Glos­sar: Schwar­ze Schwä­ne und kon­ve­xe Wet­ten

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PR

«Der Schwar­ze Schwan»: So lau­tet der Ti­tel des 2007 er­schie­ne­nen Bu­ches von Nas­sim Ni­cho­las Tal­eb – im eng­li­schen Ori­gi­nal «Black Swan». Der Be­griff ist ei­ne Me­ta­pher für ein Er­eig­nis, das höchst un­wahr­schein­lich ist, völ­lig über­ra­schend ein­tritt und sich im Nach­hin­ein ein­fach er­klä­ren lässt. Die Re­dens­art geht auf die Ent­de­ckung schwar­zer Schwä­ne in Aus­tra­li­en im 17. Jahr­hun­dert zu­rück, als in Eu­ro­pa nur weis­se Schwä­ne be­kannt wa­ren. Die Fi­nanz­kri­se 2008 war ein ty­pi­sches Black-Swan-Er­eig­nis. Tal­eb hat­te im Buch «Black Swan» vor der In­sta­bi­li­tät des Fi­nanz­sys­tems ge­warnt. Va­lue at Risk (VaR): Die­ses Stan­dar­dri­si­ko­mass gibt an, wel­che Ver­lust­hö­he mit ei­ner ge­wis­sen Wahr­schein­lich­keit nicht über­schrit­ten wird. Das Va­lue-at-Risk-Kon­zept ba­siert auf der An­nah­me, dass sich Er­eig­nis­se in der Zu­kunft ver­hal­ten wer­den wie in der Ver­gan­gen­heit. Die­ser Man­gel lässt sich mit er­gän­zen­den Stress­tests ent­schär­fen. Tal­eb plä­diert für ei­ne mehr­fa­che Wie­der­ho­lung von Stress­tests. Kon­ve­xe Stra­te­gi­en: Das Aus­zah­lungs­dia­gramm ei­ner sol­chen Stra­te­gie hat die Form ei­ner kon­ve­xen Funk­ti­on (vom la­tei­ni­schen con­ve­xus = ge­wölbt, vgl. Grafik). Ver­ein­facht gesagt ris­kiert man ei­nen Fran­ken, um ei­ne Mil­lio­nen zu ge­win­nen. Das Ver­lust­po­ten­zi­al ist be­grenzt und von An­fang an be­kannt, wäh­rend der mög­li­che Ge­winn un­be­grenzt und un­be­kannt ist. Der Kauf ei­ner Op­ti­on ist ei­ne ty­pi­sche kon­ve­xe Wet­te. Man ge­winnt über­pro­por­tio­nal bei Tur­bu­len­zen, hat al­so ei­ne Kauf­po­si­ti­on (Long) in Vo­la­ti­li­tät. Kon­vex ist auch der Kauf ei­ner Ver­si­che­rung – oder ei­ner Kre­dit­ver­si­che­rung (CDS, Cre­dit De­fault Swap). Das Ge­gen­stück sind kon­ka­ve Stra­te­gi­en: Op­ti­ons­ver­käu­fer und Ver­si­che­rer kas­sie­ren Prä­mi­en, be­zah­len aber bei Schocks – wie einst der US-Ver­si­che­rungs­kon­zern AIG.

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