt. Die per 1. Ja­nu­ar 2015 ope­ra­ti­ve Ab­wick­lungs­be­hör­de kann Not­fall­mass­nah­men an­ord­nen. Ei­ne zen­tra­le Ein­la­gen­ver­si­che­rung als drit­te Säu­le wur­de we­gen dro­hen­der Ver­ge­mein­schaf­tung von Staats­schul­den fal­len­ge­las­sen.

Feh­len­de Be­reit­schaft zu ge­gen­sei­ti­ger Haf­tung lässt auch die zwei­te Säu­le wan­ken: Um Steu­er­zah­ler und Staa­ten zu­sätz­lich vor Ver­lus­ten zu schüt­zen, müs­sen Ban­ken ab 2016 ei­nen Ret­tungs­fonds auf­bau­en. Am An­fang be­steht die­ser Sing­le Re­so­lu­ti­on Fund (SRF) aus ei­ner An­samm­lung na­tio­na­ler Fonds, die bis 2024 zu ei­nem zen­tra­len Fonds ver­schmol­zen wer­den. Die Mit­tel be­tra­gen 1% al­ler Ein­la­gen. Es soll­te nicht über­ra­schen, dass ge­ra­de die Lö­sung der Ab­wick­lungs­fi­nan­zie­rung auf­ge­scho­ben wur­de – in der Hoff­nung, dass bis dann nichts pas­siert. Die Idee ei­nes Fonds, der über zehn Jah­re von den Ban­ken selbst ge­speist wird, dient letzt­lich wie­der nur da­zu, ei­nen Len­der of Last Re­sort zu ver­mei­den. Zu­dem mo­nie­ren Ex­per­ten, der Fonds wä­re selbst in zehn Jah­ren zu klein, um ei­ne Gross­bank zu ret­ten.

Auch über den lan­gen, ge­wun­de­nen Weg der Ban­ken­uni­on kann die Eu­ro­zo­ne je­nes Pro­blem nicht um­ge­hen, das die­se Kon­struk­ti­on erst nö­tig mach­te: Do­mi­zil­staa­ten blei­ben für ih­re in­ter­na­tio­nal tä­ti­gen Ban­ken al­lein haft­bar. An der feh­len­den Be­reit­schaft der Mit­glieds­staa­ten zur Über­nah­me von Ri­si­ken aus­län­di­scher Ban­ken­sys­te­me hat sich nichts ge­än­dert. Ei­ne Ver­ge­mein­schaf­tung der Staats­schul­den (vgl. Haupt­text) bleibt viel­mehr ein Traum der Schuld­ner­und ein Alp­traum der Gläu­bi­ger­staa­ten.

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