Steu­er­vor­la­gen

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - DO­MI­NIK ZEHN­DER,

Die Erb­schafts­steu­er­initia­ti­ve will das­sel­be Geld ein vier­tes Mal be­steu­ern, auf dem wir be­reits drei­mal be­steu­ert wur­den: beim Ver­die­nen mit der Ein­kom­mens­steu­er, beim Spa­ren mit der Ver­mö­gens­steu­er und beim Aus­ge­ben mit der Mehr­wert­steu­er. Die Steu­er soll auf al­len Nach­läs­sen fäl­lig wer­den, al­so auch bei di­rek­ter Ver­er­bung von El­tern zu Kin­dern. Für Fa­mi­li­en­ge­sell­schaf­ten ist ein Frei­be­trag vor­ge­se­hen, der noch zu de­fi­nie­ren ist. Nicht nur die Steu­er an sich, son­dern auch die­se Rechts­un­si­cher­heit ist Gift für das Ge­wer­be und al­le Fa­mi­li­en­be­trie­be, was mut­wil­lig Ar­beits­plät­ze ge­fähr­det. Rechts­staat­lich nicht nur frag­wür­dig, son­dern ge­ra­de­zu be­denk­lich ist, dass die Vor­la­ge rück­wir­kend auch Schen­kun­gen ab dem 1. Ja­nu­ar 2012 er­fas­sen soll. Wäh­rend vor­ge­ge­ben wird, dass mit der Erb­schafts­steu­er die AHV sa­niert wer­de, greift die Initia­ti­ve das Er­folgs­mo­dell Schweiz grund­sätz­lich an und un­ter­gräbt gleich­zei­tig die kan­to­na­le Steu­er­ho­heit.

Auch die als Bil­lag-Ab­ga­be ver­klei­de­te Ra­dio- und Fern­seh­steu­er at­ta­ckiert un­se­re kan­to­na­le Steu­er­ho­heit. Vor­ge­gau­kelt wird uns ein Preis­nach­lass von et­wa ei­nem «Fünfli­ber» pro Mo­nat. Doch neu soll je­der Haus­halt mit oder oh­ne Fern­seh­an­schluss, je­der Be­trieb mit oder oh­ne Fern­schau­mög­lich­keit, je­de Po­st­adres­se be­zah­len müs­sen. Dar­über hin­aus wird die Steu­er von den Fir­men pro­gres­siv und ge­mäss Um­satz (und nicht ge­winn­ab­hän­gig!) er­ho­ben. Weil Fir­men die­se Steu­er an ih­re Kun­den wei­ter­ge­ben, wer­den wir in­di­rekt mehr als den vor­gän­gig «ge­schenk­ten Fünfli­ber» mehr be­zah­len. Der stets brei­ter in­ter­pre­tier­te Ser­vice Pu­b­lic (mit sei­nen 24 Fern­seh- und Ra­dio­sta­tio­nen) und die nicht markt­üb­li­chen Sa­lär­vor­stel­lun­gen des Mo­no­po­lis­ten aus Zü­rich trei­ben die Fi­nanz­be­dürf­nis­se kon­ti­nu­ier­lich nach oben. Die Macht­fül­le der staat­li­chen SRG al­lein ge­nügt aus li­be­ra­ler Sicht für ei­ne kla­re Ab­leh­nung der Vor­la­ge. Doch dass auf die­sem Weg ein­mal mehr in die kan­to­na­le Steu­er­sou­ve­rä­ni­tät ein­ge­grif­fen wird, ist ein nicht to­le­rier­ba­rer Sys­tem­bruch.

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