Der Hei­li­ge Gral in der On­ko­lo­gie

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Vor fast zwan­zig Jah­ren ge­lang Ja­mes P. All­ison der Be­weis, dass ein Pro­te­in mit dem Na­men CTLA4 ver­ant­wort­lich ist, war­um das Im­mun­sys­tem ge­wis­se Krebs­zel­len fälsch­li­cher­wei­se als ge­sund ta­xiert. CTLA4 wirkt wie ein Brems­me­cha­nis­mus, den es aus­zu­he­beln gilt. Ba­sie­rend auf die­sen Er­kennt­nis­sen ent­stand das ers­te Krebs­im­mun­the­ra­peu­ti­kum. Yer­voy von Bris­tol-My­ers Squibb wur­de 2011 in den USA wie auch in der EU zur Be­hand­lung der Haut­krebs­art fort­ge­schrit­te­nes Me­la­nom zu­ge­las­sen. 2014 er­ziel­te der Phar­ma­kon­zern da­mit ei­nen Um­satz von 1,3 Mrd. $.

All­isons An­satz hat in der Wis­sen­schaft zu ei­nem Um­den­ken ge­führt. Da Yer­voy nur bei 10% al­ler Pa­ti­en­ten mit fort­ge­schrit­te­nem Me­la­nom hilft, wur­de nach wei­te­ren Brems­me­cha­nis­men ge­sucht. Pro­te­ine wie PDL-1 wur­den ent­deckt. Phar­ma- kon­zer­ne wie Bris­tol-My­ers Squibb, oder auch Ro­che set­zen al­le bei ih­ren am wei­tes­ten fort­ge­schrit­te­nen Me­di­ka­ment-Ent­wick­lungs­pro­jek­ten auf die­se Ver­bin­dung.

Ge­lingt es, das Im­mun­sys­tem ge­gen Krebs mo­bil zu ma­chen, sind die Ne­ben­wir­kun­gen bei Krebs­im­mun­the­ra­pi­en deut­lich ge­rin­ger als bei bis­he­ri­gen Prä­pa­ra­ten, so wird ver­mu­tet. Be­reits ab­ge­schlos­se­ne Wirk­sam­keits­tests be­stä­ti­gen dies. Die Hoff­nung ist gross, dass bei Krebs so­mit der «hei­li­ge Gral» ge­fun­den ist. Bran­chen­ex­per­ten wie Thilo Schro­eder, vom On­ko­lo­gie­fonds Nex­tech war­nen je­doch vor zu gros­sem Op­ti­mis­mus. «Es wird wahr­schein­lich noch vie­le Jah­re brau­chen, bis die Wis­sen­schaft so weit ist, dass man bei der Mehr­zahl der 200 ver­schie­de­nen Krebs­ar­ten von ei­ner chro­ni­schen Krank­heit spre­chen könn­te», sagt er.

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