Herz der Fins­ter­nis

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT -

Hic sunt leo­nes, schrie­ben die Kar­to­gra­phen einst in die ver­blie­be­nen weis­sen Flä­chen in Afri­kas Mit­te: Hier sind Lö­wen. Der por­tu­gie­si­sche See­fah­rer Die­go Cao hat­te zwar schon 1482 die Mün­dung des Kon­go-Flus­ses ent­deckt, doch das uner­mess­li­che tro­pi­sche Wald­land blieb da­nach lan­ge un­be­rührt. Eu­ro­pas In­ter­es­se an die­ser Ge­gend er­wach­te, als der bri­tisch-ame­ri­ka­ni­sche Jour­na­list Hen­ry Mor­ton St­an­ley 1871 den ver­schol­len ge­glaub­ten schot­ti­schen Mis­sio­nar Da­vid Li­vings­to­ne fand, am Tan­gan­ji­ka­see.

Im End­spiel um die Ver­tei­lung Afri­kas woll­te zu die­ser Zeit ei­ner mit­mi­schen, des­sen Ehr­geiz den Rah­men sei­nes klei­nen Kö­nig­reichs spreng­te: Leo­pold II. Der leb­te von 1835 bis 1909; ab 1865 war er der zwei­te bel­gi­sche Mon­arch (das Kö­nig­reich hat­te sich 1830 von den Nie­der­lan­den ge­trennt). Leo­pold, persönlich ver­mö­gend, grün­de­te als wis­sen­schaft­lich ge­tarn­te, doch im­pe­ria­lis­tisch an Zen­tral­afri­ka in­ter­es­sier­te Ver­ei­ne. Es ge­lang ihm, St­an­ley zu en­ga­gie­ren: Die­ser soll­te den Kon­go-Fluss hin­auf­fah­ren und das, was er sah, für Leo­pold in An­spruch neh­men.

1879 brach St­an­ley auf, un­ter der blau­en Fah­ne mit dem gol­de­nen Stern der As­so­cia­ti­on In­ter­na­tio­na­le du Con­go. Un­ter­wegs schloss er mit rund 450 Häupt­lin­gen vor­teil­haf­te «Ver­trä­ge» ab. Er und sei­ne Kom­pa­gnons er­rich­te­ten am Kon­go und sei­nen Ne­ben­flüs­sen Stütz­punk­te, dar­un­ter Léo­pold­vil­le, das heu­ti­ge Kinsha­sa, auf der lin­ken Sei­te des Stroms. Auf der rech­ten ge­ra­de ge­gen­über ver­ewig­te sich da­mals der Fran­zo­se Sa­vor­gnan de Braz­za mit Braz­za­vil­le. Im Ren­nen um Zen­tral­afri­ka be­hiel­ten die Bel­gi­er die Na­se

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