EZB-Po­li­tik er­reicht KMU

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PR

Es hat lan­ge ge­dau­ert, bis die Kri­sen­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) auch für klei­ne­re und mitt­le­re Un­ter­neh­men (KMU) im Sü­den der Wäh­rungs­uni­on Lin­de­rung ge­bracht hat. Erst in den ver­gan­ge­nen ein­ein­halb Jah­ren sind die Kre­dit­zin­sen für spa­ni­sche und ita­lie­ni­sche KMU deut­lich ge­sun­ken (vgl. Grafik).

Zu­vor funk­tio­nier­te der Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus lan­ge nicht rich­tig, wäh­rend die lo­cke­re Geld­po­li­tik in Frank­reich und Deutsch­land schon 2012 zu ei­ner deut­li­chen Ver­bes­se­rung der Fi­nan­zie­rungs­be­din­gun­gen für die KMU ge­führt hat­te. Statt zur Ver­ga­be von Kre­di­ten nutz­ten die Fi­nanz­in­sti­tu­te der Kri­sen­län­der das bil­li­ge Geld der Zen­tral­bank, um die klam­me Fi­nan­zie­rungs­la­ge am Ka­pi­tal­markt zu über­brü­cken und An­lei­hen ih­rer Do­mi­zil­staa­ten zu er­wer­ben.

Rück­gang der Bond­ren­di­ten

Heu­te be­zah­len ita­lie­ni­sche Be­trie­be im Durch­schnitt für ei­nen Kre­dit un­ter 1 Mio. mit fünf Jah­ren Lauf­zeit noch 3%, kaum mehr als der deut­sche Mit­tel­stand. Am An­fang der fal­len­den KMUZin­sen in der Pe­ri­phe­rie stan­den das Ver­spre­chen des EZB-Chefs Ma­rio Draghi vom Som­mer 2012, al­les Nö­ti­ge zur Ret­tung des Eu­ros zu tun, und der da­mit ein­ge­läu­te­te Rück­gang der Ren­di­ten der Staats­an­lei­hen. Denn sie bil­den die Ba­sis bei der Be­stim­mung des Zin­ses, den Un­ter­neh­men für Kre­di­te be­zah­len müs­sen. Ge­hol­fen hat laut So­cié­té Gé­né­ra­le auch die Tat­sa­che, dass der Schul­den­ab­bau bei den eu­ro­päi­schen Ban­ken zu En­de ge­gan­gen ist.

Um die Fi­nan­zie­rungs­kos­ten im Pri­vat­sek­tor zu sen­ken, hat die EZB letz­tes Jahr spe­zi­fi­sche Mass­nah­men er­grif­fen. Da­zu ge­hör­ten die ge­ziel­ten lang­fris­ti­gen Re­fi­nan­zie­rungs­ope­ra­tio­nen ( TLTRO) für Ban­ken, un­ter der Be­din­gung, dass sie die Kre­di­te an Un­ter­neh­men und Haus­hal­te wei­ter­lei­ten. Seit dem vier­ten Quar­tal 2014 kauft die EZB zu­dem pri­va­te Kre­dit­pa­pie­re wie ge­deck­te Schuld­ver­schrei­bun­gen (Co­ve­r­ed Bonds) und for­de­rungs­be­si­cher­te Wert­pa­pie­re (ABS). «Bis­her pro­fi­tie­ren da­von vor al­lem die gros­sen Un­ter­neh­men», sagt Uni­Credit-Chef­öko­nom Erik Niel­sen, «aber das be­ginnt sich zu än­dern.»

Ban­ken sind gross­zü­gi­ger

Das ABS-Pro­gramm liegt zwar hin­ter den Er­war­tun­gen zu­rück – nach fünf Mo­na­ten hat die EZB erst 5,7 Mrd. € ABS er­wor­ben. Wie aus der neus­ten EZBBan­ken­um­fra­ge her­vor­geht, ha­ben die ABS-Käu­fe den­noch da­zu bei­ge­tra­gen, dass sich die Fi­nan­zie­rungs­be­din­gun­gen ver­bes­sert ha­ben und die Ban­ken die Kre­dit­ver­ga­be aus­wei­ten. Vor al­lem die Be­din­gun­gen für KMU-Kre­di­te sei­en ge­lo­ckert wor­den.

Als Grund nann­ten die be­frag­ten Ban­ken den Wett­be­werbs­druck und die bes­se­re Li­qui­di­täts­la­ge. «Die lo­cke­re Geld­po­li­tik der EZB hat sich nun durch das Sys­tem ge­fres­sen und den KMUSek­tor er­reicht», fol­gern die Ana­lys­ten von So­cié­té Gé­né­ra­le. Dank dem ein­fa­che­ren Zu­gang zu ei­nem güns­ti­gen Dar­le­hen in­ter­es­sie­ren sich im­mer mehr Be­trie­be für ei­nen Bank­kre­dit. Ge­mäss der EZB hat die Nach­fra­ge von KMU im ers­ten Quar­tal 2015 zum Vor­quar­tal stär­ker zu­ge­nom­men als die von gros­sen Un­ter­neh­men.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.