Nicht nur ei­ne Wäh­rung

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AT

Sich Bit­co­in nur als Wäh­rung vor­zu­stel­len, greift zu kurz. Das In­ter­es­san­te an den vir­tu­el­len Mün­zen ist die re­vo­lu­tio­nä­re Me­tho­de, wie Trans­ak­tio­nen si­cher ab­ge­wi­ckelt wer­den kön­nen. Der Über­trag von Ei­gen­tum soll ver­bind­lich und nach­voll­zieh­bar sein. Nor­ma­ler­wei­se wird da­für ei­ne zen­tra­le In­stanz ge­braucht. Doch die Kryp­to­gra­phie – Ver­schlüs­se­lungs­tech­nik – macht es mög­lich, dass es auch oh­ne No­tar oder Ur­kun­de geht. Die so­ge­nann­te Pu­b­lic-Key-Kryp­to­gra­phie er­laubt die Ve­ri­fi­zie­rung der Her­kunft ei­ner Nach­richt – der Sen­der un­ter­schreibt al­so, oh­ne dass die­se Un­ter­schrift ge­fälscht wer­den kann.

Dass die Trans­ak­ti­on au­to­ri­siert wur­de, ist durch die Ver­schlüs­se­lung ab­ge­si­chert. Um je­doch si­cher­zu­stel­len, dass die Bit­co­in nicht mehr­mals ver­sen­det wer­den, müs­sen die mit der Trans­ak­ti­on ver­sen­de­ten Bit­co­in ir­gend­wo re­gis­triert sein. In ei­ner kon­ven­tio­nel­len Trans­ak­ti­on gibt es da­für ein zen­tra­les Re­gis­ter, bei Wäh­run­gen über­nimmt die Funk­ti­on ei­ne Bank, die Kon­ten un­ter­hält und Trans­ak­tio­nen zwi­schen den Kon­ten ab­wi­ckelt. Die Idee von Bit­co­in ist nun, dass die­ses Re­gis­ter über al­le Be­nut­zer ver­teilt wird. Es gibt da­mit kei­ne zen­tra­le In­stanz, son­dern die Buch­füh­rung der di­gi­ta­len Wäh­rung liegt of­fen aus. In die­sem Re­gis­ter wer­den al­le bis­he­ri­gen Trans­ak­tio­nen hin­ter­legt, und da­mit ist auch klar, wel­che Bit­co­in zu wem ge­hö­ren. Die Block­chain ist die kom­plet­te Lis­te die­ser Trans­ak­tio­nen.

Da­mit ei­ne Trans­ak­ti­on in die­se Ket­te auf­ge­nom­men wird, muss sie von an­de­ren Teil­neh­mern im Netz­werk ve­ri­fi­ziert wer­den. Die­se Teil­neh­mer schau­en in der Block­chain nach, ob der Bit­co­in schon ein­mal ver­wen­det wur­de. Die Com­pu­ter, die im Bit­co­inNetz­werk die Trans­ak­tio­nen be­stä­ti­gen, müs­sen da­zu ho­he Re­chen­ka­pa­zi­tä­ten auf­wen­den. Denn im Be­stä­ti­gungs­pro­zess wird ein Co­de – ein so­ge­nann­ter Hash Va­lue – ge­bil­det, der in die Block­chain ein­ge­tra­gen wird. Die Kom­ple­xi­tät zur Be­rech­nung des Co­des passt sich an, so­dass die Va­li­die­rung im Durch­schnitt zehn Mi­nu­ten be­nö­tigt.

Der Auf­wand an Re­chen­ka­pa­zi­tät sorgt da­für, dass die Be­reit­stel­lung der Be­stä­ti­gung teu­er ist. Ei­ne Trans­ak­ti­on kann al­so nur mit ho­her Re­chen­ka­pa­zi­tät ve­ri­fi­ziert wer­den. Es ist da­mit so gut wie aus­ge­schlos­sen, dass die Ve­ri­fi­ka­ti­on von je­man­dem aus Ei­gen­in­ter­es­se ge­fälscht wird. Der­je­ni­ge, der die Re­chen­zeit für Bit­co­in be­reit­stellt, wird be­lohnt. Klappt die Be­stä­ti­gung, er­hält man 50 Bit­co­in – so wird die Wäh­rung neu ge­schaf­fen. könn­te Dis­kus­sio­nen aus­lö­sen. Zwar ist man als Nut­zer an­onym, doch man kann durch die di­gi­ta­le Un­ter­schrift, den öf­fent­li­chen Schlüs­sel, die Trans­ak­tio­nen ver­fol­gen. «Ei­ne of­fe­ne Fra­ge ist, wie an­onym et­wa ein Gross­un­ter­neh­men in der Block­chain sein kann», meint da­her Falk Kohl­mann. Wür­den vie­le Trans­ak­tio­nen mit dem glei­chen Schlüs­sel si­gniert, kön­ne das Un­ter­neh­men sei­ne Iden­ti­tät kaum ver­heim­li­chen.

Block­chain könn­te sich sehr schnell zum neu­en Baustein in der Fi­nanz­in­fra­struk­tur ent­wi­ckeln. Ob sich aber all die hoch­tra­ben­den Plä­ne und Träu­me ei­ni­ger Ver­fech­ter der Tech­no­lo­gie rea­li­sie­ren las­sen, wird sich noch er­wei­sen müs­sen.

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