Mehr heisst nicht un­be­dingt bes­ser

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - CA­THE­RI­NE REICH­LIN,

Das Wort Li­qui­di­tät ist seit ei­ni­gen Jah­ren zu ei­nem Ge­mein­platz ge­wor­den, so­dass ei­ni­ge Ana­lys­ten sei­ne ei­gent­li­che Be­deu­tung fast ver­ges­sen ha­ben. Doch in letz­ter Zeit ha­ben uns die hef­ti­gen Kor­rek­tu­ren am Ren­ten­markt sei­ne Be­deu­tung – im wei­te­ren Sin­ne die im Um­lauf be­find­li­che Geld­men­ge – schmerz­haft ins Ge­dächt­nis ge­ru­fen. Seit ei­ni­gen Jah­ren nimmt die­se Men­ge in­fol­ge der ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik der Zen­tral­ban­ken ein­drucks­voll zu. Doch Li­qui­di­tät be­deu­tet auch Markt­tie­fe, die An­ge­bot und Nach­fra­ge rei­bungs­los aus­gleicht.

Die re­gu­la­to­ri­schen Ve­rän­de­run­gen ha­ben ne­ga­ti­ve Ne­ben­wir­kun­gen: Der Um­fang des An­lei­hen­be­stands, den die Ban­ken be­reit sind auf­recht­zu­er­hal­ten und der ei­nen nor­ma­len Markt­ab­lauf ge­währ­leis­tet, ist ge­sun­ken. Die neu­en Auf­la­gen ha­ben die Ban­ken ver­an­lasst, die­ses Ge­schäft zu re­du­zie­ren, da es Ei­gen­ka­pi­tal ver­schlingt, oh­ne ei­nen zu­frie­den­stel­len­den Er­trag zu er­zie­len. Ge­mäss J. P. Mor­gan war es An­fang 2014 noch mög­lich, US-Staats­an­lei­hen über 280 Mio. $ zu han­deln, oh­ne den Preis di­rekt zu be­ein­flus­sen, An­fang 2015 war das Han­dels­vo­lu­men oh­ne Kurs­aus­wir­kun­gen auf 80 Mio. $ ge­schrumpft. Die No­ten­bank­li­qui­di­tät ist zwei­fel­los noch vor­han­den, doch die zwei­te Form, die Markt­li­qui­di­tät, fehlt. Das er­klärt zum Teil de­ren Aus­mass, Hef­tig­keit und Schnel­lig­keit der Kurs­kor­rek­tu­ren.

Doch es gilt, wei­te­re Ele­men­te be­rück­sich­ti­gen. So ver­bes­sern sich die Wirt­schafts­da­ten in Eu­ro­pa, wäh­rend sich die Erd­öl­prei­se leicht er­ho­len – das Schreck­ge­spenst De­fla­ti­on scheint ge­bannt. Ein wei­te­rer Aspekt sind Aus­mass, Hef­tig­keit und Schnel­lig­keit der Ent­wick­lung am An­lei­hen­markt in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten. Laut Fach­ana­lys­ten gleicht die jüngs­te Kor­rek­tur nur ei­nen Ex­zess aus und ist nicht un­be­dingt schäd­lich.

An­ge­sichts der ne­ga­ti­ven Ren­di­te, die zahl­rei­che Staats­an­lei­hen bo­ten, ha­ben ei­ni­ge Ban­ken ei­nen Teil ih­rer Po­si­tio­nen ver­kauft und hal­ten Cash – nach wie vor das güns­tigs­te In­stru­ment zur Op­ti­mie­rung der Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen nach Ba­sel III. Pa­ra­do­xer­wei­se re­sul­tiert die Vo­la­ti­li­tät ei­nes Mark­tes, der noch nie so li­qui­de war wie heu­te, in ho­hem Mas­se aus Li­qui­di­täts­man­gel.

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