Erst­mals kos­tet die Be­ra­tung

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Die Cre­dit Suis­se er­hebt in ih­ren neu­en Pri­va­te-Ban­king-Mo­del­len zum ers­ten Mal di­rek­te Be­ra­tungs­ge­büh­ren. Zu­vor war die Be­ra­tung an­ge­sichts er­kleck­li­cher Sum­men aus De­pot­ge­büh­ren, Cour­ta­gen, Port­fo­lio­ma­nage­ment, Kom­mis­sio­nen und Re­tro­zes­sio­nen so­wie wei­te­rer Di­enst­leis­tun­gen qua­si gra­tis. Doch durch neue Re­gu­lie­run­gen wird die An­la­ge­be­ra­tung für die Ban­ken ei­ner­seits kos­ten­in­ten­si­ver, an­de­rer­seits schrump­fen, an­ge­sichts des Weg­falls der ein­träg­li­chen Re­tro­zes­sio­nen und des Tief­zins­um­felds, ih­re Er­trä­ge. Re­tro­zes­sio­nen sind Ent­gel­te, die von Pro­dukt­an­bie­tern an die Ban­ken flies­sen, wenn die Geld­häu­ser ih­ren Kun­den ent­spre­chen­de Pro­duk­te ins Port­fo­lio leg­ten. CS, UBS und an­de­re Ban­ken ha­ben an­ge­kün­digt, die­se Pro­duk­te nicht mehr an­zu­bie­ten.

Die neu­en Ge­büh­ren sol­len die­sen Weg­fall of­fen­sicht­lich auf­fan­gen. Die Bank be­grün­det das an­ders: «Die An­la­ge­ge­bühr soll klar­ma­chen, dass die Be­ra­tung wert­voll ist», sagt Flo­rence Schny­d­rig Mo­ser vom Pri­va­te Ban­king der CS. Im Ge­gen­zug ha­be man da­für auch die De­pot­ge­büh­ren und Trans­ak­ti­ons­kos­ten ge­senkt. Die UBS star­te­te ihr ak­tu­el­les An­ge­bot zu­nächst mit ei­ner Pau­schal­ge­bühr, in der eben­falls die Trans­ak­ti­ons­kos­ten mit­in­be­grif­fen sind. «Die An­le­ger sind viel eher da­zu be­reit, Pro­ble­me im Port­fo­lio an­zu­ge­hen, wenn sie wis­sen, es kos­tet sie nichts ex­tra», sagt Mar­tin Ro­cken­felt, Pro­duct Ma­na­ger UBS Ad­vice. Zu­dem wür­de die Pau­schal­ge­bühr ei­nen mög­li­chen In­ter­es­sen­kon­flikt auf­sei­ten der Bank aus­schal­ten: Wenn das Geld­haus weiss, es ver­dient nicht am Kun­den, wenn die­ser han­delt, wird es auch nicht ver­su­chen, ihn un­nö­tig da­zu zu be­we­gen.

Im Ju­li 2014 führ­te die UBS dann aber doch ein Ein­zel­preis­mo­dell ein. Dies, weil die Gross­bank fest­ge­stellt ha­be, so Ro­cken­felt, dass ein Pau­schal­preis im Ver­gleich zu frü­her für Kun­den mit klei­nen Port­fo­li­os, die we­nig Han­del trei­ben, zu teu­er wur­de. Erst, wenn ein Kun­de viel mit gros­sen Vo­lu­men hand­le, lohnt sich der Pau­schal­preis. Wie un­se­re Bei­spiel­rech­nun­gen zei­gen, er­hebt die UBS als Markt­füh­rer hö­he­re Ge­büh­ren als die Kon­kur­ren­tin CS. Doch Ge­büh­ren sei­en nicht al­les, sind sich bei­de Ver­tre­ter ei­nig. «Der Preis kann nicht das ent­schei­den­de Ar­gu­ment sein», sagt Schny­d­rig Mo­ser, «son­dern der Ser­vice.» «Wir sind nicht bil­lig, aber bie­ten ho­he Port­fo­li­o­qua­li­tät», meint Ro­cken­felt.

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