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Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - AT

Dass Zu­cker ein viel­ver­spre­chen­der Roh­stoff ist, be­weist das nie­der­län­di­sche Un­ter­neh­men Cor­bi­on (Ams­ter­dam: CRBN, Kurs 19.39 €, Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung 1,2 Mrd. €). Vor ei­ni­gen Jah­ren war die Vor­gän­ger­ge­sell­schaft CSM noch haupt­säch­lich Zu­cker­raf­fi­n­eur und Back­roh­wa­ren­her­stel­ler. Von die­sen Un­ter­neh­mens­tei­len hat man sich we­gen der Vo­la­ti­li­tät der Roh­stoff­prei­se ge­trennt. Heu­te kon­zen­triert man sich auf viel­ver­spre­chen­de An­wen­dun­gen von Milch­säu­re, die man aus der Ver­gä­rung von Zu­cker ge­winnt.

Die Milch­säu­re wird et­wa als bio­lo­gisch her­ge­stell­ter Kon­ser­vie­rungs­stoff für Fleisch ein­ge­setzt. Cor­bi­on hat hier ei­nen welt­wei­ten Markt­an­teil von 50%. Die Tech­no­lo­gie ist da­bei ein gros­ser Wett­be­werbs­vor­teil. Das ist ei­ner der Grün­de, war­um das Un­ter­neh­men als Ak­qui­si­ti­ons­ziel ge­han­delt wird. «Cor­bi­on ist ein at­trak­ti­ver Über­nah­me­kan­di­dat», meint Jörg Deh­ning, Ma­na­ger des Fonds DJE Agrar & Er­näh­rung. «Die Milch­säu­re­tech­no­lo­gie ist bei­spiels­wei­se hoch­in­ter­es­sant für chi­ne­si­sche Un­ter­neh­men.»

Im letz­ten Jahr schrieb Cor­bi­on ei­nen Ver­lust. Doch der Ge­winn­aus­blick für 2015 ist gut – dank Spar­mass­nah­men und ei­nem nied­ri­gen Preis für den Pro­duk­ti­ons­fak­tor Zu­cker. Auf Ba­sis der Kon­sens­schät­zung der Ana­lys­ten wei­sen die Ti­tel für die­ses Jahr ein Kur­sGe­winn-Ver­hält­nis von 20 auf. Kon­kur­ren­ten im Sek­tor für Le­bens­mit­tel­zu­satz­stof­fe wie die dä­ni­sche Chr. Han­sen sind deut­lich hö­her be­wer­tet. Po­si­tiv stimmt auch, dass sich das im letz­ten Jahr ein­ge­setz­te Ma­nage­ment ak­tio­närs­freund­lich zeigt. «Es wur­den ein Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramm und ei­ne Son­der­aus­schüt­tung an­ge­kün­digt. Das soll­te den Kurs stüt­zen», meint Deh­ning.

Lang­fris­tig chan­cen­reich ist die In­ves­ti­ti­on in bio­lo­gisch her­ge­stell­tes Plas­tik (PLA, Po­ly­lac­tic Acid). Doch die Be­geis­te­rung da­für ist nicht mehr so gross, seit der Öl­preis ge­sun­ken ist. Denn da­mit er­schei­nen Al­ter­na­ti­ven zu tra­di­tio­nell her­ge­stell­tem Kunst­stoff we­ni­ger at­trak­tiv. Um den Grund­stoff (Lac­tide, Ver­bin­dun­gen von Milch­säu­re mit Al­ko­hol) für PLA be­reit­zu­stel­len, bau­te Cor­bi­on 2012 in Thai­land ei­ne Fa­b­rik. Doch die Kun­den re­agier­ten ver­hal­ten. Ana­lys­ten der nie­der­län­di­schen Ra­bo­b­ank er­ach­ten da­her den Stra­te­gie­wech­sel des Ma­nage­ments von Cor­bi­on als po­si­tiv, nun auch PLA selbst her­stel­len zu wol­len. Mehr als ein Dut­zend Kun­den hat schon In­ter­es­se am Bi­oplas­tik an­ge­mel­det.

Cor­bi­on ist at­trak­tiv, da sie nicht nur ei­ne funk­tio­nie­ren­de Hoch­tech­no­lo­gie be­sitzt, son­dern auch viel Fan­ta­sie nach oben auf­weist. Schnel­le Kurs­stei­ge­run­gen sind mög­lich, falls sich die Über­nah­me­spe­ku­la­tio­nen be­wahr­hei­ten.

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