Ein Tüft­ler und Ver­käu­fer

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - AS

Schon als klei­ner Jun­ge blick­te er auf die Fa­b­rik hin­un­ter. «Ich bin in Sicht­wei­te von Ko­max auf­ge­wach­sen», er­zählt Ma­ti­jas Mey­er, seit gut zwei Wo­chen Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer (CEO) von Ko­max. Nicht nur des­we­gen war er, als er 2007 zum Her­stel­ler von Ka­bel­ver­ar­bei­tungs­ma­schi­nen stiess, mit dem Un­ter­neh­men schon ei­ni­ger­mas­sen ver­traut. Wäh­rend des ETH-In­ge­nieur­stu­di­ums ab­sol­vier­te Mey­er ein Prak­ti­kum bei Ko­max. Bis er als Stand­ort­lei­ter in Süd­frank­reich ins In­ner­schwei­zer Un­ter­neh­men ein­trat, soll­te es aber noch fünf­zehn Jah­re dau­ern. In der Zwi­schen­zeit ver­dien­te der 44-Jäh­ri­ge sei­ne Spo­ren beim Halb­lei­ter­her­stel­ler Esec und bei Tor­nos ab. Mit ei­nem MBA in Mar­ke­ting aus­ge­rüs­tet, muss­te Mey­er sich beim bern­ju­ras­si­schen Ma­schi­nen­pro­du­zen­ten als Lei­ter Pro­dukt­mar­ke­ting durch­set­zen, «ge­gen das Vor­ur­teil, ich sei bloss ein Ent­wick­ler und Tüft­ler».

Im Ge­spräch wirkt der Fa­mi­li­en­va­ter ru­hig, kon­zen­triert, den­noch lo­cker. Er wol­le sich über Leis­tung de­fi­nie­ren, aber gleich­zei­tig Spass an der Ar­beit emp­fin­den, sagt Mey­er. Ei­nen Kar­rie­re­plan ha­be er nie im Kopf ge­habt. 2007 kam die An­fra­ge von Ko­max, die Ge­schäfts­füh­rung der fran­zö­si­schen Toch­ter zu über­neh­men. In der über­schau­ba­ren Ein­heit lern­te Mey­er im Klein­for­mat al­les, mit dem ein CEO kon­fron­tiert wird, von der Pro­duk­ti­on bis zum Mar­ke­ting. Und dem Boom folg­te ei­ne Ab­satz­kri­se. Mey­er muss­te die Pro­duk­ti­on von Ka­bel­ver­ar­bei­tungs­ma­schi­nen auf So­lar um­po­len, weil die­ses Ge­schäft noch wie ge­schmiert lief, wenn­gleich nicht für all­zu lan­ge. Nach dem Zu­sam­men­bruch des So­lar­markts wur­de Mey­er En­de 2010 – nach acht Jah­ren Aus­lands­auf­ent­halt – als Chef der Haupt­spar­te Wi­re be­ru­fen, um wie­der für mehr Wachs­tum im an­ge­stamm­ten Ge­schäft der Ka­bel­ver­ar­bei­tungs­ma­schi­nen zu sor­gen. Das ge­lang dem fünf­spra­chi­gen Ma­na­ger gut: Zwi­schen 2011 und 2014 stieg der Um­satz von Wi­re, un­ter­stützt durch Ak­qui­si­tio­nen und ho­hes or­ga­ni­sches Wachs­tum, von 190 auf 295 Mio. Fr. Die Zahl der Stand­or­te wur­de ver­dop­pelt. Nun, in der Dop­pel­rol­le als CEO und Spar­ten­lei­ter Wi­re, muss sich Mey­er an­ders or­ga­ni­sie­ren. Zu­vor konn­te er sich aufs rein Ope­ra­ti­ve kon­zen­trie­ren, jetzt kommt un­ter an­de­rem die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den In­ves­to­ren hin­zu. Bald gilt es auch, die ers­te Stra­te­gie­sit­zung mit dem Ver­wal­tungs­rat vor­zu­be­rei­ten. Vor zwei Mo­na­ten gab Ko­max be­kannt, «sämt­li­che stra­te­gi­sche Op­tio­nen» zu prü­fen. Na­he­lie­gen­der­wei­se geht es auch um die Fra­ge ei­nes all­fäl­li­gen Ver­kaufs der Spar­te Med­tech, die wie So­lar die Er­war­tun­gen kaum je er­füllt hat.

Ein Selbst­läu­fer ist aber auch Wi­re nicht. «Der Er­folg liegt nicht auf der Stras­se», be­tont Mey­er. Ein Ziel ist, die Wert­schöp­fungs­ket­te zu ver­brei­tern und Branchen aus­ser­halb der Au­to­in­dus­trie zu stär­ken. Ko­max in­ves­tiert ho­he 8% der Ein­nah­men, um In­no­va­ti­on und or­ga­ni­sches Wachs­tum zu för­dern. Ob es dem neu­en CEO ge­lingt, die Stei­ge­rungs­ra­ten wei­ter­zu­füh­ren, hängt nicht zu­letzt da­von ab, ob sich der Au­to­mo­bil­sek­tor wei­ter­hin ra­scher als die Ge­samt­wirt­schaft ent­wi­ckelt. Mit der Elek­tro­ni­fi­zie­rung und der Di­gi­ta­li­sie­rung der In­dus­trie­welt hat Mey­er kei­ne Mü­he. Das ETH-Stu­di­um hat er mit dem The­ma «mo­bi­le Ro­bo­ter» ab­ge­schlos­sen: «Das war da­mals Sci­ence Fic­tion, ist heu­te aber mit dem Goo­gleCar fast schon Rea­li­tät!»

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