Das Über­an­ge­bot bleibt

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - MICHA­EL PEY­ER

Die jüngst ge­stie­ge­nen Erd­öl­prei­se ste­hen auf schwa­chem Fun­da­ment.

Die in­ter­na­tio­na­len Roh­stoff­märk­te prä­sen­tier­ten sich in der ver­gan­ge­nen Be­richts­wo­che un­ein­heit­lich. Ei­ne der trei­ben­den Kräf­te war die Ent­wick­lung des Dol­lars. Mit­te der ver­gan­ge­nen Wo­che er­reich­ten die Roh­öl­prei­se neue Fünf­mo­nats­re­kor­de: Für ein Fass der eu­ro­päi­schen Sor­te Nord­see-Brent wur­den am Mitt­woch fast 70 $ ge­bo­ten, so viel wie zu­letzt im De­zem­ber. US-Öl der Sor­te West Te­xas In­ter­me­dia­te ( WTI) no­tier­te zu 62.58 $/Fass. Auch Heiz­öl-Fu­tures (Ga­soil) ver­zeich­ne­ten mit 628.75 $/Ton­ne ein neu­es Fünf­mo­nats­hoch. Der an der In­ter­con­ti­nen­tal Ex­ch­an­ge (ICE) ko­tier­te Kon­trakt no­tier­te Mit­te Ja­nu­ar ge­ra­de noch zu gut 450 $/Ton­ne und hat sich seit­her um mehr als ein Drit­tel ver­teu­ert.

Ge­gen En­de Wo­che setz­ten je­doch Ge­winn­mit­nah­men ein. Ein et­was stär­ke­rer Dol­lar und po­si­ti­ve­re US-Kon­junk­tur­da­ten wirk­ten sich eben­falls ne­ga­tiv auf die Preis­ge­stal­tung aus. Brent schloss im Wo­chen­ver­gleich 1 $ tie­fer auf 65.39 $/Fass. Am Mon­tag be­stä­tig­te die ICE , dass die gros­sen Spe­ku­lan­ten ih­re Kauf­po­si­tio­nen in der ver­gan­ge­nen Wo­che be­reits zum sieb­ten Mal in Fol­ge auf neue Re­kord­ni­veaus von nun 288 727 Long-Kon­trak­ten aus­ge­baut hat- ten. Zum Wo­chen­auf­takt ver­lief der Han­del ru­hig. Am Di­ens­tag zo­gen die Erd­öl­prei­se vor dem Hin­ter­grund ei­nes schwä­cher wer­den­den Dol­lars et­was an. Das Fass Brent wur­de am Di­ens­tag­mit­tag zu 66.22 $ ge­han­delt. Ei­ne Es­ka­la­ti­on des Kon­flikts im Je­men und mög­li­che Aus­fäl­le von li­by­schen Öl­ex­por­ten könn­ten das An­ge­bot ver­knap­pen und sor­gen so für ei­ne ge­wis­se Preis­un­ter­stüt­zung. Das Ri­si­ko ei­nes Schei­terns des Nu­kle­ar-De­als mit dem Iran bis En­de Ju­ni könn­te den Erd­öl­prei­sen eben­falls Auf­trieb ver­lei­hen. Fun­da­men­tal hat sich im ver­gan­ge­nen Mo­nat je­doch we­nig ver­än­dert.

Am Frei­tag ver­öf­fent­lich­te die Erd­öl-Ser­vice-Ge­sell­schaft Ba­ker Hug­hes die neus­te Bohr­loch­sta­tis­tik: Seit zwei­und­zwan­zig Wo­chen geht die Zahl der ak­ti­ven Bohr­lö­cher (Rig Counts) in den USA Wo­che für Wo­che zu­rück. Doch die Si­tua­ti­on be­ginnt sich zu sta­bi­li­sie­ren: Aus ei­ni­gen Re­gio­nen wird be­reits wie­der ei­ne zu­neh­men­de Bohr­ak­ti­vi­tät ge­mel­det. Soll­te der WTI-Preis über 60 $/Fass stei­gen, wür­den ei­ni­ge Bohr­lö­cher zu­sätz­lich den Be­trieb wie­der auf­neh­men. Die Über­pro­duk­ti­on der Opec-Staa­ten wird nach Er­war­tun­gen vie­ler Händ­ler über das nächs­te Tref­fen am 5. Ju­ni in Wien hin­aus be­ste­hen blei­ben. Gold- man Sachs rech­net mit ei­nem glo­ba­len Über­an­ge­bot von 1,9 Mio. Fass/Tag im zwei­ten Quar­tal 2015.

An den Ge­nuss­mit­tel­märk­ten steht Zu­cker im Fo­kus. Zum Wo­chen­auf­takt er­ziel­ten Zu­ckerFu­tures mit 13.51 Cents/lb. ein neu­es Zwei­mo­nats­hoch. Als Grün­de nann­ten Händ­ler die star­ke Nach­fra­ge nach Schiffs­fracht­raum für den Ex­port und er­war­te­te Re­gen­fäl­le in Bra­si­li­en. Seit En­de März ha­ben Zu­cker­kon­trak­te rund 20% an Wert ge­won­nen. An den Ge­trei­de-und Öl­saa­ten­märk­ten war­ten die Markt­teil­neh­mer ge­spannt auf den Mo­nats­be­richt der US-Land­wirt­schafts­be­hör­de USDA, die erst­mals die An­ge­bots- und Nach­fra­ge­pro­gno­sen für die neue Ern­te 2015/16 ver­öf­fent­li­chen wird.

Per 9. Mai wa­ren 75% der Mais­aus­saat und 31% So­ja­aus­saat an­ge­pflanzt. Die­ser Wert liegt in bei­den Fäl­len 20% oder mehr über dem Mehr­jah­res­durch­schnitt, was heisst, dass die Far­mer in die­sem Jahr frü­her dran sind mit der Aus­saat. Die Aus­brei­tung der Vo­gel­grip­pe in un­ter­des­sen fünf­zehn US-Bun­des­staa­ten wird al­ler­dings zu ei­nem zu­neh­men­den Pro­blem in der In­dus­trie.

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