Sta­bi­li­sie­rung in Eu­ro­pa

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - GA­B­RI­EL BAR­T­HOL­DI,

Der star­ke Fran­ken drückt die Ge­win­ne we­ni­ger als er­war­tet.

Die Ak­ti­en­märk­te in Eu­ro­pa wie zum Bei­spiel der Deut­sche Ak­ti­en­in­dex (Dax) oder der Swiss Mar­ket In­dex (SMI) schei­nen sich nach den Rück­schlä­gen En­de April und An­fang Mai zu sta­bi­li­sie­ren oder gar wie­der zu er­ho­len. In der Schweiz war die Ve­r­un­si­che­rung in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten gross, wie sich die Fran­ken­stär­ke auf die Wett­be­werbs­fä­hig­keit und in den Er­geb­nis­sen der Schwei­zer Un­ter­neh­men nie­der­schla­gen wird. Da dürf­te vor­erst Ent­war­nung ge­ge­ben wer­den: Nach den jüngs­ten Quar­tals­zah­len lässt sich näm­lich fest­stel­len, dass die Aus­wir­kun­gen auf die Un­ter­neh­mens­ge­win­ne we­ni­ger dra­ma­tisch sind, als noch im Ja­nu­ar be­fürch­tet.

Ent­spre­chend wa­ren Di­vi­den­den­kür­zun­gen kaum ein The­ma und vie­le In­ves­to­ren ha­ben ih­re Ge­winn­erwar­tun­gen wie­der nach oben an­ge­passt. Die Rück­schlä­ge der ver­gan­ge­nen Wo­chen sind viel­mehr auf ei­nen An­stieg der zehn­jäh­ri­gen An­lei­hen­ren­di­ten zu­rück­zu­füh­ren, auf­grund ei­nes stei­gen­den Öl­prei­ses und da­mit hö­he­ren In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen.

Die Zin­sen sind für die Ak­ti­en­märk­te zu be­ach­ten, da sie den Ver­gleich zwi­schen der Ak­ti­en­und An­lei­hen­ren­di­te be­ein­flus­sen. Ei­ner der gros­sen Trei­ber von Schwei­zer Ak­ti­en ist die at­trak­ti­ve Di­vi­den­den­ren­di­te. Im Um­feld tie­fen Wachs­tums und nach wie vor tie­fen Zin­sen ist es für An­le­ger ei­ne grosse Her­aus­for­de­rung, An­la­ge­klas­sen zu fin­den, wel­che hö­he­re kon­stan­te Ein­kom­mens­strö­me ge­ne­rie­ren.

Di­vi­den­den­stär­ke

Auf­grund des­sen sind di­vi­den­den­star­ke Ak­ti­en mit ei­nem sta­bi­len Ge­schäfts­mo­dell at­trak­tiv. Durch die stei­gen­den Zin­sen ver­lie­ren aber ge­nau die qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Di­vi­den­den­ak­ti­en,

Ho­he Eu­ro-Shor­tpo­si­tio­nen wel­che im SMI stark ver­tre­ten sind, an An­zie­hungs­kraft. Ein wei­te­rer star­ker An­stieg der Zin­sen ist in den nächs­ten Mo­na­ten aber we­nig wahr­schein­lich, da die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank ex­pan­siv bleibt. In der ver­gan­ge­nen Wo­che sind die zehn­jäh­ri­gen Zin­sen in der Schweiz denn auch nicht wei­ter ge­stie­gen. In An­be­tracht des­sen und we­gen der nach wie vor ro­bus­ten Ge­winn­si­tua­ti­on und über­durch­schnitt­li­chen Di­vi­den­den­ren­di­ten dürf­ten Schwei­zer Ak­ti­en in der Gunst der An­le­ger blei­ben und sich wei­ter er­ho­len.

Auch die Ak­ti­en in der Eu­ro­zo­ne dürf­ten sich wie­der er­ho­len. Zwar wei­sen sie ei­ne nicht ganz so at­trak­ti­ve Di­vi­den­den­ren­di­te wie Schwei­zer Ak­ti­en aus, je­doch kön­nen sie von ei­nem stär­ke­ren Ge- winn­wachs­tum pro­fi­tie­ren. Es scheint, dass die Li­qui­di­täts­mass­nah­men der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank funk­tio­nie­ren und durch den schwä­che­ren Eu­ro die Ex­port­in­dus­trie an­ge­kur­belt wird. Die ver­gan­ge­nen Quar­tals­zah­len zeig­ten aber nicht nur bes­se­re Re­sul­ta­te bei Ex­port­un­ter­neh­men, son­dern auch bei in­lan­d­ori­en­tier­ten Un­ter­neh­men. In­ter­es­sant ist, dass die auf das In­land fo­kus­sier­ten Un­ter­neh­men bei den Ge­winn­zah­len po­si­ti­ver über­rasch­ten. Dies legt den Schluss na­he, dass die Er­ho­lung der Eu­ro­zo­ne brei­ter ab­ge­stützt und da­durch nach­hal­ti­ger ist.

Vie­le sind im Eu­ro short

Die US-Ak­ti­en im S&P 500 sind in den ver­gan­ge­nen Ta­gen auf neue Hochs ge­stie­gen. Haupt­trei­ber ist der tem­po­rär ab­ge­schwäch­te Dol­lar zum Eu­ro. Aus struk­tu­rel­ler Sicht müss­te der Dol­lar zwar stär­ker wer­den, da die US-No­ten­bank (Fed) im Ver­gleich zu den Zen­tral­ban­ken in Eu­ro­pa, Ja­pan oder den Schwel­len­län­dern re­strik­ti­ver ist. Kurz­fris­tig spielt je­doch die In­ves­to­ren­po­si­tio­nie­rung ei­ne über­ge­ord­ne­te Rol­le.

Die An­zahl an In­ves­to­ren, wel­che auf ei­nen stär­ke­ren Dol­lar und vor al­lem ei­nen schwä­che­ren Eu­ro setz­ten, ist in ei­nem his­to­ri­schen Kon­text nach wie vor hoch. Der kurz­fris­ti­ge Trend, weg vom Dol­lar und wie­der in den Eu­ro, könn­te noch et­was an­dau­ern.

Auf­grund des­sen hat ei­ne Nor­ma­li­sie­rung der In­ves­to­ren­po­si­tio­nie­rung ei­ne auf den Dol­lar ab­schwä­chen­de Wir­kung. Spä­tes­tens im drit­ten Quar­tal aber dürf­te die US-Wäh­rung wie­der an Stär­ke ge­win­nen – dann, wenn die Konjunktur wie­der an­zieht und das Fed wo­mög­lich den ers­ten Zins­schritt vor­nimmt.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.