Vor­über­ge­hend un­si­cher

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - PHILIPP JÄGG­LE,

Ei­ne US-Leit­zins­er­hö­hung schon im Ju­ni ist prak­tisch vom Tisch.

Ei­ne ers­te US-Leit­zins­er­hö­hung be­reits im Ju­ni ist nach der Ver­öf­fent­li­chung des jüngs­ten Sit­zungs­pro­to­kolls der US-No­ten­bank (Fed) prak­tisch aus­ge­schlos­sen. Zwar sieht das Fed die Kon­junk­tur­ab­küh­lung zu Jah­res­be­ginn als vor­über­ge­hend an. Doch die Aus­sich­ten sei­en mit er­höh­ter Un­si­cher­heit be­haf­tet, warn­ten die No­ten­ban­ker.

Da­bei äus­ser­ten sie auch wach­sen­de Sor­ge über Ri­si­ken in Über­see – Chi­na und Grie­chen­land. Kon­tro­vers wur­de auch dar­über dis­ku­tiert, ob die Kon­sum­zu­rück­hal­tung nur tem­po­rär ist oder Aus­druck ei­nes län­ge­ren Ab­wärts­trends. Letzt­lich geht das Fed da­von aus, dass es kon­junk­tu­rell auf­wärts­geht und sich auch die La­ge am Ar­beits­markt bes­sert. Es ist dem­nach wahr­schein­lich, dass im Sep­tem­ber die ers­te US-Leit­zins­er­hö­hung kommt.

Nicht al­le über­zeug­ten

Ne­ben er­freu­li­chen Da­ten zum US-Häu­ser­markt über­rasch­te in der ver­gan­ge­nen Wo­che auch der Lea­ding In­dex mit ei­nem kräf­ti­gen An­stieg. Auch wenn die­ser In­di­ka­tor vor al­lem von ei­nem star­ken An­stieg der Bau­be­wil­li­gun­gen pro­fi­tier­te, könn­te das ein ers­ter Hin­weis da­für sein, dass die USWirt­schaft jetzt wie­der Fahrt auf­nimmt.

Doch nicht al­le In­di­ka­to­ren über­zeug­ten. So er­mäs­sig­te sich et­wa der Ein­kaufs­ma­na­ger­index für das ver­ar­bei­ten­de Ge­wer­be im Mai und fiel auf den tiefs­ten Stand seit An­fang Jahr. Auch der Phil­adel­phia Fed In­dex zeig­te ei­ne Ab­küh­lung an. Ins­ge­samt dürf­te die US-Wirt­schaft schon bald wie­der kräf­tig um 2,5 bis 3% wach­sen.

Nach der – zu­nächst im klei­nen Kreis ab­ge­ge­be­nen – An­kün­di­gung der EZB, ei­nen Teil der mo­nat­li­chen An­lei­hen­käu­fe vor­zu­zie­hen, um der zu er­war­ten­den Som­mer­flau­te Rech­nung zu tra­gen, sind die lang­fris­ti­gen Ren­di­ten in ei­ner ers­ten Re­ak­ti­on zu­rück­ge­kom­men. Im Wo­chen­ver­gleich no­tie­ren die zehn­jäh­ri­gen Staats­an­lei­hen Deutsch­lands al­ler­dings nur we­nig tie­fer, in Ita­li­en und Spa­ni­en ging die lang­fris­ti­ge Ren­di­te so­gar et­was nach oben. Das zeigt, dass die quan­ti­ta­ti­ve Lo­cke­rung der EZB für die Ent­wick­lung der Ren­di­ten ei­ne ent­schei­den­de Rol­le spielt: Das An­kauf­pro­gramm der EZB wird nach­hal­tig hö­he­re Ren­di­ten ver­hin­dern.

In der Cau­sa Grie­chen­land gibt es noch kei­ne Ent­war­nung. Die Po­si­tio­nen in den Ver­hand­lun­gen lie­gen nach wie vor aus­ein­an­der. Die Zeit eilt. Die Ra­ting­agen­tur Moo­dy’s schätzt die La­ge der grie­chi­schen Ban­ken als ex­trem schwie­rig ein. An­ge­sichts der schwin­den­den Li­qui­di­tät und Puf­fer könn­ten Ka­pi­tal­ver­kehrs­kon­trol­len ein­ge­führt und Kon­ten ge­sperrt wer­den.

Als wahr­schein­lichs­tes Sze­na­rio bie­tet sich ei­ne Ei­ni­gung in letz­ter Mi­nu­te an. Soll­ten die Ver­hand­lun­gen wi­der Er­war­ten schei­tern, muss es nicht zwin­gend zu ei­nem Gr­ex­it kom­men. Für wahr­schein­li­cher ist ei­ne Volks­be­fra­gung zum Eu­ro oder ei­ne neue, re­form­wil­li­ge Re­gie­rung. Erst wenn auch die­se Op­ti­on schei­tert, wird ein Aus­tritt Grie­chen­land aus dem Eu­ro akut.

Eu­ro-Ak­ti­en im Hoch

Die Ak­ti­en­märk­te ha­ben in der ver­gan­ge­nen Wo­che mehr­heit­lich Kurs­ge­win­ne ein­ge­fah­ren. An die Spit­ze setz­ten sich die eu­ro­päi­schen Bör­sen, un­ter­stützt vom wie­der­er­stark­ten Dol­lar, der in den ver­gan­ge­nen Ta­gen gut 4% zum Eu­ro gut­mach­te. Seit ei­ni­gen Mo­na­ten lässt sich ei­ne au­gen­fäl­li­ge Par­al­lel­ent­wick­lung zwi­schen der re­la­ti­ven Per­for­mance der eu­ro­päi­schen und den US-Ak­ti­en und der Ent­wick­lung des Eu­ro-Dol­lar­Kur­ses be­ob­ach­ten.

Die Auf­wer­tung des Dol­lars dürf­te Be­stand ha­ben. Schliess­lich ist mit ei­ner kla­ren Er­ho­lung der US-Konjunktur im zwei­ten Quar­tal zu rech­nen, und auch die Aus­sicht auf ei­ne Er­hö­hung der USLeit­zin­sen im zwei­ten Halb­jahr spricht für ei­nen stär­ke­ren Dol­lar. Eu­ro­päi­sche Ak­ti­en soll­ten an­ge­sichts die­ser Kon­stel­la­ti­on bes­ser lau­fen als US-Ti­tel. Dar­über hin­aus ist für die Ak­ti­en­märk­te im All­ge­mei­nen vor­sich­ti­ger Op­ti­mis­mus an­ge­sagt. Das Po­ten­zi­al für wei­te­re Kurs­ge­win­ne ist jetzt aber be­grenzt an­ge­sichts der doch recht ho­hen Be­wer­tung so­wie der sich an­kün­di­gen­den Er­hö­hung der US-Leit­zin­sen.

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