Le­clan­ché trotz Er­fol­gen noch nicht über den Berg

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - MG

2015 ist ein ent­schei­den­des Jahr für Le­clan­ché. Nach Jah­ren von Ver­lus­ten will der seit Ju­ni 2014 am­tie­ren­de CEO Anil Sri­va­s­ta­va den Tur­naround auf Stu­fe des be­rei­nig­ten Ebit­da er­rei­chen. Wich­ti­ge Vor­aus­set­zung da­für ist, dass das im Mai zu­ge­spro­che­ne Gross­pro­jekt Gra­cio­sa auf den Azo­ren er­folg­reich ent­wi­ckelt, ge­lie­fert und ab­ge­rech­net wer­den kann (vgl. Interview oben). Der Bau ei­nes Bat­te­rie­parks und die Lie­fe­rung ei­nes Bat­te­rie­ma­nage­ment­sys­tems brin­gen im lau­fen­den Jahr bei po­si­ti­ver Mar­ge al­lein ei­nen Um­satz von 4 Mio. € – im Ver­gleich zu 11 Mio. Fr. Ge­samt­um­satz in 2014.

Gra­cio­sa ist zwei­fel­los ei­ne grosse Chan­ce, aber auch ein gros­ses Ri­si­ko für Le­clan­ché. Denn der Bat­te­rie­her­stel­ler aus Yver­don-les-Bains hat noch nie ein Pro­jekt die­ser Grös­sen­ord­nung ab­ge­wi­ckelt. Dem Er­folg wird jetzt al­les un­ter­ge­ord­net: Im Werk im deut­schen Will­stätt wur­den den Mit­ar­bei- tern die Fe­ri­en ge­stri­chen, da­mit die Bat­te­rie­zel­len ja auch recht­zei­tig pro­du­ziert sind.

Ge­lingt der Ho­sen­lupf mit Gra­cio­sa, be­sitzt Le­clan­ché ein Vor­zei­ge­pro­jekt, das zu wei­te­ren Auf­trä­gen füh­ren dürf­te. «Wir sind jetzt im Vier­tel­fi­nal», sagt Sri­va­s­ta­va vor­sich­tig. «Ge­won­nen ha­ben wir den Cup erst, wenn das Pro­jekt fer­tig aus­ge­führt und ab­ge­nom­men ist.»

Auch bei der zwei­ten Er­folgs­mel­dung im lau­fen­den Mo­nat, der Al­li­anz mit dem schwe­di­schen An­triebs­her­stel­ler Vi­se­do, ist Vor­sicht an­ge­bracht. Denn auch hier steht die Tro­phäe noch in ei­ni­ger Ent­fer­nung. Es lau­fen erst Tests, der Markt­durch­bruch ist noch nicht er­folgt. Im­mer­hin sind ers­te Re­sul­ta­te viel­ver­spre­chend: Die In­te­gra­ti­on von Vi­se­dos An­trie­ben und Le­clan­chés Bat­te­ri­en soll zu gros­sen Ener­gie­ef­fi­zi­enz­ge­win­nen füh­ren.

Auch wenn Sri­va­s­ta­va in Form ei­ner Wan­del­an­lei­he über 21 Mio. Fr. des dä­ni­schen Fi­nanz­ve­hi­kels Rechar­ge er­folg­reich fri­sches Geld auf­ge­trie­ben hat, ist Le­clan­ché ih­re fi­nan­zi­el­len Sor­gen noch nicht los. Denn ein Gross­teil des Gel­des – 13 Mio. Fr. – wird für die Ver­lust­fi­nan­zie­rung im lau­fen­den Jahr ge­braucht. Nur 8 Mio. Fr. sol­len für Sri­va­s­ta­vas Wachs­tums­plan ein­ge­setzt wer­den. Will er mehr Pro­jek­te vom Typ Gra­cio­sa an Land zie­hen, braucht er zu­sätz­li­ches Geld, denn sol­che Vor­ha­ben be­nö­ti­gen viel Ar­beits­ka­pi­tal. Sri­va­s­ta­va spricht von ei­nem Be­trag von «idea­ler­wei­se 25 Mio. Fr.»

Wer jetzt Le­clan­ché Geld gibt, macht im­mer noch ei­ne Ri­si­ko­an­la­ge, die auch mit dem To­tal­ver­lust en­den kann. Denn trotz den ak­tu­el­len Er­fol­gen vom Mai ist der Bat­te­rie­her­stel­ler noch nicht über den Berg. Al­le Fi­nanz­da­ten zu Le­clan­ché im Online-Ak­ti­en­füh­rer: fuw.ch/LECN

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