Gr­ex­it rückt nä­her

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Grie­chen­lands Gläu­bi­ger und die Re­gie­rung Tsi­pras ver­han­deln seit Di­ens­tag wie­der. Die Zeit drängt: Am 5. Ju­ni ist die ers­te ei­ner Rei­he von Rück­zah­lun­gen an den In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds fäl­lig, die sich über den ge­sam­ten Ju­ni hin­zie­hen wer­den – und für die in der Staats­kas­se das Geld fehlt. An­le­ger sor­gen sich, dass es zum Prä­ze­denz­fall kommt: ein Eu­ro­staat, der sei­ne Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen nicht ein­hält. Hel­las’ In­nen­mi­nis­ter ver­heisst ge­nau das, um die Gläu­bi­ger un­ter Druck zu set­zen, da­mit sie im Schul­den­po­ker ein­len­ken.

In der all­ge­mei­nen Hek­tik wird der we­sent­li­che Punkt je­doch über­se­hen. Es geht nur vor­der­grün­dig um die Mil­li­ar­den­zah­lun­gen. Schei­tern die Ver­hand­lun­gen, dann bleibt Grie­chen­land kei­ne an­de­re Wahl, als die Eu­rowäh­rungs­uni­on zu ver­las­sen. Der Gr­ex­it wä­re die lo­gi­sche po­li­ti­sche Kon­se­quenz aus den bis­he­ri­gen Er­fah­run­gen. Seit ver­gan­ge­nem Som­mer strei­ten die Gläu­bi­ger nun schon mit At­hen über die Um­set­zung der Re­form­auf­la­gen des Hilfs­kre­dits. Die­ser lief im De­zem­ber aus, wur­de aber um sechs Mo­na­te ver­län­gert (al­so bis En­de Ju­ni) un­ter der Be­din­gung, dass man sich doch noch auf an­ge­mes­se­ne Mass­nah­men ei­ni­gen wür­de. Läuft die Frist al­so nächs­ten Mo­nat ab, oh­ne dass ei­ne Ei­ni­gung er­zielt wur­de, dann fehlt da­mit auch die Ba­sis für ei­ne wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit.

Zu­ge­ge­ben, kei­ne der bei­den Sei­ten will den Gr­ex­it, mit gu­tem Grund. Er wä­re das sprich­wört­li­che En­de mit Schre­cken, ein Prä­ze­denz­fall, des­sen Fol­gen nicht klar sind. Aber was wä­re die Al­ter­na­ti­ve? Wei­te­re Mil­li­ar­den­hil­fen, die an Kon­di­tio­nen ge­bun­den sind, von de­nen al­le wis­sen, dass sie po­li­tisch nicht um­ge­setzt wer­den? Das dür­fen sich die Eu­ro­zo­ne-Staa­ten nicht bie­ten las­sen. Die Glaub­wür­dig­keit der Ge­mein­schafts­wäh­rung wür­de noch mehr Scha­den neh­men – ein Schre­cken oh­ne En­de.

Re­dak­tor zum The­ma Grie­chen­land

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