Ist die Zei­ten­wen­de ge­kom­men?

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN -

Seit bald zwei Mo­na­ten gibt es nun auch in der Eu­ro­zo­ne ein geld­po­li­ti­sches Kauf­pro­gramm für Staats­an­lei­hen (QE). Es wird kon­ti­nu­ier­lich um­ge­setzt, oh­ne da­bei – von der Start­pha­se ein­mal ab­ge­se­hen – grös­se­res Auf­se­hen am Fi­nanz­platz und in den Me­di­en zu er­re­gen. Ei­ge­nen An­ga­ben zu­fol­ge ist die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) zu­frie­den mit sei­ner Im­ple­men­tie­rung und den ers­ten Re­sul­ta­ten, wie stei­gen­de In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen. Wer aber glaub­te, dass ein rei­bungs­lo­ses QE nach US-Vor­bild Ga­rant für ste­ti­ge Kurs­ral­lys an Ka­pi­tal­märk­ten ist, dürf­te vom April ziem­lich ent­täuscht wor­den sein.

Deut­sche Ak­ti­en, ita­lie­ni­sche und deut­sche Staats­an­lei­hen, der Dol­lar und vie­les mehr ver­lo­ren. Be­ein­dru­ckend war die Be­we­gung zehn­jäh­ri­ger Bun­des­an­lei­hen. Die lau­fen­de Ren­di­te stopp­te am 20. April kurz vor der Null, um sich dann in den ver­blei­ben­den Han­dels­ta­gen auf 0,35% zu ver­fünf­fa­chen. Pas­send da­zu ha­ben pro­mi­nen­te Markt­teil­neh­mer das «Shor­ten» von Bun­des­an­lei­hen als Tra­de des Jahr­hun­derts an­ge­prie­sen. Auch nach fast sie­ben Jah­ren ist es noch zu früh, ei­ne Ent­kopp­lung von Kurs­ni­veaus und glo­ba­ler mo­ne­tä­rer Ex­pan­si­on zu kon­sta­tie­ren. Im schnell­le­bi­gen Ka­pi­tal­markt­ge­schäft kä­me dies ei­ner Zei­ten­wen­de gleich.

Grös­se­re Sor­ge be­rei­tet der An­stieg von Vo­la­ti­li­tät und Il­li­qui­di­tät, wo­bei zu­min­dest letz­te­re auch ei­ne di­rek­te Kon­se­quenz der EZB-Käu­fe ist. Die nach­las­sen­de Be­reit­schaft von Ban­ken, Han­dels­be­stän­de vor­zu­hal­ten, und das Ver­schwin­den von Neu­emis­sio­nen in Held-toMa­tu­ri­ty-Port­fo­li­os lang­fris­tig ori­en­tier­ter In­ves­to­ren tun ihr Üb­ri­ges. Soll­te die seit ei­ni­gen Jah­ren dau­ern­de Schön­wet­ter­pha­se ein­mal zu En­de ge­hen, be­steht die Ge­fahr, dass fun­da­men­tal ge­recht­fer­tig­te Ver­kaufs­or­ders man­gels Käu­fer in hef­ti­gen Kurs­ein­brü­chen re­sul­tie­ren, der Fi­nanz­markt al­so nicht mehr funk­tio­niert.

Wie soll man sich nun auf die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on ein­stel­len? An­le­ger, die sich ei­ne Null­ver­zin­sung leis­ten kön­nen, soll­ten jetzt kei­ne zu­sätz­li­chen Ri­si­ken, wie et­wa ei­ne Ver­län­ge­rung der Du­ra­ti­on, ein­ge­hen. Wert­pa­pie­re, de­ren Kur­se stark ge­fal­len sind, kön­nen näm­lich im­mer noch teu­er oder im­mer­hin kor­rek­tur­an­fäl­lig sein.

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