Gold fliesst nach Os­ten

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LOM­BARD ODIER IN­VEST­MENT MA­NA­GERS

Aus­sicht auf Auf­bau chi­ne­si­scher Gold­re­ser­ven weckt Preis­fan­ta­si­en.

Der Gold­preis schloss den April im Gros­sen und Gan­zen un­ver­än­dert auf 1184.37 $/Un­ze – der schein­bar un­auf­halt­sa­me An­stieg des Dol­lars fand ein En­de, und die USWirt­schafts­da­ten fie­len schwach aus. Im Mai klet­ter­te der Gold­preis zwi­schen­zeit­lich über 1220 $ pro Un­ze. Es scheint sich die An­sicht durch­zu­set­zen, dass das Sti­mu­lus­pro­gramm der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank zu grei­fen be­ginnt und die De­fla­ti­ons­ge­fahr bannt. Das hat an den An­lei­hen­märk­ten ein klei­nes Be­ben aus­ge­löst. Der Dol­lar wer­te­te sich zum Eu­ro ab, was den Gold­preis wie­der­um stütz­te. In den ver­gan­ge­nen Ta­gen hat sich der Gold­preis um 1210 $ pro Un­ze ein­ge­pen­delt.

Ge­mäss Reu­ters ha­ben sich In­di­ens Gold­im­por­te im März im Ver­gleich zum Vor­jahr ver­dop­pelt, und wie ers­ten An­ga­ben der All In­dia Gems and Je­wel­le­ry Tra­de Fe­de­ra­ti­on zu ent­neh­men ist, dürf­te das auch im April der Fall sein. In­di­en scheint so­mit nach dem schwa­chen Jahr 2014, in dem Ein­fuhr­be­schrän­kun­gen und neue Steu­ern be­las­te­ten, zur Nor­ma­li­tät zu­rück­zu­fin­den.

Die Chi­na Gold As­so­cia­ti­on mel­det für das ers­te Quar­tal ei­ne 1,1% hö­he­re Nach­fra­ge als im Vor­jahr so­wie ho­he Vo­lu­men bei Schwei­zer Gold­raf­fi­ne­ri­en im März. Ge­mäss Bloom­berg wur­de aus dem Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich so viel Gold in die Schweiz im­por­tiert wie seit No­vem­ber nicht mehr, wäh­rend die Ex­por­te nach In­di­en und Chi­na mehr­mo­na­ti­ge Höchst er­reich­ten. Der Trend von Gold­flüs­sen vom Wes­ten in den Os­ten scheint al­so un­ver­min­dert wei­ter­zu­ge­hen.

Gold­ak­ti­en be­fin­den sich im zwei­ten Quar­tal im Auf­wind: Seit An­fang April hat der NY­SE Ar­ca Gold Bugs In­dex rund 9% ge­won­nen, der Mar­ket Vec­tors Ju­ni­or Gold Mi­ners In­dex so­gar 14%.

Die Gold­för­de­rer be­gin­nen ih­re Zah­len zum ers­ten Quar­tal zu ver­öf­fent­li­chen. Wer schwa­che Re­sul­ta­te ge­mel­det hat, dürf­te vor­ha­ben, dies im wei­te­ren Jah­res­ver­lauf durch ei­ne Aus­wei­tung der Pro­duk­ti­on wett­zu­ma­chen. Ins­ge­samt er­gibt sich das Bild ei­nes durch­schnitt­li­chen Quar­tals.

In Chi­na wer­den die Käu­fe und Ver­käu­fe von Gold durch die No­ten­bank we­der be­kannt­ge­ge­ben noch in den Sta­tis­ti­ken zu An­ge­bot und Nach­fra­ge be­rück­sich­tigt. Im Jahr 2009 hat­te Chi­na No­ten­ban­kGold­re­ser­ven von 1054 Ton­nen ge­mel­det – ei­ne Zu­nah­me um 454 Ton­nen seit der letz­ten Ver­laut­ba­rung im Jahr 2002. Neue­re Zah­len sind nicht be­kannt.

Hö­he­re Re­ser­ven als Chi­na hal­ten nur fünf Staa­ten so­wie der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF). An der Spit­ze ste­hen die USA mit 8133,5 Ton­nen. Jüngst wur­de spe­ku­liert, Chi­na wer­de dem­nächst wie­der über sei­ne Be­stän­de in­for­mie­ren. Zeit­lich wür­de sich das gut ins Bild ein­fü­gen: Die Ent­schei­dung des IWF über die Auf­nah­me des Yu­ans in sei­nen Re­ser­ve­wäh­rungs­korb wird für Mai oder Ok­to­ber er­war­tet. Ein bal­di­ges Up­date von­sei­ten der Peop­le’s Bank of Chi­na (PBoC) er­gä­be des­halb Sinn; die Mel­dung dürf­te für den Gold­markt von ei­ni­ger Be­deu­tung sein.

Weit­her­um herrscht die Mei­nung vor, dass Chi­na sei­ne Gold­be­stän­de auf­stockt, um den Auf­stieg des Yu­ans zu ei­ner Welt­re­ser­ve­wäh­rung zu un­ter­stüt­zen. Sie ma­chen 1,1% der chi­ne­si­schen Fremd­wäh­rungs­re­ser­ven aus, was 0,5% des BIP ent­spricht. Die USGold­re­ser­ven be­lau­fen sich auf 2% des BIP, für die Eu­ro­zo­ne wer­den 3,5% ge­schätzt. Soll­ten Chi­nas Gold­re­ser­ven noch nicht über die Mar­ke von 4000 Ton­nen ge­stie­gen sein, dürf­te der Markt, be­flü­gelt von der Aus­sicht auf fort­ge­setz­te Käu­fe, zu ei­ner Ral­ly an­set­zen.

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