At­hen wirft Schat­ten

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALES­SAN­DRO FEZZI,

Die Fi­nanz­märk­te seh­nen sich nach ei­ner schnel­len Lö­sung.

Die Grie­chen­land­kri­se bleibt all­ge­gen­wär­tig – zu­min­dest in Eu­ro­pa. So dis­ku­tier­ten die Fi­nanz­mi­nis­ter der Eu­ro­zo­ne am Mon­tag ein­mal mehr die von At­hen vor­ge­leg­te Re­form­agen­da, oh­ne dass ei­ne Ei­ni­gung er­zielt wur­de. Für die Fi­nanz­märk­te bleibt das Schreck­ge­spenst ei­nes «Gr­ex­its» akut. Die Gläu­bi­ger sol­len meh­re­re Sze­na­ri­en ent­wor­fen ha­ben und vie­le Ana­lys­ten und An­le­ger dürf­ten be­reits mit ei­ner Staats­plei­te rech­nen, de­ren Fol­gen der­zeit nur schwer ab­seh­bar sind.

En­de Ju­ni läuft das ver­län­ger­te Ret­tungs­pro­gramm aus. Grie­chen­land wird oh­ne frem­de Hil­fe die im Ju­li und Au­gust fäl­li­gen Staats­an­lei­hen, die sich im Be­sitz der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) be­fin­den (fast 7 Mrd. €), nicht be­die­nen kön­nen. At­hen scheint sich eben­falls auf ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en ein­zu­stel­len. So soll die Re­gie­rung ei­nen 2012 aus­ge­ar­bei­te­ten Vor­schlag des frü­he­ren Chef­öko­noms der Deut­schen Bank, Tho­mas May­er, zur mög­li­chen Ein­füh­rung ei­ner Par­al­lel­wäh­rung zum Eu­ro er­wä­gen.

Der grie­chi­sche Staat wür­de da­bei neue Schuld­schei­ne aus­ge­ben, mit de­nen die Löh­ne der Staats­an­ge­stell­ten, die Ren­ten und Rech­nun­gen in­län­di­scher Zu­lie­fe­rern be­g­li­chen wer­den sol­len. Die Schul­den ge­gen­über Aus­län­dern wür­den dann in Eu­ro ge­zahlt. Was an den Bör­sen hän­gen bleibt, ist der­zeit vor al­lem die Un­si­cher­heit. Der Eu­ro Sto­xx 50 ver­lor in den ers­ten bei­den Han­dels­ta­gen die­ser Wo­che vor dem Hin­ter­grund der Sor­gen um Grie­chen­land so­wie der hef­ti­gen Schwan­kun­gen an den An­lei­hen­märk­ten zeit­wei­se mehr als 3%.

Prescht Ca­me­ron vor?

Der neue und al­te bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter Da­vid Ca­me­ron könn­te nach dem über­ra­schen­den Wah­l­er­folg er­wä­gen, das ei­gent­lich 2017 ge­plan­te Re­fe­ren­dum über die EU-Mit­glied­schaft auf 2016 vor­zu­zie­hen, spe­ku­lie­ren bri­ti­sche Me­di­en. Am 27. Mai wird die Kö­ni­gin in der «Queen’s Speech» das Pro­gramm der kon­ser­va­ti­ven Re­gie­rungs­par­tei vor­tra­gen und könn­te dar­in auch auf die Volks­ab­stim­mung über das Ver­blei­ben des Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reichs in der EU ein­ge­hen.

Das Re­fe­ren­dum könn­te dann noch vor den 2017 an­ge­setz­ten Wah­len in Deutsch­land und Frank­reich statt­fin­den. Un­ter­des­sen hält die Bank von En­g­land an ih­rer ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik fest und be­stä­tig­te ih­ren Leit­zins auf dem Re­kord­tief von 0,5%. Heu­te wird mit Span­nung der Quar­tals­be­richt der bri­ti­schen No­ten­bank er­war­tet, der ne­ben der Beur­tei­lung der Konjunktur auch über­ar­bei­te­te Wachs­tums- und In­fla­ti­ons­pro­gno­sen ent­hält.

Jel­len hat noch Zeit

Mit ei­ner wei­te­ren geld­po­li­ti­schen Lo­cke­rung – der drit­ten in­ner­halb von sechs Mo­na­ten – re­agier­te die chi­ne­si­sche No­ten­bank auf die jüngst schwach aus­ge­fal­le­nen Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren (PMIs un­ter 50, Ein­bruch der Ex­por­te und Im­por­te) und die an­hal­tend ge­rin­ge In­fla­ti­on.

Die Peop­le’s Bank of Chi­na senk­te ih­ren Aus­leih­satz für ein­jäh­ri­ge Kre­di­te um 25 Ba­sis­punk­te (Bp) auf 5,1%, wo­mit sich Ban­ken bil­li­ger Geld von der Zen­tral­bank be­schaf­fen kön­nen. Gleich­zei­tig re­du­zier­te sie auch den Ein­la­gen­zins um eben­falls 25 Bp auf 2,25%, da­mit die In­sti­tu­te we­ni­ger Geld bei der Zen­tral­bank par­ken müs­sen und mehr in die schwä­cheln­de Wirt­schaft pum­pen kön­nen.

Der letz­te Ar­beits­markt­be­richt für April dürf­te die US-No­ten­bank (Fed) in ih­rem Kurs be­stä­ti­gen, die Zin­sen in der zwei­ten Jah­res­hälf­te erst­mals seit der Fi­nanz­kri­se an­zu­he­ben. Nach ei­ner Schwä­che­pha­se wäh­rend der har­ten Win­ter­mo­na­te scheint sich das Be­schäf­ti­gungs­wachs­tum in den USA im Früh­jahr wie­der er­holt zu ha­ben.

So dürf­te die Be­fürch­tung ei­ner wei­te­ren Ab­schwä­chung der USWirt­schaft vor­erst in den Hin­ter­grund ge­tre­ten sein. Wann ge­nau das Fed die Zins­wen­de ein­lei­ten wird, bleibt vor­erst un­ge­wiss und ist auch in­ner­halb der FOMC-Aus­schuss­mit­glie­der um­strit­ten. Der Ent­scheid wird in ers­ter Li­nie vom wei­te­ren Ver­lauf der US-Konjunktur ab­hän­gen. An­ge­sichts des der­zeit wohl eher ver­nach­läs­sig­ba­ren In­fla­ti­ons­ri­si­kos kann Fed-Che­fin Ja­net Yel­len aber auch noch et­was auf Zeit spie­len.

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