Die Bau­stel­len

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - RK

Das ist ei­ne der merk­wür­di­ge­ren Ge­schich­ten der Fi­nanz­kri­se, weil die Meinungen dar­über im Zeit­ver­lauf so schwan­ken. Mei­ne Ant­wort aber war und bleibt im­mer die­sel­be: Es war rich­tig, was wir ge­macht ha­ben. Es geht nicht um Stolz. Es geht um Grund­sätz­li­ches: Man führt ein Un­ter­neh­men kon­ser­va­tiv, so­dass man auf nie­man­den an­ge­wie­sen ist, schon gar nicht auf den Steu­er­zah­ler. Das ist zen­tral, und des­halb war es rich­tig, was wir ge­macht ha­ben. So füh­ren wir un­ser Ge­schäft. Und es scheint mir ein durch und durch schwei­ze­ri­sches Prin­zip zu sein. Aber ich glau­be, man­che Leu­te den­ken heu­te nicht mehr dar­an, wer auf Staats­kos­ten ge­ret­tet wur­de und wer nicht. Ab Ju­ni wird der Ivo­rer Tid­ja­ne Thi­am an die Spit­ze der Cre­dit Suis­se rü­cken. Er tritt da­mit das Er­be des lang­jäh­ri­gen CEO Bra­dy Dou­gan an. Dou­gan hin­ter­lässt ihm nach sei­nen ei­ge­nen Wor­ten ei­ne «ein­ma­lig aus­ta­rier­te Gross­bank». Seit län­ge­rem strebt Cre­dit Suis­se ein aus­ge­gli­che­nes Ver­hält­nis zwi­schen Ver­mö­gens­ver­wal­tung und In­vest­ment­bank an. Beim Er­trag ist dies 2014 er­reicht wor­den.

Noch im­mer aber ab­sor­biert die In­vest­ment­bank den gröss­ten Teil des re­gu­la­to­ri­schen Ka­pi­tals – mit ent­spre­chen­dem Druck auf die Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te und der Ge­fahr schwan­ken­der Er­geb­nis­se. Der In­vest­ment­ban­ker Dou­gan setz­te stark auf Han­dels­er­trä­ge, be­son­ders auf den vo­la­ti­len An­lei­hen­han­del. Auf­grund der be­ruf­li­chen Her­kunft aus der Ver­si­che­rungs­bran­che wird er­war­tet, dass Thi­am den Ak­zent stär­ker auf die wie­der­keh­ren­den Ein­nah­men aus der Ver­mö­gens­ver­wal­tung le­gen wird.

Zen­tra­le Her­aus­for­de­rung wird blei­ben, die Ren­di­te auf dem Ei­gen­ka­pi­tal zu stei­gern – oder die Er­war­tun­gen dar­an zu dämp­fen. In den letz­ten drei Ge­schäfts­jah­ren hat Cre­dit Suis­se le­dig­lich Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­ten um 5% er­wirt­schaf­tet. Dies ist viel zu we­nig an­ge­sichts des Ri­si­kos, das der In­ves­tor ein­geht, wenn er ei­ner Gross­bank Ei­gen­ka­pi­tal zur Ver­fü­gung stellt.

Cre­dit Suis­se hat be­reits im Fe­bru­ar an­ge­kün­digt, wei­ter an der Kos­ten­schrau­be dre­hen zu wol­len – zu­sätz­lich zum be­reits lau­fen­den Spar­pro­gramm. Aus­ser­dem will die Gross­bank, in An­ti­zi­pa­ti­on wei­te­rer Re­gu­lie­rungs­ver­schär­fun­gen, zu­sätz­li­che 200 Mrd. Fr. Bi­lanz­vo­lu­men ab­bau­en. Das noch von Dou­gan ge­setz­te Ziel ist, bis En­de 2015 die Le­ver­a­ge Ra­tio auf 3% des har­ten Kern­ka­pi­tals her­auf­zu­schrau­ben – und zwar al­lein über die Bi­lanz­ver­kür­zung um ein Fünf­tel.

Der Ab­bau wird zwangs­läu­fig zu ei­nem Er­trags­rück­gang füh­ren und er kos­tet Geld. Ob Thi­am da­bei auf die ste­ti­ge Wei­ter­ent­wick­lungs­stra­te­gie von Dou­gan setzt – so­weit der lau­fen­de Ge­winn sie eben zu­lässt – bleibt ab­zu­war­ten. Der neu von aussen kom­men­de CEO könn­te den Um­bau auch über ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung fi­nan­zie­ren. Denn für ra­di­ka­le Schrit­te fehlt der ver­hält­nis­mäs­sig klam­men Bank schlicht das Geld. Zu be­fürch­ten ist, dass in bei­den Fäl­len die Di­vi­den­de lei­det. klar, dass dies die rich­ti­ge Ent­schei­dung war. Wir ha­ben über Jah­re da­von pro­fi­tiert. Das war wohl ei­ne der bes­ten Ent­schei­dun­gen wäh­rend mei­ner Amts­zeit.

«Wir wa­ren bes­ser als der Durch­schnitt eu­ro­päi­scher Ban­ken. Ge­schla­gen ha­ben uns die US-In­sti­tu­te.»

2009/10 ka­men wir sehr gut aus der Kri­se her­aus. Wir hat­ten Re­struk­tu­rie­run­gen hin­ter uns und hat­ten im In­vest­ment Ban­king Er­wei­te­run­gen ein­ge­lei­tet. Im Rück­blick hät­ten wir das wohl bes­ser nicht ge­macht. Ich spre­che nicht von ei­nem stra­te­gi­schen Feh­ler, son­dern von ei­ner Fra­ge der Ge­wich­tung. Wir hät­ten das bes­ser aus­ta­rie­ren kön­nen.

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