Bio­tech-Per­le

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Von ei­ner Mil­li­on Men­schen lei­den zwan­zig an ei­ner sehr sel­te­nen Krank­heit. Die Dia­gno­se­stel­lung ist in sol­chen Fäl­len nicht ein­fach, ei­ne Be­hand­lungs­mög­lich­keit zu fin­den, noch viel schwe­rer. Das US-Bio­tech-Un­ter­neh­men Ale­xi­on Phar­maceu­ti­cals (Nas­daq: ALXN, Kurs 168.60 $, Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung 33,6 Mrd. $) hat sich zum Ziel ge­setzt, Me­di­ka­men­te auf dem Ge­biet zu ent­wi­ckeln.

Die Ge­sell­schaft, die ihr Ge­schäft aus­ser­halb von Nord- und Süd­ame­ri­ka ab dem zwei­ten Halb­jahr 2015 von Zü­rich aus be­treibt, er­wirt­schaf­te­te 2014 ei­nen Um­satz von 2,2 Mrd. $. So­li­ris heisst das bis­he­ri­ge Er­folgs­pro­dukt. Es wird zur Be­hand­lung von par­o­xys­ma­ler nächt­li­cher Hä­mo­glo­bin­u­rie (PNH) ein­ge­setzt, ei­ner Krank­heit, bei der in­fol­ge ei­ner Gen­mu­ta­ti­on ro­te Blut­kör­per­chen plat­zen. Das führt letzt­lich zu ei­ner Nie­ren­schä­di­gung und oh­ne Be­hand­lung im schlimms­ten Fall zum Tod. Mit So­li­ris ha­ben PNH-Er­krank­te hin­ge­gen ei­ne nor­ma­le Le­bens­er­war­tung.

Na­del im Heu­hau­fen

Sol­che Pa­ti­en­ten gilt es je­doch erst ein­mal zu iden­ti­fi­zie­ren. «Die Krank­heit ist so sel­ten, dass un­se­re Ver­triebs­mit­ar­bei­ter je­den ein­zel­nen Spe­zia­lis­ten be­su­chen müs­sen, um ihn auf PNH und So­li­ris auf­merk­sam zu ma­chen», sagt Cars­ten Thiel, Lei­ter des Eu­ro­paund Asi­en­ge­schäfts von Ale­xi­on, im Ge­spräch. Die Ver­triebs­kos­ten re­la­tiv zum Um­satz sind im Ver­gleich zu de­nen ge­wöhn­li­cher Phar­ma­un­ter­neh­men so­mit deut­lich hö­her.

In fünf­zig Län­dern ist Ale­xi­on mitt­ler­wei­le ak­tiv. Um die Ver­kaufs­in­fra­struk­tur bes­ser zu nut­zen, ver­sucht sie zu di­ver­si­fi­zie­ren. Mit Stren­siq zur Be­hand­lung von Hy­po­phos­pha­ta­sie (HPP), ei­ner sehr sel­te­nen Stö­rung im Kno­chen­stoff­wech­sel, steht ein wei­te­res Me­di­ka­ment kurz vor dem Zu­las­sungs­ent­scheid in den USA wie auch in Eu­ro­pa. Es soll Kin­dern mit ge­ring aus­ge­präg­tem Ske­lett hel­fen, ein nor­ma­les Le­ben zu füh­ren. Da­zu hat Ale­xi­on vor rund zwei Wo­chen für 8,4 Mrd. $ Sy­na­ge­va ak­qui­riert. Mit dem US-Bran­chen­nach­barn holt sie sich ein wei­te­res fast markt­rei­fes Pro­dukt (Ka­nu­ma) auf dem Ge­biet sel­te­ner Lei­den ins Port­fo­lio. «Wir wol­len auf mehr als ei­nem Bein ste­hen», sagt Thiel.

Wachs­tum­s­ti­tel

Der Ak­ti­en­kurs von Ale­xi­on hat in den letz­ten Wo­chen et­was ge­lit­ten. Un­vor­teil­haf­te Wech­sel­kurs­ef­fek­te – das Un­ter­neh­men er­wirt­schaf­tet mehr als die Hälf­te des Um­sat­zes in Eu­ro­pa – ha­ben bei An­le­gern zu Un­si­cher­heit ge­führt. Hin­zu kommt, dass die Über­nah­me von Sy­na­ge­va kurz­fris­tig ei­ne Ge­winn­ver­wäs­se­rung be­wirkt. Das soll­te je­doch nicht über die län­ger­fris­ti­gen Wachs­tums­mög­lich­kei­ten hin­weg­täu­schen.

Ana­lys­ten rech­nen mit ei­nem Um­satz­plus von 19% über die nächs­ten fünf Jah­re. Bis dann soll der Er­lös über 6 Mrd. $ be­tra­gen. Be­reits heu­te zählt Ale­xi­on zu den füh­ren­den Un­ter­neh­men auf dem Ge­biet sehr sel­te­ner Krank­hei­ten. Das ge­gen­wär­ti­ge Kurs­ni­veau bie­tet In­ves­to­ren ei­ne Chan­ce zum Ein­stieg in die Wachs­tum­s­ti­tel.

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