Öl­ral­ly geht die Luft aus

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LA­SAL­LE BROKERAGE AG,

Ein wei­te­rer An­stieg des Wei­zen­prei­ses ist un­wahr­schein­lich.

An den Öl­märk­ten sind die Prei­se seit Mit­te Ja­nu­ar zwi­schen­zeit­lich um 40% ge­stie­gen. Doch der Ral­ly scheint die Luft aus­zu­ge­hen. Die gros­sen spe­ku­la­ti­ven Hedge Funds, die we­sent­lich für den jüngs­ten Preis­an­stieg ver­ant­wort­lich wa­ren, sind zu­letzt ver­mehrt als Ver­käu­fer auf­ge­tre­ten. Der Markt bleibt über­ver­sorgt und we­gen den wach­sen­den La­ger­be­stän­den wür­de selbst ei­ne kurz­fris­ti­ge Ver­schär­fung in ei­ner der geo­po­li­ti­schen Kri­sen­re­gio­nen kei­ne un­mit­tel­ba­re Ver­knap­pung be­wir­ken.

Aus den wich­tigs­ten Kon­sum­län­dern USA und Chi­na ka­men zu­letzt ent­täu­schen­de Kon­junk­tur­da­ten, so­dass auch auf der Nach­fra­ge­sei­te kei­ne po­si­ti­ven Über­ra­schun­gen zu er­war­ten sind. Mit dem kom­men­den Me­mo­ri­al Day be­ginnt in den USA of­fi­zi­ell die Sum­mer Dri­ving Sea­son, wel­che den Ben­zin­kon­sum an­stei­gen lässt. Händ­ler ge­hen da­von aus, dass dies den Ab­schlag der US-Sor­te West Te­xas In­ter­me­dia­te ( WTI) ge­gen­über der eu­ro­päi­schen Sor­te Brent ver­rin­gern wird.

Stan­den in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten vor al­lem die Öl­märk­te im Fo­kus der Roh­stoff­händ­ler, so hat sich das In­ter­es­se zu­letzt in Rich­tung der Edel­me­tall- und Agrar­märk­te ver­scho­ben. Der schwä­che­re Dol­lar und die wach­sen­de Ve­r­un­si­che­rung um die Zu­kunft Grie­chen­lands ha­ben die Edel­me­tall­prei­se kräf­tig stei­gen las­sen. Mit ei­nem Wo­chen­plus von mehr als 8% führt Sil­ber die Ge­win­ner­lis­te an. Ob an­ge­sichts des Hö­hen­flugs der Ak­ti­en­märk­te der Zuf­luss von spe­ku­la­ti­ven Gel­dern in die Edel­me­tal­le an­hal­ten wird, ist al­ler­dings frag­lich.

Rie­si­ge Be­we­gun­gen ver­zeich­ne­ten in den letz­ten Ta­gen auch die Ge­nuss­mit­tel. New Yor­ker Kaf­fee­fu­tures leg­ten im Wo­chen­ver­gleich gut 6% zu. Eben­so no­tiert der Ka­kao­markt deut­lich im Plus. An­ders der Zu­cker­markt. Hier hat Thai­land, welt­weit zweit­gröss­ter Zu­cker­ex­por­teur, ei­ne Re­kord­ern­te 2014/15 von 106 Mio. Ton­nen be­kannt ge­ge­ben und da­mit den jüngs­ten Kurs­an­stieg jäh um­ge­dreht. New Yor­ker Roh­zu­cker­fu­tures wie auch Lon­do­ner Weiss­zu­cker no­tie­ren im Wo­chen­ver­gleich mit Ver­lus­ten von 4 bis 5% deut­lich ne­ga­tiv.

Die Prei­se an den Ge­trei­de­und Öl­saa­ten­märk­ten ver­lie­fen we­nig ein­heit­lich. Wäh­rend So­ja we­gen der Re­kord­ern­ten in Süd­ame­ri­ka un­ter Ver­kaufs­druck bleibt, zeig­te sich Ge­trei­de äus­serst dy­na­misch. Be­son­ders Wei­zen über­rasch­te die Markt­teil­neh­mer mit ei­nem Wo­chen­plus von mehr als 8%. Als Aus­lö­ser der Ral­ly nen­nen Ana­lys­ten kal­te Tem­pe­ra­tu­ren und an­hal­ten­de Nie­der­schlä­ge in den gros­sen Wei­zen­an­bau­ge­bie­ten der USA. Sie könn­ten so­wohl die Er­trä­ge wie auch die Qua­li­tät schmä­lern.

Ei­ne eben­so wich­ti­ge Er­klä­rung sind aber die rie­si­gen Leer­ver­käu­fe durch Hedge Funds über die letz­ten Mo­na­te. Die stei­gen­den Kur­se lös­ten nun Ein­de­ckun­gen aus, wel­che den Preis­an­stieg be­schleu­nig­ten. Aus fun­da­men­ta­ler Sicht sind die Ern­te­aus­sich­ten welt­weit güns­tig. Russ­land hat die im Fe­bru­ar we­gen des Ru­bel­zer­falls ein­ge­führ­ten Aus­fuhr­ab­ga­ben früh­zei­tig auf­ge­ho­ben, was zu­sätz­li­che Kon­kur­renz auf den Ex­port­markt bringt.

In Frank­reich wird nach den letzt­jäh­ri­gen Qua­li­täts­ein­bus­sen wie­der mit ei­ner gu­ten Ern­te ge­rech­net. Trotz­dem sind die in Paris ge­han­del­ten Mahl­wei­zen­fu­tures den Vor­ga­ben aus den USA ge­folgt und ste­hen im Wo­chen­ver­gleich et­wa 4% im Plus. Vie­ler­orts wird aber da­von aus­ge­gan­gen, dass sich im über­ver­kauf­ten Wei­zen­markt mit dem jüngs­ten An­stieg der Preis aus­ge­gli­chen hat. Wei­te­re Avan­cen sind da­her der­zeit we­nig wahr­schein­lich.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.