Bond­kor­rek­tur we­gen Öl­preis?

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - SR

In den ver­gan­ge­nen Wo­chen ha­ben die An­lei­hen­märk­te hef­tig kor­ri­giert: Die Ren­di­ten zehn­jäh­ri­ger Schwei­zer Staats­an­lei­hen stie­gen in­ner­halb von drei Wo­chen von –0,18 auf 0,15%, deut­sche Bun­des­an­lei­hen schos­sen gar von 0,07 auf knapp 0,72% in die Hö­he.

Ein oft ge­nann­ter Grund für die Kor­rek­tur sind die ge­stie­ge­nen Roh­öl­no­tie­run­gen, die zu hö­he­ren In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen ge­führt und das De­fla­ti­ons­ge­spenst ver­trie­ben hät­ten. Der stark ge­fal­le­ne Öl­preis lös­te zu Jah­res­be­ginn bei vie­len No­ten­ban­ken Sor­gen über zu­neh­men­de de­fla­tio­nä­re Kräf­te aus. Von ei­nem Höchst von rund 116 Dol­lar pro Fass (Sor­te Brent) im Ju­ni 2014 brach der Preis bis Ja­nu­ar rund 45% ein, was welt­weit zu ab­neh­men­den In­fla­ti­ons­ra­ten führ­te. Seit­her lässt sich je­doch ei­ne Er­ho­lung beim Öl­preis be­ob­ach­ten: Mitt­ler­wei­le hat er sich wie­der um rund 40% ver­teu­ert.

Ge­rin­ge­re De­fla­ti­ons­ge­fahr

Ein durch ei­ne stei­gen­de Nach­fra­ge ge­trie­be­ner hö­he­rer Öl­preis wä­re tat­säch­lich ein Hin­weis auf ab­neh­men­de De­fla­ti­ons­ri­si­ken. Bank of Ame­ri­ca Mer­rill Lynch schätzt je­doch, dass der gröss­te Teil der Preis­ver­än­de­rung – rund 60% – von der An­ge­bots­sei­te rührt und warnt vor vor­ei­li­gen Schlüs­sen. Denn die In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen ha­ben sich zwar in den USA als auch in Eu­ro­pa jüngst et­was er­höht. Al­ler­dings lässt sich die­ser Trend seit Jah­res­be­ginn fest­stel­len. In den ver­gan­ge­nen zwei bis drei Wo­chen liess sich so­gar eher ein leich­ter Rück­gang fest­stel­len. Der Öl­preis al­lein und da­mit ver­bun­de­ne ge­stie­ge­ne In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen grei­fen als Er­klä­rung für die Bond­markt­kor­rek­tur des­halb zu kurz.

Über­kauf­te An­lei­hen

Die Hef­tig­keit des Rück­schlags lässt dar­auf schlies­sen, dass auch tech­ni­sche Fak­to­ren ei­ne Rol­le spiel­ten. Syl­vie Go­lay, He­ad of Fi­xed In­co­me Ana­ly­sis bei Cre­dit Suis­se teilt die­se An­sicht: «Die Be­wer­tun­gen von Staats­an­lei­hen hat­ten zu­letzt ex­tre­me Wer­te er­reicht. Es brauch­te we­nig, um in die­sem über­kauf­ten Markt ei­ne Ge­gen­be­we­gung aus­zu­lö­sen.» Die quan­ti­ta­ti­ven Lo­cke­rungs­pro­gram­me (QE) wich­ti­ger Zen­tral­ban­ken und ver­schärf­te Re­gu­lie­run­gen hät­ten zu­dem zu ei­ner ge­rin­ge­ren Li­qui­di­tät und da­mit zu grös­se­ren Aus­schlä­gen an den Bond­märk­ten ge­führt.

Ähn­lich ar­gu­men­tiert Nor­man Villamin, Chief In­vest­ment Of­fi­cer Eu­ro­pe bei Coutts. «An­ge­sichts ent­täu­schen­der US-Wirt­schafts­da­ten und Sor­gen um Grie­chen­land wa­ren An­lei­hen über­kauft und da­mit an­fäl­lig auf Än­de­run­gen in den Markt­er­war­tun­gen.»

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