Gut ver­sorgt mit Ver­sor­ger­ak­ti­en

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS COR­TES

Nicht nur Trend­wen­den, auch Kon­so­li­die­run­gen ha­ben ih­re ty­pi­schen Mus­ter: in ers­ter Li­nie oh­ne vor­an­ge­gan­ge­ne Ab­nah­me der Markt­brei­te, oh­ne vor­an­ge­gan­ge­ne Trend­ak­ze­le­ra­ti­on ge­mes­sen am 20-Mo­na­te-Bol­lin­ger-Band und oh­ne auf­fäl­li­ge Ve­rän­de­rung der Um­sät­ze im Ver­gleich zu den Kurs­ver­läu­fen. Kon­so­li­diert wird pri­mär, wenn ei­ni­ge Sek­to­ren in ei­nem Markt im Ver­gleich zu an­de­ren ei­ni­ge Mo­na­te be­son­ders stark wa­ren, oder wenn in öko­no­misch eng ver­netz­ten Län­dern grös­se­re Un­ter­schie­de auf­ge­tre­ten sind, et­wa bei un­ge­wöhn­lich gros­sen Wäh­rungs­ver­än­de­run­gen.

Letz­te­res war im ers­ten Quar­tal 2015 der Fall. Zu ei­nem An­stieg des MSCI Welt von 1,8% und des S&P 500 von 0,4% setz­te der Eu­ro Sto­xx 50 mit plus 17,5% ei­nen mar­kan­ten Kon­trast – ei­ne ty­pi­sche Schwach­wäh­rungs­hausse.

Ham­mer und Am­boss

In ei­ner Kon­so­li­die­rung lei­den zu­nächst die stärks­ten Ak­ti­en des letz­ten An­stiegs am meis­ten. Ein Teil der Er­lö­se fliesst in Ti­tel von zu­rück­ge­blie­be­nen Sek­to­ren. Man spricht von Prä­fe­renz­ver­schie­bun­gen. Aus der Be­ha­vioral Finance ist be­kannt, dass oft Ge­win­ner­ak­ti­en ab­ge­stos­sen wer­den, die nach ein paar schwa­chen Wo­chen auf den Ge­win­ner­pfad zu­rück­keh­ren, wäh­rend neu prä­fe­rier­te Sek­to­ren bzw. Ak­ti­en nach ei­nem Stroh­feu­er in die Ver­lie­rer­quin­ti­le zu­rück­fal­len. Man muss al­so sehr um­sich­tig mit dem Ver­such um­ge­hen, neue be­vor­zug­te Sek­to­ren zu iden­ti­fi­zie­ren. Wenn sie nur vor­über­ge­hend be­vor­zugt wer­den und ih­re re­la­ti­ve Stär­ke nicht Trend­cha­rak­ter an­nimmt, lohnt sich zu­meist der Er­werb zu­rück­ge­blie­be­ner Ak­ti­en nicht.

Ei­ne Wie­der­ent­de­ckung

Ein wahr­schein­lich künf­ti­ger Ge­win­ner scheint mir der Sek­tor der Ver­sor­ger­ak­ti­en zu sein, re­prä­sen­tiert durch den DJ Sto­xx 600 Uti­li­ties Supp­liers. Nach aus­ge­präg­ter re­la­ti­ver Schwä­che zum MSCI Welt von Ja­nu­ar 2009 bis De­zem­ber 2013 und von Ja­nu­ar 2008 bis De­zem­ber 2013 zum Sto­xx 600 ent­wi­ckel­te sich der Sek­tor re­la­tiv stark zu bei­den In­di­zes bis De­zem­ber 2014. Da­nach wur­den Pro­fi­teu­re der Eu­roschwä­che ge­sucht, zu de­nen Ver­sor­ger nicht ge­hö­ren. Seit März legt der Sek­tor zu Sto­xx 600 und seit April auch zum MSCI Welt wie­der zu. Das geht Hand in Hand mit ei­ner Kon­so­li­die­rung des Dol­lars zum Eu­ro, nach­dem der Dol­lar­auf­schwung be­son­ders im ers­ten Quar­tal (+12,6%) zu ra­sant war, um sich un­ge­bremst fort­set­zen zu kön­nen.

Hier sei auch auf die Dau­er der re­la­ti­ven Trends, wie sie in der re­la­ti­ven Schwä­che des Sek­tors zu MSCI Welt und Sto­xx 600 schon ge­nannt wur­de, hin­ge­wie­sen. Im ers­ten Quar­tal 2015 hat der im De­zem­ber 2013 be­gon­ne­ne re­la­ti­ve Auf­wärts­trend des DJ Sto­xx 600 Uti­li­ties Supp­liers kon­so­li­diert, aber der re­la­ti­ve Trend hat nicht nach un­ten ge­dreht. Es gab ei­nen er­kenn­ba­ren Grund für die­se Kon­so­li­die­rung, der nun gar nicht mehr oder ab­ge­schwächt wäh­rend vor­aus­sicht­lich ei­ni­ger Mo­na­te kei­ne we­sent­li­che Rol­le mehr spielt.

Ich be­mü­he mich, zwi­schen stra­te­gi­schem und tak­ti­schem Ti­ming zu un­ter­schei­den. Ers­tes be­stimmt die Al­lo­ka­ti­on in Ak­ti­en. Sie soll­te an ei­nem Brenn­punkt wie im März 2009 fest­ge­legt und bis zum nächs­ten Brenn­punkt un­ver­än­dert blei­ben. Die Ak­ti­en­märk­te be­fin­den sich nicht an ei­nem Brenn­punkt, folg­lich soll­te die Ak­ti­en­quo­te stra­te­gisch nicht an­ge­fasst wer­den. Das tak­ti­sche Ti­ming soll hel­fen, sich aus Prä­fe­renz­ver­schie­bun­gen Vor­tei­le zu ver­schaf­fen. Die­se su­che ich der­zeit u.a. mit ei­ner Über­ge­wich­tung im DJ Sto­xx 600 Uti­li­ties Supp­liers zu er­rei­chen. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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