Zo­cker fin­den in Cy­tos ei­nen Spiel­ball

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In die Ak­ti­en des Bio­tech­no­lo­gieun­ter­neh­mens Cy­tos ist Schwung ge­kom­men. Sie sind in­nert Wo­chen­frist rund 20% auf 0.60 Fr. ge­stie­gen. An­le­ger soll­ten den­noch nicht in über­trie­be­nen Op­ti­mis­mus ver­fal­len. Die Per­for­mance mu­tet nur auf ei­nen kur­zen Zei­t­raum wirk­lich viel­ver­spre­chend an.

Sie wirkt wie ei­ne Ge­gen­re­ak­ti­on auf die Kurs­ver­lus­te der letz­ten Wo­chen. Mit­te März be­trug der Wert der Va­lo­ren noch 1.60 Fr. In­ves­to­ren spe­ku­lier­ten da­mals auf ei­ne Re­struk­tu­rie­rung der Schul­den­si­tua­ti­on. Sie ist mit ei­nem Um­tausch von Wan­del­an­lei­hen in Ak­ti­en ge­lun­gen. Ein Kon­kurs konn­te ab­ge­wen­det wer­den. Dar­auf­hin rea­li­sier­ten kurz­fris­tig ori­en­tier­te Bör­sen­teil­neh­mer Ge­win­ne. Ein Gross­teil des zu­vor ge­mach­ten Wer­t­an­stiegs lös­te sich in Luft auf. Die Re­ak­tio­nen der In­ves­to­ren auf ei­ne an und für sich gu­te Mel­dung zeigt, was die Va­lo­ren von Cy­tos der­zeit sind: ei­ne Zo­cker­ak­tie.

Die Pro­ble­me der Ge­sell­schaft sind längst nicht ge­löst. Sie ist auch oh­ne Schul­den­berg wei­ter­hin nicht viel mehr als ei­ne Hül­le. Zwar konn­te Cy­tos glück­li­cher­wei­se mit dem US-Bio­tech-Un­ter­neh­men Tek­mi­ra Phar­maceu­ti­cals ei­nen Part­ner für ih­re im Port­fo­lio ver­blie­be­ne Tech­no­lo­gie­platt­form zur Ent­wick­lung von He­pa­ti­tis-B-Me­di­ka­men­ten und wei­te­ren Wirk­stof­fen zur Be­hand­lung von vi­ra­len In­fek­tio­nen ge­win­nen. Im bes­ten Fall win­ken Mei­len­stein­zah­lun­gen von 522 Mio. $. Ob das Vor­ha­ben von Er­folg ge­krönt ist, wird sich je­doch erst in ein paar Jah­ren zei­gen. In der Re­gel dau­ern Phar­ma­pro­jek­te ein Jahr­zehnt und 88% al­ler Un­ter­fan­gen schei­tern laut dem Kom­pe­tenz­zen­trum für Phar­ma­pro­jek­te der US-Uni­ver­si­tät Tufts.

Auch ab­ge­se­hen von der Platt­form ist die Zu­kunft von Cy­tos un­klar. Für ei­nen Neu­start fehlt das Geld. Das Un­ter­neh­men spielt des­halb mit dem Ge­dan­ken, sich ei­ner pri­vat ge­hal­te­nen Phar­ma­gesell­schaft als ko­tier­ter Man­tel an­zu­bie­ten.

Wie das geht weiss CFO Har­ry Wel­ten. Er be­fand sich mit dem Schwei­zer Bio­tech-Un­ter­neh­men Ar­pi­da 2009 in ei­ner ähn­li­chen Si­tua­ti­on wie heu­te mit Cy­tos. Wel­ten am­tier­te da­mals auch bei Ar­pi­da als Fi­nanz­chef. Die Ge­sell­schaft be­klag­te wie Cy­tos ei­nen Miss­er­folg bei ei­nem For­schungs­pro­jekt und hat sich schliess­lich dem auf Nah­rungs­mit­te­l­er­gän­zungs­stof­fe spe­zia­li­sier­ten Un­ter­neh­men Evol­va an­ge­bo­ten. Durch die Ko­tie­rung konn­te Evol­va wie­der­um oh­ne grös­se­re Pro­ble­me meh­re­re Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen zur Fi­nan­zie­rung wei­te­rer For­schungs­pro­jek­te durch­füh­ren.

Das Un­ter­neh­men hat heu­te auf Hefe­bak­te­ri­en ba­sier­te markt­rei­fe Pro­duk­te wie Va­nil­lin oder Res­vera­trol, und steht wo­mög­lich kurz vor der Markt­ein­füh­rung ih­res gröss­ten Hoff­nungs­trä­gers Stevia. An Schwei­zer Bio­tech-Ti­teln in­ter­es­sier­te An­le­ger soll­ten des­halb lie­ber auf Evol­va denn auf Cy­tos set­zen.

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