Ein mul­mi­ges Ge­fühl

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - HEINZ RÜT­TI­MANN,

Ak­ti­en sind zwar teu­er, aber im­mer noch die rich­ti­ge Wahl.

Der US-In­ves­tor und Au­tor, Ro­bert Ar­nott, trifft mit sei­nem Zitat das ak­tu­el­le Bör­sen­um­feld sehr ge­nau: «What is com­for­ta­ble is ra­re­ly pro­fi­ta­ble in in­ves­ting.» Der ri­si­ko­aver­se An­le­ger fühlt sich bei den der­zei­ti­gen In­dex­stän­den und Be­wer­tun­gen zwar nicht kom­for­ta­bel, da­für sind sei­ne In­ves­ti­tio­nen pro­fi­ta­bel.

Der ri­si­ko­aver­se In­ves­tor bleibt, trotz mul­mi­gem Ge­fühl, in­ves­tiert und ist da­bei in bes­ter und im­mer grös­ser wer­den­der Ge­sell­schaft. Sei­ne Al­ter­na­ti­ve ist, in ein kon­ser­va­ti­ves Port­fo­lio zu in­ves­tie­ren und ei­ne ne­ga­ti­ve Ren­di­te auf Bar­geld und Staats­ob­li­ga­tio­nen zu ak­zep­tie­ren. In Ak­ti­en in­ves­tiert zu sein, ist und bleibt die rich­ti­ge Wahl. Zwar sind Ak­ti­en ver­gleichs­wei­se teu­er ge­wor­den, da­für sind sie nach wie vor un­schlag­bar bil­lig im Ver­gleich zu Ob­li­ga­tio­nen­ren­di­ten über zehn und mehr Jah­re. Sprich, In­ves­to­ren kön­nen im der­zei­ti­gen Markt­um­feld die Fun­da­men­tal­ana­ly­se ge­trost ver­nach­läs­si­gen und ih­re vol­le Kon­zen­tra­ti­on der Zins­land­schaft und den Zen­tral­ban­ken wid­men.

Die Geld­po­li­tik der Zen­tral­ban­ken wird sich so schnell nicht än­dern und da­mit die Ak­ti­en­kur­se und -be­wer­tun­gen wei­ter nach oben schrau­ben. Die USA sind ge­gen­über Eu­ro­pa in vie­len Be­rei­chen un­ab­hän­gig aber nicht bei den Zin­sen. Meh­re­re Zins­schrit­te in den USA sind nicht mög­lich, so­lan­ge die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) ihr quan­ti­ta­ti­ves Lo­cke­rungs­pro­gramm (QE) nicht ab­ge­schlos­sen hat.

Der Dol­lar wür­de un­wei­ger­lich an­zie­hen und das Wachs­tum ab­wür­gen. Da­mit ist die US-No­ten­bank (Fed) ge­zwun­gen, ei­ne mi­ni­ma­le Syn­chro­ni­sie­rung der zwei Wirt­schafts­blö­cke ab­zu­war­ten. Der ers­te Zins­schritt wur­de die­se Wo­che von of­fi­zi­el­ler Sei­te wie­der­um nach hin­ten ver­scho­ben. In die­sem Sin­ne darf man mit ei­nem mul­mi­gen Ge­fühl wei­ter in­ves­tiert blei­ben.

Zwei im Schluss­gang

Sport­kom­men­ta­to­ren an ei­nem Schwing­fest pfle­gen zu sa­gen: Die Ent­schei­dung fällt im Schluss­gang. Die Kon­tra­hen­ten At­hen und Brüs­sel wer­den sich in vier bis sechs Wo­chen ent­schei­den müs­sen zwi­schen ei­nem En­de mit Schre­cken für At­hen oder ei­nem Schre­cken oh­ne En­de für Brüs­sel.

Bis En­de Ju­ni ste­hen ku­mu­liert rund 4 Mrd. € zur Rück­zah­lung an. Um in der Schwin­ger­spra­che zu blei­ben – At­hen wird die­se Last oh­ne Kre­di­te nicht schul­tern kön­nen. Be­trach­tet man die Ren­di­ten zehn­jäh­ri­ger Staats­an­lei­hen Grie- chen­lands, Por­tu­gals, Ita­li­ens und Spa­ni­ens, so ist sich die Fi­nanz­ge­mein­de vor­erst si­cher, dass kein An­ste­ckungs­ri­si­ko be­steht. Im Ver­gleich zur ers­ten Eu­ro­kri­se im Jahr 2011 ist der al­te Kon­ti­nent jetzt tat­säch­lich bes­ser ge­rüs­tet. Dies er­kennt man auch dar­an, wie selbst­be­wusst Brüs­sel auf­tritt.

Wer bremst, ver­liert

Die Zu­schau­er oder in die­sem Fall In­ves­to­ren müs­sen sich auf ei­nen Schluss­gang bis zur letz­ten Se­kun­de vor­be­rei­ten. Die Re­gie­rung in At­hen löst un­ter Um­stän­den be­wusst ei­nen Zah­lungs­aus­fall aus. Für ein neu­es Ret­tungs­pa­ket mit Spar­mass­nah­men braucht es ei­ne po­li­ti­sche Mehr­heit. Die­se ist aber nur mög­lich, wenn al­le Par­tei­en un­ter höchs­tem Druck zu­stim­men müs­sen. Fin­det sich kei­ne Mehr­heit, so hät­ten wir wohl ef­fek­tiv den ers­ten Aus­tritt aus der Eu­ro­zo­ne mit al­len Kon­se­quen­zen. Ein mul­mi­ges Ge­fühl.

Gar ein sehr mul­mi­ges Ge­fühl be­kom­men west­li­che In­ves­to­ren, wenn sie die Ent­wick­lung der chi­ne­si­schen Aktienbörsen ver­fol­gen. Die­se ver­hal­ten sich teil­wei­se wie Row­dies auf ei­ner Au­to­bahn. Wer bremst ver­liert. Vor al­lem der lo­ka­le Ak­ti­en­in­dex CSI 300 ist nicht zu brem­sen, und ein­zel­ne Seg­men­te sind in­zwi­schen klar über­teu­ert. Ei­ne Umfrage bei chi­ne­si­schen In­ves­to­ren wür­de wohl zei­gen, dass sich die­se pu­del­wohl füh­len, sich si­cher in ih­ren Ent­schei­dun­gen sind und ganz und gar kein mul­mi­ges Ge­fühl ha­ben. In ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on ist der Zeit­punkt ge­kom­men Ri­si­ken im CSI 300 zu über­den­ken und mit Kurs­li­mi­ten zu ar­bei­ten. Der MSCI Chi­na und der Chi­na En­ter­pri­se hal­ten sich hin­ge­gen an die Ge­schwin­dig­keits­be­gren­zung. Hier gibt es noch Auf­hol­po­ten­zi­al. Die Ral­ly ist noch nicht vor­bei.

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