Zur Per­son

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Bra­dy Dou­gan steht seit Mai 2007 an der Spit­ze der Cre­dit Suis­se. Er ge­hört wie Lloyd Blank­fein von Gold­man Sachs und Ja­mie Di­mon von J. P. Mor­gan zum klei­nen Kreis von Gross­ban­ken-CEO, die von der Fi­nanz­kri­se nicht aus ih­rem Pos­ten ge­ris­sen wur­den und heu­te noch am­tie­ren.

Im Ju­ni wird Dou­gan die Chef­po­si­ti­on bei Cre­dit Suis­se an Tid­ja­ne Thi­am wei­ter­rei­chen, der vom bri­ti­schen Ver­si­che­rer Pru­den­ti­al zur Schwei­zer Gross­bank stos­sen wird. Hier­zu­lan­de po­la­ri­siert Dou­gan: Er liess sich wäh­rend sei­ner acht­jäh­ri­gen Amts­zeit als CEO weit über 100 Mio. Fr. Ver­gü­tun­gen aus­zah­len. We­gen ex­zes­si­ver Bo­ni – in ei­nem ein­zi­gen Jahr wur­den ihm Ak­ti­en im Wert von rund 70 Mio. Fr. zu­ge­teilt – wur­de er zur Iko­ne des gie­ri­gen Ban­kers sti­li­siert. Doch die Schweiz hat auch von den Fä­hig­kei­ten des In­vest­ment­ban­kers pro­fi­tiert. Dou­gan führ­te Cre­dit

«Ban­ken, die Pro­ble­me hat­ten, ka­men mit Vor­tei­len aus der Kri­se her­aus.»

Suis­se mit si­che­rer Hand durch die Fi­nanz­kri­se, wäh­rend UBS bei­na­he un­ter­ging und zum Gross­ri­si­ko für Staat und Volks­wirt­schaft zu wer­den droh­te. Er sass in New York mit am Kri­sen­tisch, als Leh­man Bro­thers fal­len ge­las­sen wur­de.

Pri­vat pflegt Dou­gan ei­nen un­auf­fäl­li­gen Le­bens­stil, und sein To­yo­ta passt nicht so recht zur CS-Tief­ga­ra­ge am Pa­ra­de­platz. We­nig be­kannt sind sei­ne mil­lio­nen­schwe­ren ka­ri­ta­ti­ven En­ga­ge­ments. Dou­gan be­tei­ligt sich an Hilfs­pro­jek­ten mit dem Ziel, Mäd­chen zu un­ter­stüt­zen und so ih­re Chan­cen zu ver­bes­sern – bei­spiels­wei­se mit dem Bau von Wohn­hei­men und Bi­b­lio­the­ken oder durch Stu­di­en­fi­nan­zie­rung in we­ni­ger ent­wi­ckel­ten Län­dern wie Ke­nia, Ugan­da und Bur­ki­na Fa­so. Ne­ben der Fi­nan­zie­rung von So­lar­leuch­ten, die es Kin­dern er­lau­ben, nachts zu ler­nen, fi­nan­ziert Dou­gan Kli­ni­ken in Viet­nam und un- ter­stützt Wai­sen­kin­der in Ke­nia. Mit sei­ner Fa­mi­lie en­ga­giert er sich für Sand­damm­pro­jek­te in Afri­ka, die na­he und sau­be­re Was­ser­quel­len schaf­fen.

Aus­ser­dem sitzt Dou­gan im Stif­tungs­rat der Uni­ver­si­tät von Chi­ca­go, an der er stu­diert hat und die er jetzt un­ter­stützt.

Der Ame­ri­ka­ner stiess 1990 zu Cre­dit Suis­se First Bos­ton, zu de­ren CEO er vor ih­rer Ver­schmel­zung mit dem Mut­ter­haus auf­stieg. Be­vor Dou­gan von Os­wald Gr­ü­bel die Grup­pen­füh­rung über­nahm, lei­te­te er die In­vest­ment­bank. Der Früh­auf­ste­her und pas­sio­nier­te Läu­fer wohnt in Er­len­bach an der Zürcher Gold­küs­te. Ob er nach dem Rück­tritt sei­nen Wohn­sitz zu­rück in die USA ver­le­gen wird, hat der 55-Jäh­ri­ge noch nicht ent­schie­den. Treu blei­ben dürf­te er Co­ca-Co­la Ze­ro. Denn oh­ne ei­ne Fla­sche des koffe­in­hal­ti­gen Süss­ge­tränks ward er noch nie ge­se­hen.

BILD: SIMON DAW­SON/ BLOOM­BERG

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