Eu­ro­sor­gen be­flü­geln

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - STE­PHAN MÜL­LER,

Not­kre­di­te der EZB an Grie­chen­land lo­cken An­le­ger in Me­tal­le.

Die po­li­ti­sche Spreng­kraft der jüngs­ten In­ter­ven­ti­on der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) zu­guns­ten Grie­chen­lands wird von den An­le­gern mit gros­ser Sor­ge be­ob­ach­tet und hat Re­al­wer­te wie Me­tal­le be­flü­gelt. Die EZB hat mit der Be­wil­li­gung der Er­hö­hung von so­ge­nann­ten ELA-Kre­di­ten (Emer­gen­cy Li­qui­di­ty As­sis­tan­ce) fak­tisch in die Ret­tungs­po­li­tik der Ge­ber­län­der ein­ge­grif­fen.

Die ELA-Kre­di­te sind Kre­dit­li­ni­en, wel­che die grie­chi­sche No­ten­bank ih­ren Lo­kal­ban­ken ge­wäh­ren kann, wenn die­se vor­über­ge­hend il­li­qui­de sind und sich nicht am Ka­pi­tal­markt ein­de­cken kön­nen. Die EZB muss die ELA-Kre­di­te be­wil­li­gen und steht da­mit im po­li­ti­schen Kreuz­feu­er, da sie da­mit das Ver­bot der mo­ne­tä­ren Staats­fi­nan­zie­rung tan­giert, wenn nicht so­gar ver­letzt. Ei­ne Ver­let­zung des Ver­bo­tes der mo­ne­tä­ren Staats­fi­nan­zie­rung wä­re dann ge­ge­ben, wenn die grie­chi­schen Lo­kal­ban­ken die Kre­dit­li­ni­en zur Fi­nan­zie­rung der grie­chi­schen Re­gie­rung ein­set­zen wür­den; dies kann zur Zeit nicht aus­ge­schlos­sen wer­den.

Das ju­ris­ti­sche Seil­zie­hen um die Recht­mäs­sig­keit des Ret­tungs­schirms ESM vor dem deut­schen Ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he im Sep­tem­ber 2012 ver­deut­lich­te das Pro­blem. Mit sei­nen mah­nen­den Wor­ten traf Ge­richts­prä­si­dent Andre­as Voss­kuh­le denn auch den Na­gel auf den Kopf. Der EZB-Rat ar­gu­men­tier­te sei­ner­zeit, dass er mit den An­lei­he­käu­fen «strikt im Rah­men sei­nes Man­dats zur Ge­währ­leis­tung von Preis­sta­bi­li­tät» hand­le und Markt­ver­wer­fun­gen ent­ge­gen­wir­ken wol­le. Voss­kuh­le er­läu­ter­te un­miss­ver­ständ­lich, dass der Ver­trag über die Ar­beits­wei­se der Eu­ro­päi­schen Uni­on der EZB kei­nen Spiel­raum ein­räumt, wel­cher ihr die di­rek­te oder in­di­rek­te Fi­nan­zie­rung von Mit­glieds­staa­ten resp. de­ren Haus­hal­ten mit­tels «No­ten­pres­se» er­lau­ben wür­de.

Dass die EZB Geld­markt­po­li­tik mit den jüngst lan­cier­ten An­lei­hen­käu­fen (QE, Quan­ti­ta­ti­ve Ea­sing) längst nicht mehr un­ter der Prä­mis­se «Glät­tung von Markt­ver­wer­fun­gen» resp. «Ge­währ­leis­tung der Preis­sta­bi­li­tät» zu ta­xie­ren ist, son­dern ei­ne neue po­li­ti­sche Di­men­si­on er­reicht hat, ist au­gen­fäl­lig. Es ist aber auch fest­zu­hal­ten, dass oh­ne die­se po­li­ti­sche Grat­wan­de­rung der EZB Grie­chen­land schon längst aus der Eu­ro­zo­ne aus­ge­schie­den wä­re.

Die An­le­ger ha­ben die de­li­ka­te Si­tua­ti­on der EZB mit den ELAKre­dit­li­ni­en er­kannt, wel­che sich auch mit ei­nem Re­fe­ren­dum über den Ver­bleib Gross­bri­tan­ni­ens in der Eu­ro­päi­schen Uni­on nicht ent­span­nen wird.

Vor die­sem Hin­ter­grund er­staunt es we­nig, dass sich An­le­ger auf si­che­re Re­al­wer­te fo­kus­sie­ren und sich die Me­tal­le po­si­tiv in Sze­ne set­zen kön­nen: Gold no­tiert 2,7% hö­her als noch An­fang Jahr, Sil­ber 11,3%.

Nicht nur bei den Edel­me­tal­len ist ei­ne star­ke Per­for­mance zu be­ob­ach­ten. Auch die In­dus­trie­me­tal­le konn­ten seit An­fang Jahr an­zie­hen und da­mit die jüngs­ten Er­war­tun­gen zum Wirt­schafts­wachs­tum ka­pi­ta­li­sie­ren: Alu­mi­ni­um no­tiert 0,8%, Kup­fer 1,6% und Zink 6,1% im Plus.

Me­tal­le sind un­ver­schul­de­te Wäh­run­gen und re­flek­tie­ren ih­re mo­ne­tä­re resp. in­dus­tri­el­le Funk­ti­on. Die mo­ne­tä­re Funk­ti­on ist ins­be­son­de­re bei Gold und Sil­ber im­mer dann im Fo­kus, wenn die po­li­ti­sche oder fi­nan­zi­el­le Sta­bi­li­tät von den An­le­gern kri­tisch be­wer­tet wird. Wäh­rend sol­che Sor­gen kurz­fris­tig sind, bie­ten in­dus­tri­el­le An­wen­dun­gen lang­fris­ti­ges Po­ten­zi­al für die An­le­ger, da der Sub­stanz­wert nicht wie Pa­pier­geld re­pli­ziert und durch die Po­li­tik kom­pro­mit­tiert wer­den kann.

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