Ge­fahr für Di­vi­den­den­ak­ti­en

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - GM

Die Zins­wen­de wur­de zwar schon oft aus­ge­ru­fen, lässt aber wei­ter auf sich war­ten. Das gilt auch nach den jüngs­ten Tur­bu­len­zen an den An­lei­hen­märk­ten, die von vie­len Ex­per­ten zwar als En­de der dreis­sig­jäh­ri­gen Hausse, nicht aber als Zins­wen­de ein­ge­stuft wird (vgl. Haupt­text).

Die Ak­teu­re an den Ak­ti­en­märk­ten schei­nen für An­lei­hen we­ni­ger op­ti­mis­tisch zu sein. Ei­ne gu­te In­di­ka­ti­on für die Ein­schät­zung der Markt­teil­neh­mer bie­tet das Ab­schnei­den je­ner Sek­to­ren, die von vie­len An­le­gern als An­lei­hen­er­satz ge­sucht wer­den. Da­zu zäh­len vor al­lem de­fen­si­ve Qua­li­täts­wer­te mit an­spre­chen­den Di­vi­den­den­ren­di­ten aus dem Nah­rungs­mit­tel-, Ge­trän­ke- oder Ge­sund­heits­be­reich, aber auch Im­mo­bi­li­en­ti­tel.

Die­se Seg­men­te schnei­den in der Re­gel dann am bes­ten ab, wenn die Zin­sen sin­ken. Um­ge­kehrt hin­ken sie dem Markt bei ei­nem Ren­di­te­an­stieg hin­ter­her.

Wer nun die Ent­wick­lung die­ser Sek­to­ren an den eu­ro­päi­schen Bör­sen be­trach­tet, re­gis­triert: Die Ak­ti­en­märk­te stell­ten sich schon vor den Tur­bu­len­zen auf stei­gen­de Zin­sen ein (vgl. Grafik). So be­wegt sich die re­la­ti­ve Stär­ke des Ge­sund­heits­sek­tors seit Herbst seit­wärts. Auch Im­mo­bi­li­en­ak­ti­en hin­ken dem Markt seit An­kün­di­gung des An­lei­hen­kauf­pro­gramms durch die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank hin­ter­her. Das­sel­be gilt für Nah­rungs­mit­tel­pro­du­zen­ten.

Mit an­de­ren Wor­ten: Die eu­ro­päi­schen Bör­sen ha­ben die in den auf Re­kord­tiefs ge­sun­ke­nen Zin­sen re­flek­tier­te De­fla­ti­ons­pa­nik nicht ge­teilt, son­dern sich auf Wachs­tum ein­ge­stellt. Der ab­rup­te Zins­an­stieg der letz­ten Wo­chen scheint ih­nen Recht zu ge­ben.

Die jüngs­ten Ent­wick­lun­gen ge­ben auch ei­nen Vor­ge­schmack auf das, was pas­sie­ren wür­de, falls die über dreis­sig­jäh­ri­ge Bond­hausse vor­bei sein und die Zins­wen­de tat­säch­lich ein­tre­ten soll­te. Die bei In­ves­to­ren so be­lieb­ten Qua­li­täts­wer­te kä­men un­ter Druck. Für die Ak­ti­en­märk­te ins­ge­samt droh­te in ei­ner ers­ten Pha­se des Zins­an­stiegs in­des noch kei­ne Ge­fahr – im Ge­gen­teil: «Falls Bond­an­le­ger be­gin­nen, Geld zu ver­lie­ren, könn­te das zu Um­schich­tun­gen in Ak­ti­en füh­ren», gibt Gra­ham Se­cker, Ak­ti­en­stra­te­ge bei Mor­gan St­an­ley, zu be­den­ken.

Das heisst, dass an­de­re Sek­to­ren die Füh­rer­schaft über­neh­men. Die Stra­te­gen von Mor­gan St­an­ley ha­ben ana­ly­siert, wie sich die eu­ro­päi­schen Sek­to­ren ent­wi­ckeln, wenn die In­fla­ti­on von fal­lend auf stei­gend dreht. Den gröss­ten Per­for­man­ce­sprung ma­chen Halb­lei­ter­ak­ti­en. Auf­ho­len kön­nen aber auch Tele­com-, Ener­gie-, Fi­nanz- und In­dus­trie­ti­tel. Das sind al­les Sek­to­ren, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht rich­tig vom Fleck ka­men.

An­ders sieht es aus, falls die Zins­wen­de doch noch nicht ein­ge­tre­ten ist. In die­sem Fall könn­te sich in den als An­lei­hen­er­satz ge­prie­se­nen Seg­men­ten ei­ne spe­ku­la­ti­ve Bla­se bil­den, was das En­de der Ak­ti­en­hausse ein­läu­ten wür­de. Ei­ne Sek­tor­ro­ta­ti­on wä­re der Ge­sund­heit der Hausse zu­träg­li­cher.

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